Armutsbekämpfung vergisst oft das Wohlbefinden: Persönliches Glück kann man nicht kaufen
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Programme zur Armutsbekämpfung fĂĽr Menschen in Ländern der dritten Welt lassen oft auĂźer Acht, dass Einkommenssteigerungen allein kein Garant dafĂĽr sind, Zufriedenheit zu schaffen…
Persönliches Glück hat nicht unbedingt mit Prosperität zu tun
http://www.flacso.org – “Zu einem zufriedenen Leben gehört mehr als Geld. Ă–ffentliche Programme der Politik zur Armutsbekämpfung mĂĽssen ĂĽber einfache Einkommensteigerungen hinausgehen und die Lebensqualität in anderen Bereichen verbessern”, kommt Mariano Rojas von der mexikanischen Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales in der Springer-Fachzeitschrift Applied Research in Quality of Life zum Schluss.
Die meisten ausländischen Hilfsprogramme sehen die Verringerung der Armut als Hauptanliegen. Bis jetzt konzentrieren sich diese Programme darauf, den Menschen aus der Armut zu helfen, indem sie deren Kaufkraft steigern. Dieser Ansatz basiere auf der Annahme, dass eine Einkommenssteigerung mit größerem Wohlbefinden einhergeht. Eine nationale Umfrage der University of Costa Rica aus den Jahren 2004 bis 2006 hat gezeigt, dass das Haushaltseinkommen allein nicht ausschlaggebend fĂĽr den Grad an Zufriedenheit ist. Rojas stellte zusätzlich zu den Fragen ĂĽber Haushaltseinkommen und Abhängigkeit vom Haushaltseinkommen subjektivere Fragen ĂĽber die allgemeine Zufriedenheit im Leben sowie ĂĽber die Zufriedenheit bezĂĽglich Gesundheit, Arbeit, familiärer Verhältnisse, Freundschaften, der eigenen Person sowie des gemeinschaftlichen Lebens. Interessanterweise gaben nur 24 Prozent der als arm eingestuften Menschen an, mit ihrem Leben wenig zufrieden zu sein. 18 Prozent der ‘nicht-armen’ Kategorie gaben ebenfalls an, sie seien mit ihrem Leben nicht zufrieden.
FĂĽr den Soziologen Ruut Veenhoven von der Erasmus Universität in Rotterdam und Direktor der World Database of Happiness ist das nachvollziehbar. “Es kommt sehr viel auf die technische Qualität einer Regierung an, ob Menschen sich glĂĽcklich fĂĽhlen oder nicht”, meint der Forscher im pressetext-Interview. Eine gute Regierung, auf die sich die BĂĽrger verlassen können, sei wesentlich. “Da kann ein Land auch ärmer sein.” Weltmeister unter den “glĂĽcklichsten Nationen” sind Dänemark, Island, Mexiko, die Schweiz, Kolumbien und Ă–sterreich. Das habe zumindest die Untersuchung von Veenhoven ergeben. Veenhoven rät Geberländern dazu, Hilfsgelder an jene Länder zu geben, deren Regierungen auch das Eigentum der BĂĽrger schĂĽtzen. “In solchen Ländern ist eine bessere Entwicklung in jeglicher Hinsicht möglich.” Diese Linie verfolge die Weltbank seit kurzer Zeit auch. Damit will man verhindern, korrupte Regierungen mit ausländischen Hilfsgeldern zu stĂĽtzen.
Rojas kommt in seiner Untersuchung zum Schluss, dass ein Mensch mit seinem Leben zufrieden sein kann, auch wenn er über ein geringes Einkommen verfügt, solange er in anderen Bereichen wie Familie, Gesundheit, Beruf oder mit sich selbst und seiner wirtschaftlichen Situation einigermaßen zufrieden ist. Mit Armut alleine lasse sich das generelle Wohlbefinden eines Menschen nicht erklären. Das bedeutet, dass es einem Menschen möglich ist, der Armut zu entkommen und trotzdem mit dem Leben unzufrieden zu sein. Sozialprogramme müssten daher berücksichtigen, dass das Wohlergehen von der Zufriedenheit in vielen Bereichen des Lebens abhängt und dass auch andere Faktoren bei der Erstellung dieser Programme eine Rolle spielen.
“Dieser Beitrag zeigt, dass es möglich ist, der Armut zu entkommen, ohne dabei die Zufriedenheit im Leben zu beeinträchtigen. Das Einkommen ist kein Ziel, sondern ein Mittel zum Zweck. Man sollte sich nicht nur auf die materielle Armut konzentrieren und dadurch die Bedeutung anderer Faktoren, die das Wohlbefinden verbessern können, unterschätzen”, so Rojas. NatĂĽrlich sei es wichtig, sich darum zu kĂĽmmern, Menschen aus der materiellen Armut zu befreien. “Es ist jedoch weitaus förderlicher, sich um die zusätzlichen Möglichkeiten Gedanken zu machen, welche die Menschen brauchen, um ein zufriedeneres Leben zu fĂĽhren.”
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