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Hadasah – Jerusalem: Sind Friedensprojekte für Medien überhaupt interessant?

Es ist schon merkwürdig, dass Israel so viele Friedensaktivitäten setzt, von denen man nie in Zeitungen liest. Jede Verteidigung der eigenen Bürger wird hingegen medial oft als Aggression gedeutet. So stehen die Frauen von Machsom Watch, meistens Akademikerinnen, um den Ablauf an den verschiedenen Checkpoints so reibungslos wie möglich zu gestalten, an den verschiedenen Checkpoints und versuchen zu helfen und Eskalationen zu vermeiden…

Zahlreiche Organisationen (Gush Shalom, T’ajusch u.a..) versuchen palästinensische Bauern vor Übergriffen radikaler Siedler zu schützen und z.B. bei der Olivenernte zu helfen. Die Gay-Community in Tel Aviv unterstützt jugendliche Flüchtlinge aus den Verwaltungsgebieten der Palästinenserbehörde, die sich dort, wegen ihrer sexuellen Vorlieben, in Gefahr für Leib und Leben befinden.

Zahlreiche Beispiele der Kooperation finden sich auch in den Heilberufen. So beteiligen sich israelische Ärzte und Apotheker regelmäßig an Wochenend-Ambulatorien in den besetzten Gebieten. „Physicians for Human Rights“ ist eine Organisation in Israel, die den Krankentransport aus den palästinensischen Gebieten in die verschiedenen Spitäler in Israel erleichtern.

In den Hadassah-Spitälern [hebr. / arab.] erhalten jährlich acht bis zehn palästinensische Ärzte eine Anstellung, um ihre Fachausbildung zu absolvieren. Das Gehalt dieser Ärzte wird von der österreichischen Stiftung der Karl Kahane-Foundation finanziert. Die „Karl Kahane-Fellows„, inzwischen 42 hochqualifizierte Spezialisten, arbeiten in den palästinensischen Gebieten und sind auch in ständigem wissenschaftlichen und freundschaftlichen Kontakt mit ihren Kollegen in Israel. Das Besondere an diesem Projekt ist die Tatsache, dass die Kahane-Foundation eine Facharztausbildung garantiert, das heißt, die monatlichen Gehaltszahlungen übernimmt – auch wenn es mehrere Jahre dauert. Sie finanziert die Reisen zu Kongressen und ermöglicht dem auszubildenden Arzt auch eine Ausbildung in Hebräisch, wenn es notwendig ist.

Ein Ärzteteam von Herzchirurgen operiert laufend mit einer 100%-igen Überlebenschance „Blaue Babys“, eine sehr häufige genetische Erkrankung bei Palästinensern. Die beiden Ärzte, die diese Operationen durchführen, kommen einerseits aus Bethlehem, und andererseits aus Jerusalem. Dr. Marzouka und Prof. Milgalter aus Jerusalem arbeiten schon seit über zehn Jahren Seite an Seite. Ihre Arbeit wird teilweise auch von der Shimon-Perez-Foundation finanziert.

Die Abteilung der Kinderpsychiatrie der Hadassah bildet schon das zweite Jahr einen Jugendpsychiater aus Gaza aus. Es war sein größter Wunsch, eine fundierte Ausbildung für Kinderpsychiatrie zu machen. Zuerst musste er jedoch Hebräisch lernen und es war notwendig, eine Unterkunft in Jerusalem zu finden. Jeder Mitarbeiter der Kinderpsychiatrie brachte ihm einen Einrichtungsgegenstand. An den Wochenenden wollte er aber seine Familie besuchen. Wenn man weiß, wie schwierig es ist, die Checkpoints zu passieren und die verschiedenen Busse nach Gaza zu nehmen, kann man sich vorstellen, dass er kaum Zeit gefunden hätte, seine Familie zu sehen. Hadassah-Austria sprang ein und finanziert ihm die Taxifahrten. Während der Kämpfe in Gaza hatte die Chefin der Kinderpsychiatrie täglich telefonischen Kontakt mit ihm, denn er war natürlich bei seiner Familie und nicht im Spital.

Hämatologie: Bluterkrankungen wie Leukämie führen unweigerlich zum Tod, wenn nicht mit Stammzellen- oder Knochemarkstransplantationen geholfen werden kann. Der passende Spender ist schwer zu finden. Spender können manchmal auch in Clan-ähnlichen Verbindungen und Umgebungen gefunden werden. Bei erkrankten Kindern besteht oft eine große Chance das Leben zu retten, wenn man einen passenden Knochenmarksspender findet. Prof. Brautbar von den Hadassah-Spitälern in Jerusalem startete ein ungewöhnliches Konzept, nämlich eine Knochenmarksspenderzentrale für arabische Patienten, weil für diese Patienten die genetisch passenden Knochenmarksspender nicht in genügendem Maße vorhanden waren. Dieses Projekt ist bis jetzt einzigartig in der arabischen Welt. Es muss zuerst einmal sehr viel Aufklärungsarbeit unter der arabischen Bevölkerung Israels gemacht werden. Hierbei arbeitet Prof. Brautbar mit einer arabischen Kollegin, Dr. Amal Bishara, zusammen. Die Öffentlichkeitsarbeit in der arabischen Bevölkerung wird dabei auch von arabischen Druckereien und Fernsehsprechern unterstützt. Hadassah-Austria unterstützt zusammen mit der Karl Kahane-Fondation dieses Projekt. Noch immer kämpft man um das Leben von zwei leukämiekranken Kindern, für die man bisher noch keine Spender finden konnte.

Das sind nur kleine Beispiele einer gelungenen Kooperation, die aber selten oder kaum ihren Weg in die Öffentlichkeit finden.

3 comments to Hadasah – Jerusalem: Sind Friedensprojekte für Medien überhaupt interessant?

  • Sigrid

    Oh, ich denke solche Aktionen passen nicht in das Bild von Israel. Deswegen wird nicht darüber geschrieben.

  • Dimitri

    Ich kenne den Kinderpsychiator aus Gaza, habe zeitweise mit ihm zusammen Hebräisch gelernt. Ein sehr sehr netter und höflicher Mann, dass ich ihn kannte, bewahrte mich vor Frontdenken während des Gazakriegs. Ich bin sehr froh, dass er am Leben ist, hoffentlich ist seine Familie auch wohlauf.

  • Koshiro

    Der Autor des Artikels liest die falschen Medien. Ich habe jedenfalls von alledem schon mehrmals gelesen.

    Aber um das gleich mal beispielhaft in die richtige Perspektive zu rücken: An Checkpoints zu vermitteln, ist ja schön und gut. Aber das ändert nichts daran, daß die Checkpoints an sich verwerflich sind und bleiben.
    Zum Vergleich: Die Tafelbewegung hier in Deutschland hat sicher ihre Meriten. Aber daß Leute überhaupt so tief sinken, daß sie sich vor Lebensmittelausgabestellen in eine Schlange stellen können, ist in unserem reichen Land der eigentliche Skandal. Und genau so wenig, wie sich der deutsche Staat es zugute halten kann, daß private Organisatonen die von ihm geschaffenen elenden Zustände abfedern, kann das analog der israelische Staat tun.