- Pharmacon Net - http://www.pharmacon.net -

Phytopharmazie und TCM: Verdauungsbeschwerden

Ob Feigen oder Datteln zum TU b’Schwat, Hamantaschen und Faschingskichel kurz danach oder auch die bald wieder beliebte Honigmatze, Verdauungsbeschwerden begleiten viele Menschen, auch junge, das ganze Jahr über, außer vielleicht am Jom Kipur…

Das weiss auch Dr. Hans Wieltschnig, Internist und vormals Pimarius am Landeskrankenhaus Klagenfurt: „Die Verstopfung, medizinisch als Obstipation bezeichnet, ist mittlerweile ein weit verbreitetes Verdauungsproblem in den westlichen Industrieländern. Generell essen wir balaststoffarm, bewegen uns zu wenig und sitzen zu viel. Die Folge: Verdauungsprobleme sind zu einer Volkskrankheit geworden, unter der Millionen Menschen leiden, und nicht nur Ältere. Bedingt durch den Druck und Stress denen wir heute in der Arbeitswelt ausgesetzt sind, leiden schon immer mehr junge Menschen auch an diesen Verdauungsbeschwerden.“

„Wer unter Verstopfung leidet, sollte einen erfahrenen Arzt um Abklärung seiner gesundheitlichen Störung bitten. In vielen Fällen, und wenn organische Ursachen ausgeschlossen werden können, macht es Sinn, zuerst natürliche Kräfte einzusetzen. Aber auch hier sollte man unbedingt darauf achten, dass man die Dosis reduziert und ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, sollte es zu Durchfallserscheinungen kommen“, so Primarius Wieltschnig weiter. Sowohl die Traditionelle Abendländische Naturmedizin als auch die Traditionelle Chinesische Medizin warten mit einer Reihe von einfachen Hausmitteln auf, die schon seit langer Zeit angewendet werden und für die auch die entsprechenden Erfahrungswerte vorliegen.

Minze und Ingwer für den Darm

Ausschlaggebend für die verdauungsfördernden Wirkungen der Kräuter sind unter anderem die ätherischen Öle die sie beinhalten. Es ist heute erwiesen, dass die Pfefferminze tatsächlich eine starke gallenflüssigkeitsanregende Wirkung hat und zu Recht in der Volksmedizin zu den gebräuchlichsten Heilpflanzen gegen krampfhafte Bauchschmerzen gehört. Das Menthol der Pfefferminze hilft bei Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Blähungen und Krämpfen. Zingiberen, eine Hauptkomponente der ätherischen Öle der Ingwer-Wurzel, regt die Speichel- und Magensaftsekretion an und hilft uns damit gegen die Verdauungsstörungen.

Küchengewürze gegen Völlegefühl

Die Zimt-Rinde ist eines der ältesten Gewürze der Welt und gilt vielen als typisches Wintergewürz. Mit ihren Gerbstoffen jedoch kann sie uns bei Appetitlosigkeit, Blähungen oder Völlegefühl helfen, indem sie die Motilität des Darms fördert. Außerdem bestätigen neuere Studien auch die blutzuckersenkende Wirkung von Zimt. Ein zuviel ist nie ratsam, auch nicht beim Zimt, Vorsicht ist geboten bei schweren Leberleiden.

Die Wurzelknolle der Gelbwurz, bei uns auch als Kurkuma und Bestandteil von Currygerichten bekannt, gehört so wie die Wurzel des echten Ingwers zur Familie der Ingwergewächse. Dem Curcumin werden viele therapeutische Wirkungen zugesprochen – es regt die Leberzellen zu vermehrter Bildung von Gallensäuren an und lindert somit Koliken und Verstopfungen.

Zitrone als Aromatikum

Die ätherischen Öle von Zitrusfrüchten bewirken über eine Anregung der Mund-, Rachen- und Magenschleimhaut eine Sekretionssteigerung des Magensaftes und werden seit jeher in der Volksmedizin als Aromatikum bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. In Kombination mit dem Amur-Korkbaum, dessen Rinde antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften aufweist, zeigten Zitronen- und Korkbaumrindenextrakte in einer Studie positive Wirkung auf die Blutfette und Blutzuckerwerte und senkten somit die cardiovaskulären Risikofaktoren. Auf den Saft des verwandten Etrog schwört ein Händler am Jerusalemer Markt in Machneh Jehudah, wo er allerlei Essenzen nach der medizinischen Überlieferung des RaMBaM vorrätig hält.

Einnahme in Form von standardisierten Präparaten

Da es sich bei Pflanzen und ihren Bestandteilen um Naturstoffe handelt, die je nach äußeren Bedingungen unterschiedlich wachsen können, gibt es dadurch bedingt auch natürliche Schwankungen bei den pflanzenspezifischen Inhaltsstoffen, wie z. B. in Bestandteilen von Kräuterteemischungen. Um jedoch sicher gehen zu können, stets die gleiche Konzentration an Inhaltsstoffen zu sich zu nehmen, können die Inhaltsstoffe in einem aufwendigen technischen Verfahren aus den Pflanzen gelöst und standardisiert werden – so entsteht ein qualitativ hochwertiges Granulat mit einer immer gleichen, definierten Konzentration der wertvollen Substanzen.

Ein standardisiertes Präparat sind zum Beispiel die Xiaohua-Kräuterkapseln der kleinen Pharmafirma MaxPharma aus Gramatneusiedl in Niederösterreich. Enthalten sind standardisierte Extrakte der Ingwer-Wurzel, Pfefferminze, Gelbwurz-Wurzelknolle, Zimt-Rinde, Zitronen-Schale und Korkbaumrinde. Xiaohua ist übrigens chinesisch für „Darm“.