Endlich wieder schlafen – viele Menschen, die an Schlafstörungen leiden, wünschen sich nichts mehr, als wieder ungestört einschlafen oder durchschlafen zu können. Wir haben deshalb mit Apotheker Dr. Volker Schmitt, Sprecher der Apotheker in Bayern über das Problem „Schlaflosigkeit“ gesprochen…
Der Griff zu Schlaftabletten sollte immer das letzte Mittel sein
Wie viel muss der Mensch eigentlich schlafen?
Schmitt: Ein erholsamer Schlaf ist für jeden von uns wichtig. Ganz unterschiedlich von Mensch zu Mensch sind allerdings Schlafbedürfnis, Schlafdauer und Schlafrhythmus. Zum großen Teil hängen sie natürlich vom Alter ab: Säuglinge schlafen fast den ganzen Tag, kleine Kinder halten meist Mittagsschlaf, junge Leute sollten mindestens acht bis neun Stunden pro Nacht schlafen. Erwachsene kommen mit sieben bis acht Stunden Schlaf aus. Viele ältere Menschen benötigen nur noch fünf bis sechs Stunden pro Nacht.
Wer nicht einschlafen oder durchschlafen kann, greift häufig ganz automatisch zu Schlaftabletten. Ist das ratsam?
Schmitt: Medikamente sind immer das letzte Mittel gegen Schlafstörungen. Länger als vier Wochen sollten sie auf keinen Fall eingenommen werden, weil praktisch alle chemischen Schlafmittel abhängig machen können. Das gilt übrigens auch für Schlafmittel,
die rezeptfrei in der Apotheke verkauft werden.
Gibt es auch „sanftere Einschlafhilfen“?
Schmitt: Eine Alternative zu Schlafmitteln bei leichteren Durchschlafstörungen sind hoch dosierte Baldrianpräparate. Sie machen nicht abhängig und wirken beruhigend. Zusätzlich können Entspannungsübungen helfen, den Alltagsstress abzubauen. Außerdem kann man sich in der Apotheke nach seinem persönlichen Geschmack beruhigende Tees zusammenstellen lassen. Gerne gebe ich Ihnen hier schon drei Rezeptvorschläge als Anregung.
Beispiel 1: Wer den Geschmack von Lakritz liebt, für den ist folgender Tee richtig: 30 Gramm Baldrian und je 20 Gramm Melisse, Pfefferminze und Passionsblume. Durch je 5 Gramm Süßholzwurzel und Kümmel wird der Tee süß und gut bekömmlich.
Beispiel 2: Zitronig schmeckt ein Tee, dem 10 Gramm Pomeranzenschale zugesetzt wird. Beruhigend wirkt er durch 40 Gramm Baldrianwurzel und je 20 Gramm Hopfenzapfen und Melisse.
Beispiel 3: Wer den erdigen Geschmack von Baldrian nicht mag, der kann auf einen Tee aus 40 Gramm Hopfenzapfen, 30 Gramm Melisse, 20 Gramm Lavendel und je 5 Gramm Anis und Fenchel ausweichen.
Natürlich haben die Apotheker noch mehr Teerezepte in petto und können auf die persönlichen Vorlieben eingehen. Bewährte Hausmittel bei Schlafstörungen sind auch Vollbäder mit Melissenöl oder ein warmes Fußbad, eventuell mit dem Zusatz von drei Handvoll Kochsalz. Anschließend kühl abduschen und ins vorgewärmte Bett. Gute Nacht!
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