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Expertin: Klimawandel sorgt dafür, dass wir uns die Köpfe einschlagen

In einer Reihe von Forderungen an die Politik anlässlich des nahenden Klimagipfels in Kopenhagen wird weiters auf die Notwendigkeit raschen Handelns auf politischer als auch individueller Ebene aufmerksam gemacht. Das Ausbleiben einer Einigung würde der Welt teuer zu stehen kommen…

pte – Klimaschutz bedeutet nicht nur die Reduktion der Treibhausgase, sondern muss auch den Ausgleich für verursachte Schäden sowie die Unterstützung armer Länder umfassen. Das haben Caritas, Greenpeace, die Initiative „Klima fair bessern“ gemeinsam mit der Wiener Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb heute, Montag, in einer Pressekonferenz erklärt…

Klimaabkommen als Weg zur Gerechtigkeit

Abb.: Verteilung der CO2-Emissionen
Gibt man den Ländern die Größe ihrer absoluten Kohlendioxid-Ausstöße, zeigt sich die ungleiche Verteilung. In der Darstellung die Emissionen des Jahres 2006. © 2009 Benjamin Hennig, SASI Group (University of Sheffield)

„Die Natur wartet nicht auf politische Reden, sondern folgt ihren eigenen Gesetzen“, so Kromp-Kolb im pressetext-Interview. Seien unzählige Details auch noch nicht geklärt, kenne die Wissenschaft bereits die wesentlichen Faktoren des Klimawandels. „Die Grundaussage lautet: Der Klimawandel wird derartige Ausmaße annehmen, dass er für den Menschen nicht mehr erträglich ist. Das heißt nicht, dass uns allen der Hitzetod bevorsteht, doch wir werden einander die Köpfe einschlagen“, so Kromp-Kolb. Da die globale Erwärmung laufend neue Arme entstehen ließe, sei Armutsbekämpfung und Friedensbemühungen nicht mehr von Klimaschutz zu trennen.

Mitschuld an Chinas CO2-Ausstoß

Die Dominanz der Wissenschaft in der Klimadebatte führe dazu, dass ihre soziale Komponente oft aus dem Blick verschwinde. „Der Klimawandel betrifft besonders diejenigen, die ihn nicht verursacht haben. Benachteiligt werden dabei einerseits Menschen in Entwicklungsländern, andererseits die Generationen der Zukunft“, so die Expertin. Könne die Klimakonferenz auch keine Gerechtigkeit herstellen, müsse sie dieser zumindest ein Stück näher kommen. „Die Ethik fordert, dass wir das von uns verursachte Leid anderer zumindest so weit als möglich reduzieren, indem wir die Ausstöße zurückfahren.“

Gerechtigkeit fehle der derzeitigen Klimadiskussion auch insofern, als sie wirtschaftliche Verflechtungen nicht beachtet. „Wir sprechen viel von China und seinen CO2-Ausstößen, da es kürzlich die USA als größter Emittent verdrängt hat. Nicht berücksichtigt wird dabei jedoch, dass ein guter Teil der Emissionen aus der Herstellung von Produkten stammen, die wir in Europa konsumieren. Damit sind wir auch für diese Emissionen mitverantwortlich“, so die Klimaforscherin. Gerecht sei es, wenn die Verursacher auch die Last tragen würden, noch dazu da diese eher finanzielle Möglichkeiten dafür hätten.

Krise als Chance für das Klima

Eine wirtschaftlich schwierige Situation wie die aktuelle dürfe laut Kromp-Kolb kein Hindernis für den Klimaschutz darstellen. „Stärken wir den Umweltschutz nicht, wird es in Zukunft ohnehin keine Wirtschaft mehr geben. Anstatt die Krise als Vorwand der Verzögerung zu nehmen, sollte man sie bewusst nutzen, um auslaufen zu lassen, was nicht zukunftsfähig ist. Ich denke dabei etwa an die Automobilbranche.“ Dringende Maßnahmen seien auch solche zum Schutz der Biodiversität sowie der Verringerung des Flächenverbrauchs.

Notwendigkeit zum Handeln sieht Kromp-Kolb bei jedem Einzelnen. Autoverzicht, der Kauf regionaler Produkte, abgesenkte Raumtemperaturen, energiebewusstes Bauen und stromsparende Elektrogeräte könnten in Summe beträchtliche Unterschiede bewirken, wie etwa die flächendeckende Umstellung auf Energiesparlampen in der EU elf Großkraftwerke überflüssig machen würde. Wichtiger noch sei jedoch die Signalfunktion dieses Tuns. „Man zeigt damit der Politik, dass man mit dem Klimaschutz einverstanden ist. Denn die Maßnahmen werden uns persönlich betreffen.“

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