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Die Alexander-Technik

Ende des neunzehnten Jahrhunderts lebte in Australien der Shakespeare-Schauspieler und Monologsprecher Frederick Matthias Alexander, den seine Stimme recht ordentlich ernährte. Zu seinem Unglück aber litt Herr Alexander an unerklärlichem periodischem Stimmverlust. Er suchte einen Arzt nach dem anderen auf, doch keiner fand einen medizinischen Grund für dieses Versagen des Sprechvermögens…

Herr Alexander verbrachte fast neun Jahre damit, sich zu untersuchen. Mit Hilfe eines dreiteiligen Spiegels betrachtete er seine Gestalt aus jedem Blickwinkel, studierte und studierte und studierte Frederick Alexander – sehr zum Überdruß von Frau Alexander. Doch das war unwichtig – denn Frederick Alexander obsiegte: Er entdeckte, daß sein Stimmverlust damit zusammenhing, wie er seinen Hals zu halten pflegte, daß seine Haltung Nackendruck nach hinten und unten verursachte.

Shakespeare war bald vergessen. Alexander brachte den Rest seines Lebens damit zu, eine umfassende Philosophie über Lernen und Funktion zu entwickeln. Sie entsprach seiner neuen Vorstellung von einer Änderung schlechter Gewohnheiten, Haltungen und Bewegungen, um ein neugeartetes, wesentlich besseres Funktionieren des Körpers zu ermöglichen. Wenn man mit Hilfe von Massage und mündlicher Anweisung eine natürliche senkrechte Verlängerung der Wirbelsäule erreichen könnte, dachte Alexander, habe man in der Tat einen besseren Körper – der fähig sei, sich mit erhöhter Qualität zu bewegen, zu denken, zu arbeiten und zu sprechen.

Die Ansicht des ehemaligen Shakespeare-Schauspielers stimmte mit der These der Chiropraktik und der Osteopathie überein, die besagt, daß die richtige Balance der Wirbelsäule der Kernpunkt anhaltender Gesundheit sei. Nach seiner Ansicht war eine schlechte Balance der Wirbelsäule jedoch nicht auf Unfälle oder Erschütterungen zurückzuführen, sondern auf schlechte Angewohnheiten – auf falsche Ausführung der Körperbewegungen. Außerdem glaubte er, man könne den Verstand benutzen, um schlechte Angewohnheiten durch gute zu ersetzen. Daher gebe es keine Übungsserie, die sich für alle Menschen gleichermaßen eigne. Jeder Mensch müsse entsprechend seiner persönlichen Schnelligkeit und seiner körperlichen Bedürfnisse “umerzogen” werden.

Dadurch entstand ein Problem: Es gab kein einheitliches Verfahren, das man hätte schriftlich niederlegen können.

Man könne auch Golf nicht aufschreiben, beschied Alexander jene Kritiker, die ein Handbuch forderten, eine Liste – irgend etwas, das ihnen Anhaltspunkte gab. Worte waren jedoch unzulänglich, wenn es Alexanders Übungen zu beschreiben galt. Man konnte sein System nicht aus einem Buch lernen, sondern mußte es selbst spüren, erfühlen, vom Meister kopieren. Dies war nicht sehr günstig für die Nachwelt, aber das kümmerte Alexander wenig.

Er begann seine Schüler darin zu schulen, die Berührung in einer speziellen Massage anzuwenden, womit zunächst einmal der Nacken “befreit” werden sollte. Die spinale Energie müsse aufwärts fließen, lehrte er, damit jede Bewegung vom Kopf her erfolge. Wer Alexanders Massage erhielt, hatte das Gefühl, sein Kopf schwebe vorwärts und aufwärts, wie von einem riesigen Haken sanft gezogen, und sein Rücken werde breiter und länger. Schlechte Angewohnheiten sollten schrittweise abgebaut werden, Gelenke und Muskeln, durch Mißbrauch oder Nichtgebrauch seit langem verkrampft, sollten befreit werden.

Wie? Das weiß immer noch niemand. Dennoch machte die Arbeit mit eiitem “Lehrer der Alexander-Technik” Menschen frei von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, zwar nicht gerade ganze Scharen, aber immerhin ein paar Tausend. Viele berühmte Leute sangen und singen das Lob dieser Methode, darunter Aldous Huxley, der amerikanische Philosoph John Dewey und der niederländische Nobelpreisträger Jan Tinbergen (der ihr übrigens bei der Preisverleihung seine Dankesrede widmete).

Allgemein läßt sich sagen, daß Lehrer der Alexander-Technik ihre Behandlungen in unspezifischer und etwas unterschiedlicher Weise variieren. Bei einigen wird man aufgefordert, sich hinzusetzen, bei anderen muß man sich hinlegen. Der Lehrer spricht während der Behandlung, er beschreibt die richtigen Stellungen, in die er den Hals, den Nacken oder ein Bein bringt. Der Patient widmet seinen Worten mach innen kanalisierte” Aufmerksamkeit. Er konzentriert sich auf seine verspannten Stellen, während der Lehrer parallel zur manuellen physischen Behandlung verbale Instruktionen wiederholt. Die meisten Patienten benötigen eine Reihe von Lektionen, die sich über mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre erstrecken kann – je nach dem Grad der schlechten Haltungsgewohnheiten und dem Ausmaß der erforderlichen “Umerziehung”.

Im Jahr 1976 brachte der Forscher Franklin Jones etwas zu Papier – einige Beweise. Er untersuchte mit Hilfe von Röntgenaufnahmen, Fotografie und Elektromyographie Personen, die nach der Alexander-Technik behandelt wurden. Diese Personen analysierte er im Hinblick auf ihre schlechten Angewohnheiten vor der Behandlung, und dann erneut, wenn ein Lehrer der Alexander-Technik ihre Bewegungen lenkte. Niemand konnte die Wirksamkeit des Verfahrens anzweifeln: Nach der Behandlung zeigte sich eine wesentliche Besserung aller Funktionen.

Dennoch bleibt die Welt weitgehend im ungewissen über diese spezielle Berührungstherapie. Die von einem Lehrer zum nächsten weitergegebenen Geheimnisse werden von jedem gewahrt, der sie kennt. Handbücher gibt es nicht. Die Übungen sind genau auf die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten zugeschnitten und nicht auf die “breite Masse”. Der Grund dafür ist Alexanders Überzeugung, daß wir nicht nur an unserem Körper arbeiten müssen, sondern an unserem ganzen Ich.

Geeignete Anwendungsgebiete:

  • Rehabilitation verletzter Muskeln oder Gelenke;
  • Unwohlsein, Müdigkeit, Erschöpfung ohne erkennbaren Grund;
  • chronische Rücken-, Kopf- und Muskelschmerzen;
  • hoher Blutdruck, spastischer Dickdarm, Trigeminusneu-ralgie und Asthma (sowie anderes mehr).

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