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Ärztliche Seelsorge: Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse

Wer dürfte von Psychotherapie sprechen, ohne Freud und Adler zu nennen? Wer könnte umhin, wenn von Psychotherapie die Rede ist, von der Psychoanalyse und Individualpsychologie Ausgang und immer wieder auf sie Bezug zu nehmen? Stellen doch beide die einzigen großen Systeme aus psychotherapeutischem Gebiete dar. Das Werk ihrer Schöpfer laßt sich aus der Geschichte der Psychotherapie nicht wegdenken…

Freud vergleicht die wesentliche Leistung der Psychoanalyse mit der Trockenlegung der Zuider-See: So wie hier überall, wo sich ursprünglich Wasser befand, fruchtbarer Boden gewonnen werden sollte – so soll in und durch die Psychoanalyse, dort, wo »Es« ist, »Ich« werden, das heißt, an Stelle des Unbewußten soll Bewußtsein treten; unbewußt Gemachtes soll bewußt gemacht werden, indem »Verdrängungen« aufgehoben werden. Es geht also der Psychoanalyse darum, das Ergebnis von Verdrängungsakten als Prozessen des Unbewußtmachens rückgängig; zu machen. Immerhin sehen wir hierbei, daß dem Begriff der Verdrängung innerhalb der Psychoanalyse eine zentrale Bedeutung zukommt, und zwar im Sinne einer Einschränkung des bewußten Ich vom unbewußten Es her. Im neurotischen System sieht die Psychoanalyse demnach eine Bedrohung, eine Entmachtung des Ich als Bewußtsein und demzufolge bemüht sich die analytische Therapie, verdrängte Erlebnisinhalte dem Unbewußten abzuringen, sie dem Bewußtsein zurückzugeben und so dem Ich einen Machtzuwachs zu erringen.

Analog dem Begriff der Verdrängung in der Psychoanalyse spielt in der Individualpsychologie der Begriff des Arrangements eine Hauptrolle. Im Arrangement versucht der Neurotiker, sich zu exkulpieren; hier wird also nicht der Versuch gemacht, etwas unbewusst zu machen, sondern sich selbst unverantwortlich zu machen; das Symptom soll gleichsam die Verantwortung übernehmen, es soll dem Kranken die Verantwortung abnehmen. Stellt es doch, im Blickfeld der Individualpsychologie, (als Arrangement) einen Rechtfertigungsversuch des Patienten vor der Gemeinschaft oder (als sogenannte Krankheitslegitimation) vor ihm selbst dar. Die individualpsychologische Therapie hat nun die Intention, den neurotischen Menschen für sein Symptom verantwortlich zu machen, das Symptom in die persönliche Verantwortungssphäre einzubeziehen, die Ich-Sphäre durch einen Zuwachs an Verantwortlichkeit zu erweitern.

Wir sehen sonach, daß die Neurose für die Psychoanalyse letzten Endes eine Einschränkung des Ich qua Bewußtsein darstellt und für die Individualpsychologie eine Einschränkung des Ich qua Verantwortlichsein…

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