Alle Kulturen durch Gemeinsamkeiten verbunden

4. Dezember 2009
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Menschen haben nicht nur in der Biologie, sondern auch in ihrer Lebensweise wesentliche Merkmale, die sie ĂĽber Kulturen hinweg einen. “Kultur wird in der öffentlichen Debatte und sogar in vielen Wissenschaften mit Differenz gleichgesetzt. Unterschiede gibt es jedoch nur auf den ersten Blick. Mit etwas Abstand zeigt ein Vergleich wesentliche Gemeinsamkeiten”, so der Ethnologe…

Ăśberall Ethnozentrismus und Heiratsregeln
Antweiler: “Bestimmte Verhaltensmuster sind universell”

pte – Das veranschaulicht das Buch “Heimat Mensch – Was uns alle verbindet” von Christoph Antweiler vom Asienzentrum der Universität Bonn http://www.baz.uni-bonn.de , das im Murmann Verlag erschienen ist.

Sexualität ist weltweit geregelt

Die rund 7.000 Völker, die unseren Planeten besiedeln, kennzeichnen sich durch groĂźe Vielfalt. Das zeige sich in allen Lebensbereichen, so Antweiler. “Wen und wie viele Menschen man beispielsweise heiraten darf, welche Riten es dafĂĽr gibt und wo das Paar später wohnt, ist weltweit sehr unterschiedlich geregelt. Gemeinsam haben alle Völker, dass sie Regeln fĂĽr Sexualität besitzen.” Ă„hnliche Beobachtungen macht der Autor bei Emotionen, Spiel und Sport, Initiationsriten oder Machtstrukturen. Auch sei kein Volk frei von Ethnozentrismus, Fremdenfeindlichkeit oder physischer Gewalt zwischen den Geschlechtern.

Die im Buch gezeigte Universalität von BedĂĽrfnissen und Neigungen widerspricht Mythen, die in der Vergangenheit sehr populär waren. “Noch vor hundert Jahren glaubte man, es gäbe Völker, die in Gewaltlosigkeit und paradiesischen Zuständen leben. Diese glĂĽcklichen ,edlen Wilden’ – wie auch die ,bösen Wilden’ – waren allerdings bloĂź die Projektion eigener Vorstellungen auf fremde Völker. Zwar sind manche Ethnien gewaltarm, doch sie brauchen ebenfalls Strategien zur Gewaltmeidung”, so der Bonner Forscher. Grundlegende Fragen und Probleme seien weltweit gleich, Kulturen wĂĽrden diese allerdings unterschiedlich gewichten und andere Lösungsmodelle entwickeln.

Kampf gegen die Ethnomythen

Von zwei heute gängigen Denkweisen distanziert sich Antweiler damit besonders. Einerseits sei dies die Betrachtung von Kulturen als voneinander abgeschlossene Systeme und die Suche nach starken Kontrasten. “Wir glauben Schilderungen ĂĽber andere Völker eher, wenn die Unterschiede extrem sind. Es stimmt jedoch nicht, dass Inuit-Völker hundert Bezeichnungen fĂĽr Schnee haben, wie Medien oft behaupten.” Dass Völker “ganz anders” seien, klinge zunächst sympathisch, fĂĽhre jedoch zu Kulturrassismus. “Die neue Rechte der Politik greift ethnologische Forschung subtil auf und stellt Kulturen als ,interessant und fremd’ dar, jedoch bloĂź um so fĂĽr deren Verbleib im eigenen Territorium zu argumentieren.”

FragwĂĽrdig sei jedoch auch das andere Extrem, bei dem kulturelle Grenzen verleugnet und durch Konzepte wie kulturelle Landschaften und Ăśbergänge ersetzt werden. “Menschen werden auch heute in relativ geschlossenen Kontexten sozialisiert”, so Antweiler. Zwar sei die Zahl der Migranten zunehmend im Bewusstsein. “Allerdings migrieren nur drei Prozent der Weltbevölkerung ĂĽber die Grenzen ihres Landes hinweg. WĂĽrde die Vorstellung der Welt als Dorf stimmen, mĂĽsste man fragen, warum es keinen gemeinsamen BĂĽrgermeister gibt.”

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One Response to Alle Kulturen durch Gemeinsamkeiten verbunden

  1. [...] alle verbindet” gab: Antweiler warnt vor Kulturrassismus. (Buchvorstellung auf Pharmacon.net: Alle Kulturen durch Gemeinsamkeiten verbunden. Eine kritische Rezension dieses Buches auf Antropologi.info: Populärethnologie von Christoph [...]

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