Auch wenn Israel nur ein kleines Land ist, hat es doch extrem unterschiedliche Vegetationszonen: die Küste mit Mittelmeerklima, Bergland, Steppe und Wüste. Dazu kommt auf nur kurzer Strecke ein großer Höhenunterschied vom Berg Hermon mit 2.800 m bis hinunter zum Toten Meer, fast 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Diese Faktoren bestimmen eine atemberaubende Artenvielfalt der Flora, mit der sich seit Jahrzehnten auch Botaniker aus der ganzen Welt beschäftigen…
Israels Flora: Sternbergia clusiana – Goldkrokus
Die Gegend bei Lehavim im nördl. Negew ist in ganz Israel bekannt. In den Wintermonaten September bis Dezember, also um die Zeit zu Sukkoth, dem Laubhüttenfest, sprießen im „Sternbergia-Tal“ ganz plötzlich Tausende leuchtend gelbe Blumen auf dem kargen Untergrund. Meist nach dem ersten Regen suchen sich die Triebe zwischen Gestrüpp und Felssteinen den geringsten Widerstand durch die Erde. So kommt es zu diesem wunderbaren Naturschauspiel eines strahlenden Gelb auf dem sandbraunen Boden des Nordnegev.
Der Botaniker Carolus Clusius aus den Niederlanden, der die Pflanze 1601 wohl als Erster beschrieb, ordnete sie wegen der Ähnlichkeit mit den Krokussen der Familie der Narzisse zu. 1753 fand der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné jedoch heraus, dass die Sternbergia zur Familie der Amaryllis zu zählen ist.
Es gibt etwa acht Unterarten des becherförmigen Goldkrokus, auch Gewitterblume oder Herbstgoldbecher genannt, von denen die meisten rund um das Mittelmeer zu finden sind. Nur zwei Arten, Sternbergia vernalis und Sternbergia candida, sind Frühlingsblüher. Als einzige bringt die S. candida strahlend weiße Blüten hervor. Alle anderen Arten blühen Gelbgold.
In Israel finden wir nur die Sternbergia clusiana (hebräisch: Chelmonit gdolah) im Nordnegev, auf den Höhen des Golan und am Meron-Berg. Oft kommt zuerst die Blüte ans Tageslicht, dann erst die deutlich gezahnten, dunkelgrünen Blätter mit einem gräulichen mittigen Streifen. Sechs Staubblätter kennzeichnen das Amaryllisgewächs.
Der Goldkrokus wird durch zwei Arten bestäubt: der Honigbiene Apis mellifera und verschiedenen Arten von Schwebfliegen. Die Honigbiene sammelt den Nektar und die Pollen aus den kurzen inneren Staubgefäßen, während die Schwebfliegen die äußeren, längeren Staubgefäße besuchen. Scheinbar werden die beiden Bestäuber durch verschiedene Arten von Nektar angezogen. So sorgen zwei Arten der Befruchtung dafür, dass es keinen Wettbewerb gibt. Gleichzeitig gewährt dies eine maximale Blütenanzahl in einer rauhen Jahreszeit.
Gleich hier im Negew entstand nun ein Steinbergia-Garten, ein Platz für Picknick, Erholung und Fitness. Ermöglicht wurde die Errichtung durch Brandla Wajdengarten sel.A.. Die Holocaust-Überlebende aus Polen, hatte ein schmerzvolles Leben. Ihre Eltern und ihr Mann kamen im Holocaust um. Sie selbst überlebte den Naziterror mit ihrer kleinen Tochter Miriam in einem Kloster. Doch 1948, drei Jahre nach Kriegsende, bekam Miriam Krebs und verstarb.
Brandla Wajdengarten gründete nach dem Tode ihrer Tochter keine neue Familie mehr. Sie wohnte in Frankfurt am Main, lebte aber mal in Deutschland, mal in Israel. Aus ihrem Nachlass entstand nun dieser Picknickplatz. Während Sukkoth – im Oktober – bedeckt das Gelb der Goldkrokusse (Sternbergia) den Boden der ganzen Gegend und jedes Jahr kommen Tausende Besucher aus dem ganzen Land, um dieses zwei bis drei Wochen dauernde Naturschauspiel zu genießen.
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