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Finanzkrise: Gewalt am Arbeitsplatz nimmt zu

Im Zuge von Massenentlassungen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise nimmt die Zahl von Gewalttaten am Arbeitsplatz bis hin zu Amokläufen zu. Da immer mehr Jobs wackeln und die Stresssituation der Betroffenen ansteigt, erhöht sich das Potenzial zu möglichen Gewalttaten. Dass sich extreme Amokläufe wie in den USA zukünftig auch hierzulande ereignen könnten, halten Arbeitspsychologen angesichts statistischer Daten zum Thema Gewalt am Arbeitsplatz und Mobbing als nicht unwahrscheinlich…

Obwohl extreme Gewalttaten wie Amokläufe noch Ausnahmefälle sind, verweisen Arbeitspsychologen seit der Intensivierung der Finanzkrise samt Folgen für die Realwirtschaft auf zeitnah liegende Fallsteigerungen. „Wir sind ab 2001 am Markt tätig und stehen unseren Kunden beratend zur Seite. Allein im Dezember dieses Jahres haben die Fälle so stark zugenommen, wie in den vergangenen sieben Jahren nicht“, unterstreicht Jens Hoffmann vom Institut Psychologie & Sicherheit im Gespräch mit pressetext.

Finanzkrise lässt Gewalttaten im Büro ansteigen – Drohungen gegen Chefs und Kollegen als erste Warnzeichen

Laut dem Unternehmensberater sind die Bedrohungen im Zuge immenser wirtschaftlicher Unsicherheiten sprunghaft angestiegen. Die häufigsten Fälle in den Unternehmen beziehen sich entweder auf physische Gewalt oder deren Androhung durch Kunden oder Kollegen. Obwohl die gestiegene Gewaltbereitschaft nicht vorschnell und undifferenziert als bloßes Phänomen der Finanzkrise interpretiert werden darf, wird das Problem immer virulenter.

„Amokläufe wie in den USA, wo entlassene Mitarbeiter ihre Kollegen oder die gesamte Chef-Etage erschießen, halte ich auch in der Bundesrepublik oder in anderen EU-Staaten jederzeit für denkbar“, verdeutlicht Hoffmann im pressetext-Interview. Dem Fachmann nach gehen die gewaltbereiten Mitarbeiter oft auf Kollegen höherer Hierarchieebenen los. „Da die Gesetze für den Besitz von Schusswaffen hierzulande restriktiver als in den USA sind, habe ich es in meiner Beratung bereits mit Messern oder Samuraischwertern zu tun gehabt“, sagt Hoffmann. Doch nicht nur die Angst vor Arbeitsplatzverlust treibt Mitarbeiter zu Verzweiflungstaten. Auch die Ressourcenknappheit im Arbeitsumfeld sowie persönliche Krisen wiegen schwer.

Laut Hoffmann fehlt es in vielen Unternehmen an einem Bedrohungs-Management-Team, an das sich Mitarbeiter bei Problemen wenden können. Dass private Krisen, Stress sowie die Angst vor dem Verlust der Stelle Gewalt am Arbeitsplatz bewirken können, zeigt die Statistik. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge stiegen die Fälle in Deutschland zwischen 2006 (6.556 Fälle) und 2007 (7.246 Fälle) im gewerblichen Bereich um etwa zehn Prozent. Experten verweisen hierbei auf eine große Dunkelziffer. Die zunehmende Zahl an befristeten Stellen oder Leiharbeitsverträge erhöhe das Aggressionspotenzial, so Experten.

Angestellte sollten etwaige Auffälligkeiten sofort melden. „Zum Glück gibt es Warnsignale, die es zu beachten gilt, um eine Eskalation zu vermeiden“, rät Hoffmann. Laut einer Studie der Technischen Universität Darmstadt gibt es Kennzeichen, die mögliche Täter im Vorfeld schwerer Gewalt am Arbeitsplatz häufig aufweisen. Dazu zählen unter anderem die Entscheidungsbefugnis des Opfers über den Täter, paranoide oder querulantorische Persönlichkeitszüge, psychische Labilität oder Gewaltandrohungen bzw. Tatankündigungen. Aber auch Vorbereitungshandlungen wie beispielsweise Abschiedbriefe oder das finale Beschaffen einer Waffe zur Tatausübung sind Warnhinweise.