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AIDS: Diskrimierung Erkrankter wegen fehlendem Wissen über Übertragung

„Menschen mit dem HI-Virus werden weiterhin diskriminiert und stigmatisiert. Ein offener Umgang ist erst möglich, wenn Erkrankte klare Forderungen aufstellen und durchsetzen“, so Wiltrut Stefanek, die selbst seit 1996 mit der Diagnose HIV/Aids lebt…

Aids ist in Westeuropa eine soziale Krankheit
Viele Aidskranke leben noch immer am Rand der Gesellschaft

pte – Ein sichtbares Leben mit Aids ist auch heute noch nicht möglich, denn viele reagieren gegenüber Erkrankten überängstlich oder sogar hysterisch. Das betont W. Stefanek vom Netzwerk Frauen und Aids und Gründerin des Selbsthilfevereins PulsHIV anlässlich des Welt-Aids-Tages in einer Pressekonferenz.

Obwohl Aids dank verbesserter Therapien in Westeuropa einiges an Schrecken verloren hat, gelingt der Gesellschaft weiterhin kein zufriedenstellender Umgang mit Betroffenen. „Man kann zwar heute relativ gut mit Aids leben, doch meist teilt man nur dem engsten Kreis von der Erkrankung mit. Andernfalls drohen noch immer massive Konsequenzen, was Arbeitsplatz, Wohnsituation oder sogar Freundschaften betrifft“, betont Dennis Beck von der Aids Hilfe Wien http://www.aids.at . Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes geraten viele in einen finanziellen Teufelskreis. Ein Großteil der Erkrankten, die Sozialarbeit der Aids Hilfe in Anspruch nehmen, beziehen Pension, Notstands- oder Sozialhilfe.

Feingefühl fehlt selbst Ärzten

Fehlende Sensibilität und Unwissen über die Übertragungswege der Krankheit zeigen sich für Stefanek im Alltag einerseits in entwürdigender Wortwahl, andererseits in übertriebener Scheu vor Körperkontakt wie etwa beim Händeschütteln. „Das betrifft jedoch nicht nur die Durchschnittsbevölkerung, sondern auch Menschen, die eigentlich Bescheid wissen müssten, wie Rettungsbedienstete, Pflegende und sogar Mediziner. Noch immer kommt es vor, dass Ärzte Patienten mit HIV/Aids abweisen, manchmal sogar deren gesunde Angehörige“, so Stefanek im pressetext-Interview.

Keine Ausnahmefälle seien außerdem Datenschutz-Verstöße von Behörden gegenüber Aidserkrankten. „Häufig werden Aktenvermerke über die Erkrankung vorgenommen und man wird an ganz anderer Stelle wie etwa am Arbeitsamt darauf angesprochen, abwertend behandelt oder diskriminiert“, so Stefanek. Es sei notwendig, gegen das „soziale Aids“ bewußt anzukämpfen, um den Abbau von Vorurteilen und einen offeneren Umgang mit der Krankheit zu erreichen. Chancen hätten dabei am ehesten klare Forderungen seitens der Betroffenen, wie etwa diejenigen für ein gesetzliches Diskriminierungsverbot oder für Vorschriften im Arbeitsbereich.

Zügel in der Hand behalten

In Österreich gibt es derzeit 1.247 Aids-Patienten, die festgestellte Zahl der HIV-Infektionen beträgt rund 15.000. Die Dunkelziffer schätzt Stefanek jedoch viel höher. „Viele in den Risikogruppen wollen nicht wissen, ob sie den HI-Virus tragen und schieben das Thema beiseite. Sie lassen sich erst dann testen, wenn sie krank werden, wenn eine Operation bevorsteht oder wenn es der Arzt verordnet. Anlässlich der öffentlichen Thematisierung wie etwa rund um den Welt-Aids-Tag fassen manche dann doch den Mut und machen einen kostenlosen Test bei der Aids Hilfe.“

Bedeute die Diagnose HIV-positiv für die meisten Betroffenen auch Schock und das Zusammenbrechen einer Welt, könne sie laut Stefanek auch positive Effekte mit sich ziehen, sofern bewusste Auseinandersetzung geschehe. „Wichtig ist, dass man sich über die Krankheit genau informiert und medizinische sowie psychologische Hilfe in Anspruch nimmt. Wem es so gelingt, sich selbst zu akzeptieren, kann anders mit dem Leiden umgehen. Um weiter mittens im Leben zu stehen, ist es nötig, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen.“

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