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Schwarze im Geschäftsleben: Milchgesicht macht schwarze Manager erfolgreich

Kindliches Aussehen ist ein Karriere-Sprungbrett von Menschen schwarzer Hautfarbe in vorwiegend von Weißen besiedelten Ländern. Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Kellogg School of Management an der Northwestern University im Journal Psychological Science…

Vorurteil der Feindseligkeit
Bsp. Colin Powell: Sanfte Züge, die man von einem Militärstrategen kaum erwartet (Foto: WikimediaCommons)

kellogg.northwestern.edu – Sie untersuchten dafür die CEO-Portraits der größten Unternehmen. „Alle Eigenschaften, die Bedrohungsbilder in den Köpfen der Weißen abbauen, verhelfen Schwarzen beim Aufstieg. Das betrifft besonders das Aussehen, die Abstammung, jedoch auch das Verhalten. Schwarze Führungskräfte dürfen nicht wie Weiße zornig werden und Fäuste ballen, sondern sind auf einen gütigen, sanften Führungsstil angewiesen“, berichtet Studienleiter Robert Livingston im pressetext-Interview.

Die Psychologen legten ihren Versuchspersonen Fotos von 40 Geschäftsführern der 500 weltweit umsatzstärksten Unternehmen vor und baten sie, auf einer Skala das Maß kindlicher Züge, Führungskompetenz und persönlicher Wärme zu beurteilen. Darunter befanden sich die zehn einzigen männlichen CEOs mit schwarzer Hautfarbe, die es bisher in die Bestenliste geschafft haben. Je erfolgreicher das Unternehmen war, desto deutlicher zeigten schwarze Geschäftsführer kindliche Gesichtszüge wie etwa ein rundes Gesicht, volle Backen, eine längliche Stirn, eine kleine Nase und volle Lippen. Die Firmen der Milchgesichter mit weißer Hautfarbe waren hingegen eher im hinteren Teil der Bestenliste angesiedelt.

Livingston bezeichnet kindliche Gesichtszüge als doppelschneidiges Schwert. „Einerseits fördern sie den Eindruck von Wärme, was für schwarze Führungskräfte ein Vorteil ist, da es dem Stereotyp der Feindseligkeit entgegenwirkt.“ Weiße Führungskräfte seien auf den Abbau dieses Vorurteils nicht angewiesen. „Ganz im Gegensatz dazu wird ein Milchgesicht für sie zur Belastung, da es den Eindruck mangelnder Kompetenz schürt.“ Da viele schwarze Geschäftsleute die Studienergebnisse bestätigt hätten, hält Livingston sie auch für die allgemeine Arbeitswelt gültig – und auch für die Politik. „Colin Powell hat nicht das eckige, gemeißelte und übertrieben maskuline Erscheinungsbild, das man von einem hohen Militärgeneral erwarten würde. Vielmehr besitzt er kindliche Züge, eine weiche Sprache und ist leutselig.“ Dasselbe Muster beobachtet Livingston bei den schwarzen Staatsoberhäuptern in den afrikanischen Ländern, die wie Südafrika einen hohen weißen Bevölkerungsanteil besitzen. Schwarze Politiker in vorwiegend von Schwarzen besiedelten Ländern hätten hingegen oft einen autoritären Führungsstil, der mit dem vieler weißer US-Politiker vergleichbar sei.

Dass es bisher erst zehn Menschen mit schwarzer Hautfarbe geschafft haben, ein Unternehmen der „Fortune-500“-Liste des Magazin Forbes zu leiten, habe ähnliche Gründe wie das Ausbleiben weiblicher Führungskräfte in der Liste. „Nicht einmal jedes Dreißigste dieser Unternehmen wird von Frauen geführt. Wir konnten zeigen, dass die US-Bevölkerung sofort an weiß und männlich denkt, wenn sie den Begriff ‚Führungskraft‘ hört. Schwarzen und Frauen spricht man Qualifikation ab, besonders wenn viele der Menschen, über die Macht ausgeübt wird, weiße Männer sind“, so Livingston. Für viele Menschen sei diese Umkehr der sozialen Hierarchie – bewusst oder unbewusst – eine Bedrohung.

Warum Schwarze von vielen Weißen als Bedrohung wahrgenommen werden, sei teilweise durch Gruppendynamiken grundgelegt. „Menschen bevorzugen in der Regel andere, die ihnen ähnlich sind“, so Livingston. „Wer sich von der eigenen Gruppe unterscheidet, steht außerhalb und wird als Bedrohung empfunden. Unter den frühen Menschen könnte die bloße Anwesenheit eines Angehörigen aus einem anderen Stamm eine mögliche Bedrohung für die Sicherheit oder die Ressourcen bedeutet haben.“ Verstärkt werde diese Tendenz durch mehrere Kanäle. „Die Gesellschaft, die Medien, Hollywood und auch die Musikindustrie stellen männliche Afro-Amerikaner sehr häufig auf eine Weise dar, dass die Auffassung unterstützt wird, sie seien aggressiv, feindlich und bedrohlich.“ Neben der Feindseligkeit mache männlichen Schwarzen jedoch auch das Vorurteil zu schaffen, Schwarze seien nicht kompetent oder faul, erklärt der US-Psychologe, der selbst dem afroamerikanischen Bevölkerungsteil angehört, gegenüber pressetext.

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