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Teamwork ist Erfolgsrezept bei Interkulturalität: Integration, Motivation und Reflexion wichtigste Faktoren

Teamarbeit im interkulturellen Kontext braucht gemeinsame Ziele, eine Integration jedes Mitglieds und eine Aufgabenzuteilung, die auf Stärken des Einzelnen Rücksicht nimmt. Zu diesem Schluss kommt die Psychologin Daniela Gröschke von der Ruhr-Universität Bochum in der Erforschung der Voraussetzungen für das Teamwork von Personen, die sich in Alter, Berufs- oder Migrationserfahrung unterscheiden…

Interkulturelle Arbeitssituationen nehmen durch die Globalisierung zu

ruhr-uni-bochum.de/aup – Als „Kultur“ verstand Gröschke unterschiedliche Sozialisationserfahrungen. „Die Nationalität ist als alleiniger Ansatz für Kultur zwar leichter handhabbar, greift in vielen Arbeitssituationen jedoch zu kurz“, so die Forscherin im pressetext-Interview.

Gröschkes Erkenntnisse beruhen auf der Videoanalyse eines Unternehmensplanspiels. Fünf Gruppen zu jeweils fünf Personen erhielten dazu die Aufgabe, durch Planung, Entscheidung und Durchführung zwei Tage lang ein Unternehmen zu führen und sich gegen Mitbewerber durchsetzen bzw. mit diesen zu kooperieren. In der Analyse wurde der Spielerfolg der einzelnen Gruppen schließlich mit ihren Handlungsnormen in Relation gesetzt. „Bestimmte Stresssituationen der Realität können auf diese Weise gut dargestellt werden“ berichtet die Forscherin. Besondere Kontraste seien bei Arbeitsgewohnheiten aufgetreten, wenn es beispielsweise etwa um Aktivität in der Informationsbeschaffung ging. Ausgeklammert wurde allerdings das Problem der Sprache. „Reibungslose Kommunikation ist besonders in Stresssituationen wichtig, um Missverständnisse zu reduzieren“ so Gröschke.

Viele Modelle beschreiben bisher „interkulturelle Kompetenz“ durch die Ansammlung von Fähigkeiten, ohne dass sich bisher ein bestimmter Zugang durchgesetzt hätte. Gröschkes Forschungsanliegen war hingegen der Blick hinter Einzelfähigkeiten und die Frage, was eine gesamte Gruppe handlungsfähig macht. „Als wichtiges Erfolgsmerkmal zeigte sich der gemeinsame Wille, vorwärts zu kommen, sowie der Glaube an die Handlungsfähigkeit, der auch kommuniziert werden muss“, so die Forscherin. Für die Ausrichtung von Gruppenzielen habe sich die Brainstorming-Methode am besten geeignet, wobei Ideen erstmals ohne Bewertung gesammelt werden. „Wichtig ist besonders in einer Gruppe mit interkulturellem Setting auch, dass man Emotionen nicht freien Lauf lässt, sondern ihnen in geregelten Formen Ausdrucksmöglichkeit gibt.“ Dies sei durch die Praxis häufiger Reflexionen gelungen, wobei auch fehlendes Wissen zur Sprache gebracht wurde.

Maßnahmen des interkulturellen Zusammenarbeitens sollten stärker auf der Ebene der Arbeitsgruppe erfolgen, etwa über Gruppencoaching, so eine Empfehlung der Studie. Denn die Berücksichtigung der Stärken aller Mitglieder zeigte sich als besonders zielführend. Ein Teilnehmer, der keine Lust zur aktiven Teilnahme hatte, wurde etwa zur Beobachtung der Konkurrenz eingesetzt und brachte wertvolle Informationen. „Unter solchen Bedingungen ist eine Gruppe weitaus stärker als ihr schwächstes Glied oder die Summe der Einzelerfahrungen. Vielmehr potenzieren sich die Fähigkeiten gegenseitig“, so Gröschke. Zu negativen Ergebnissen führten hingegen alle Versuche der Ausgrenzung einiger Gruppenmitglieder oder der Gleichschaltung. „Sobald im Planungsprozess Gruppenmitglieder den Mund halten müssen oder die Verantwortung nur auf einige Leute beschränkt wird, entwickelt sich die Gruppe auseinander, kann zerbrechen und gelangt so zu einem weniger guten Handlungsergebnis“, berichtet die Studienautorin.

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