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Aids-Vorbeugung: Ruf nach höherer Beschneidungsrate

Um die Zahl an sexuell übertragbaren Erkrankungen zu verringern, fordern US-Forscher eine höhere Beschneidungsrate unter Männern. Im New England Journal of Medicine http://content.nejm.org präsentieren Mediziner eine Studie aus Uganda, wonach eine Zirkumzision eine Infektion von Herpes-Simplex (HSV-2) und dem Humanen-Papilloma-Virus (HPV) deutlich reduziert…

Diskussionen um Sinnhaftigkeit prophylaktischer Zirkumzision
Die von den US-Wissenschaftlern geforderte Durchführung des Eingriffs konnte britische Forscher hingegen kaum überzeugen, berichtet BBC-Online.

Fast 3.500 Männer in Uganda, die sexuell aktiv sind, hatten an der Studie, die zwei Jahre lang dauerte, teilgenommen. Die Forscher von der Johns Hopkins University http://www.jhu.edu haben festgestellt, dass Beschnittene ein um 25 Prozent verringertes Risiko hatten, an Herpes und ein um ein Drittel verringertes Infektionsrisiko an HPV aufwiesen. Die Übertragungsrate von Syphilis war bei Beschnittenen und Nicht-Beschnittenen gleich. Die Studienautoren Matthew Golden und Judith Wasserheit von der University of Washington sehen im Studienergebnis deutliche Hinweise darauf, dass die Beschneidung nicht nur als Aids-Prävention, sondern auch zur Vorbeugung anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen hilft. Die Zahl an beschnittenen US-Bürgern hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Unter den Schwarzen und den Latinos sind die Zahlen besonders niedrig.

Die Aufforderung zu einer Beschneidung ohne medizinische Indikation – also lediglich zur Vorbeugung – stößt vielen Experten in Europa sauer auf. „Die männliche Vorhaut erfüllt eine wichtige Schutzfunktion. Ohne klassische medizinische Indikation gibt es keinen Grund, diese zu entfernen“, meint der Sexualmediziner Georg Pfau http://www.maennerarzt-linz.at im pressetext-Interview. Dass bei der Frage um die Beschneidung auch weltanschauliche und religiöse Gründe eine Rolle spielen, sei ebenso wesentlich, meint der Mediziner.

Colm O’Mahoney, Sexualmediziner am Chester Foundation Trust Hospital wirft den US-Forschern Besessenheit beim Thema der prophylaktischen Beschneidung vor. Es stehe außer Streit, dass eine Beschneidung vorbeugend gegen Infektionen wirkt, allerdings sei der Schluss, dies als alleinige Lösung der Probleme zu sehen, die falsche Botschaft. „Das legt nahe, dass es die Frauen sind, die unschuldige Männer infizieren und man daher die unschuldigen Männer schützen muss. Zudem erlaubt es Männern, ihr unverantwortliches Verhalten fortzusetzen mit wechselnden Sexualpartnern ohne Kondom zu verkehren“, wettert der Mediziner.

„Wenn man Sexualität in Verbindung mit einer emotionalen Beziehung zu einem geliebten Menschen sieht, dann stellt sich die Frage eine Zirkumzision als vorbeugende Maßnahme nicht“, meint auch Pfau. „Dann handelt es sich um eine Maßnahme, die am Kern des eigentlichen Problems vorbeigeht“, so der Sexualmediziner abschließend im pressetext-Interview.

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