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Moses Ben Maimon: Von den Krankheiten der Seele

Die Alten sagten: es findet bei der Seele, wie bei dem Körper Gesundheit und Krankheit statt. Die Gesundheit der Seele besteht darin, dass ihre und ihrer Theile Beschaffenheit von der Art ist, dass sie stets Gutes, Schönes und Geziemendes, die Krankheit dagegen darin, dass sie und ihre Theile so beschaffen sind, dass sie stets Böses, Schlechtes und Unziemliches thut…

Das III. Kapitel aus der Abhandlung „Schmonah Prakim“ / „Acht Kapitel“ des RaMBaM (Rabbi Moses Ben Maimon, Maimonides)

DRITTES CAPITEL: VON DEN KRANKHEITEN DER SEELE

Ueber des Körpers Gesundheit und Krankheit stellt die Heilkunde Untersuchungen an. Aber gleichwie Denen, die an körperlichen Krankheiten leiden, ihre gestörte Sinnesthätigkeit das Süsse bitter und das Bittere süss erscheinen lässt, so dass sie sich das Zuträgliche als unzuträglich vorstellen und starkes Gelüst nach und grossen Genuss an solchen Dingen haben, die für die Gesunden in keiner Weise eine Quelle des Genusses, vielmehr zumeist eine Quelle des Schmerzes sind, wie z. B. das Essen von Walkererde, Kohle, Staub, sehr scharfen und sehr sauern Dingen und dergleichen Speisen mehr, nach denen die Gesunden nie verlangen, gegen die sie vielmehr Widerwillen haben: also auch erscheint den Seelenkranken d. i. den Bösen und Lasterhaften, das Böse als gut und das Gute als böse; ferner verlangt der Böse stets nach den Extremen, welche in Wirklichkeit etwas Böses sind, ihm aber wegen der Krankheit seiner Seele etwas Gutes zu sein dünken.

Wie nun die (körperlich) Kranken, wenn sie ihrer Krankheit sich bewusst werden, der Arzneiwissenschaft aber selbst unkundig sind, Aerzte um Rath fragen und diese sie dann mit dem bekannt machen, was sie noth-wendig zu beobachten haben, das aber, was sie sich selbst als genussreich vorstellen, ihnen untersagen und sie dazu nöthigen, unangenehme und bittere Dinge einzunehmen, damit ihr Körper wieder gesund werde und sie wieder die Fähigkeit erlangen, das Angenehme angenehm und das Unangenehme unangenehm zu finden: also müssen auch die Seelenkranken die Gelehrten — denn dies sind die Seelenärzte — um Rath fragen, auf dass diese sie von dem Bösen, das ihnen als etwas Gutes erscheint, zurückhalten und durch die — im nächsten Capitel darzustellende — Kunst der Heilung der Sitten wieder gesund machen. — Was aber die Seelenkranken anbelangt, die kein Gefühl von ihrer Krankheit haben und sie für Gesundheit halten, oder auch dieselbe zwar fühlen, jedoch kein Heilmittel dagegen anwenden, so kommt ihr Zustand auf denjenigen hinaus, in den ein (körperlich) Kranker geräth, wenn er dem, wie ihm angenehm ist nachgeht und kein Heilmittel gebraucht, darum auch unzweifelhaft umkommt.

— In Betreff Derjenigen, die ihre Krankheit fühlen, aber dennoch ihren Genüssen nachgehen, sagt die Wahrheit verkündende Schrift, deren eigene Worte anführend: „in dem Uebermuthe (den bösen Gedanken und Begierden) meines Herzens will ich fortwandeln“ u. s. w. (Deut. 29,18), das heisst: indem er seinen Durst zu stillen strebt, vermehrt er denselben in sich.

— Diejenigen, die ihre Krankheit gar nicht fühlen, schildert Salomo oft. Er sagt: „des Thoren Weg dünkt ihm gerade: wer aber auf Rath hört, der ist weise“ (Spr. 12. 15). d. i. wer den Rath des Unterrichteten annimmt, der ihn lehrt den Weg, welcher in Wahrheit recht ist, nicht aber den er selbst für recht hält. So sagt er auch: „mancher Weg ist gerade in den Augen des Mannes, aber am Ende sind es Wege des Todes.“ (Das. 14, 12). Von jenen Seelenkranken, insofern sie nicht wissen, was ihnen schädlich, noch was ihnen nützlich ist, sagt er: „der Weg der Sünder ist wie Dunkel; sie wissen nicht, woran sie straucheln.“ (Das. 4, 19). Was die Kunst der Heilung der Seele anbetrifft, so ist sie so beschaffen, wie ich in dem folgenden vierten Capitel angeben werde.

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Lexikon: Moses Maimonides

Schmonah Prakim / Acht Kapitel
Eine Abhandlung zur jüdischen Ethik und Gotteserkenntnis
Nach der Übersetzung von Maurice Wolff
Dieser religiöse Traktat ist das herausragende Zeugnis der engen und fruchtbaren Verzahnung arabischen, jüdischen und griechischen Denkens in der philosophischen Ethik des Mittelalters. Gegen die Orthodoxie vertritt Maimonides die Auffassung, das Gebot der Ethik des Judentums verlange nicht den strengen Gehorsam gegenüber dem ›strafenden Vater‹, sondern die Entfaltung der freien, sittlichen Persönlichkeit…

1 comment to Moses Ben Maimon: Von den Krankheiten der Seele

  • Der RaMBaM betont die Gleichrangigkeit seelischer wie körperlicher Leiden und mahnt beide gleichermaßen ernst zu nehmen.

    Diejenige seelische Krankheit, an der sich das von Maimonides gesagte am einfachsten erläutern lässt, ist der Alkoholismus: „… indem er seinen Durst zu stillen strebt, vermehrt er denselben in sich…“…

    Auch hier ist der erste Schritt die Erkenntnis bzw. das Eingeständnis der Krankheit und dann das Inanspruchnehmen von Hilfe.