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Tod eines Angehörigen: Trauernde erleiden Gesundheitskrisen

Eine australische Untersuchung ist der Frage nachgegangen, warum Trauernde, die einen Nahestehenden verloren haben, häufiger an Herzkrankheiten erkranken…

Der Verlust eines Menschen kann krank machen

pte/18.09.2009/15:35) – Durchgeführt wurde die Untersuchung von Klinikern der Sydney Medical School und der Faculty of Nursery and Midwifery der Universität Sydney. Bisher wurden die Gründe für das erhöhte Erkrankungsrisiko im akuten Stress der Betroffenen gesehen, die weiteren Zusammenhänge blieben jedoch weitgehend unklar. Die Ergebnisse der Studie „Cardiovascular Risk in Bereavement“ (CARBER) wurden bei der Konferenz der Australisch-Neuseeländischen Herzgesellschaft vorgestellt.

„Bisher gab es keine aussagekräftigen Studien, die die Gesundheitssituation der Hinterbliebenen in den ersten Wochen nach einem Todesfall genauer untersuchten“, so Studien-Leitautor Thomas Buckley. CARBER sei die erste derartige Untersuchung, die quer durch alle Altersgruppen beider Geschlechter ging. Emotionen und Stimmungswechsel waren während dieser Zeit am stärksten. Generell litten die CARBER-Studienteilnehmer während dieser Zeit an Ängsten, Depressionen, Zornsymptomen, erhöhten Stresshormon-Werten sowie an verringertem Schlaf und Appetit. Bei den Untersuchungen von Buckley und seinem Team zeigten sich bei den Trauernden zudem auch eine Zunahme des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Verändert waren auch die Immunantworten sowie die Blutgerinnung. All diese Veränderungen gebe es auch bei Menschen, die vor einem Herzinfarkt stehen.

Ungefähr sechs Monate nach dem Todesfall sei bei den meisten eine Verbesserung des Gesundheitszustands aufgefallen, obwohl einige Werte immer noch deutlich höher waren als in der Vergleichsgruppe der Nicht-Trauernden. Buckley berichtet auch über einige Fälle, bei denen sich der Gesundheitszustand auch nach längerer Zeit nicht verbesserte.

„Vielen Angehörigen hilft zunächst die Information über die genaue Todesursache des Verstorbenen“, meint der Gemeindearzt Christian Lehner im pressetext-Interview. Es sei wichtig für die Trauerarbeit. „Je mehr man sich mit der Aufarbeitung eines Todesfalles beschäftigt, desto besser ist es“, erklärt Lehner, der auch Erfahrung mit traditionellen samoanischen Medizin hat. In der traditionellen Medizin der meisten Völker gibt es eine intensive Auseinandersetzung nach dem Verlust eines Familienangehörigen. Das sei Teil des philosophischen Unterbaus. „Im Prinzip wäre das auch hier dringend zu empfehlen. An wen man sich hier wendet, ob es sich um eine Selbsthilfegruppe oder einen Psychologen handelt, ist egal, solange es gelingt das Thema aufzuarbeiten“, meint Lehner.

Hintergrund:

Polynesische Pflanzenheilkunde:
Österreicher als Erforscher samoanischer Medizin

Der burgenländische Mediziner Christian Lehner beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der traditionellen Medizin Samoas. Lehner, der als Arzt in Mattersburg tätig ist, hat neben seinem Medizinstudium auch Ethnologie und Psychologie studiert. Sein Werk „Die Heiler von Samoa – O Le Fofo“, das im Schweizer Peter Lang Verlag erschienen ist, zählt mittlerweile zu den Standardwerken über die bis dato selten beschriebene Heilkunde der polynesischen Inselgruppe.

„Das Buch beinhaltet eine umfassende Darstellung der medizinischen Glaubensvorstellungen und der medizinischen Praktiken, welche die Samoaner als die eingeborene Medizin bezeichnen und für ihre einheimische Heilkunde halten“, so Lehner. Der Autor war während der vergangenen Jahre mehrmals auf den Inseln Upolu und Savai’i, um die Medizin und die traditionellen Rituale zu studieren. Ein wesentlicher Aspekt für den Wissenschaftler stellt auch die Tatsache dar, die traditionelle Medizin als Kulturgut in Samoa zu erhalten. „Drohende Verwestlichung macht auch vor dem Inselstaat West-Samoa nicht halt“, so der Experte. „In Anbetracht der zunehmenden Abwendung der westlichen Medizin von der hoch technisierten Heilkunst erscheint die jahrtausende alte Medizin der polynesischen Völker, die vor allem in Samoa ihre ursprünglichste Form erhalten hat, als Alternative. Sie stellt eine beachtenswerte Form der medizinischen Heilkunst dar, deren Inhalte für Wissenschaft und Forschung bewahrenswert erscheinen“, führt Lehner aus.

Nicht nur die Ernährungsexperten, sondern auch die traditionellen Heiler sind davon überzeugt, dass sich der Gesundheitszustand der Polynesier nach der zunehmenden Zahl importierter Nahrungsmittel drastisch verschlechtert hat. „Mit Ausnahme von Reis sind damit in erster Linie Nahrungsmittel aus Europa und den USA verantwortlich“, so Lehner. Dazu zählen unter anderem neben Dosennahrungsmitteln auch Zucker und importierte Getränke wie Alkohol, Limonaden und Säuglingsmilchpulver.

Die Samoaner kennen als älteste Behandlungsform ihrer traditionellen Medizin auch vier verschiedene Arten der Massage. Eine davon wird beispielsweise bei Verstauchungen und Knochenbrüchen angewendet. „Die Samoaner besitzen ein ungeheuer großes Repertoire für die Behandlung von Krankheiten. Die große Zahl von Behandlungen ist jedoch einer beinahe dauernden Änderung unterworfen. Dazu zählt zum Beispiel auch die Verwendung neuer, eingeführter Pflanzen als Arzneimittel“, erklärt Lehner.

Lehner beschreibt in seinem Buch die verschiedenen Vorstellungen von der Philosophie des „Krankseins“ und den Ursachen von Krankheit, aber auch die Glaubensvorstellungen der Heiler über den menschlichen Körper und seine Zusammensetzung. Dabei wird dem Leser die Grundlage der diagnostischen Praxis erklärt. Auch die einzelnen Heilmittel, angefangen von Pflanzen und ihren Bestandteilen bis hin zu Elementen wie Salzwasser, Quellwasser, roher Fisch und Muttermilch, werden erklärt. Als Heilmittel werden Blattasche, Rauch und Holzkohle verwendet. Das Werk enthält ein umfassendes Wörterbuch der samoanischen Sprache mit Schwerpunkt auf Körperteilen und Erkrankungen. Die Einführung in die Entstehungsmythologie der Erde und der Menschen stammt von Moelani Jackson, eine der angesehensten Heilerinnen der Inselgruppe.

1 comment to Tod eines Angehörigen: Trauernde erleiden Gesundheitskrisen

  • Egon Witte

    Musste den Unfalltod meines Sohnes bewältigen. Hatte Herzprobleme, Depressionen, Heimatverlust, wurde dick..Konnte mich nach mehreren Jahren mit einer Früchtediät beginnend — Körper –Seele –Verbindung…langsam aus dem Trauma lösen..Jetzt , nach 20 Jahren…geht es schon besser.. Muss meine Freundschaften mehr pflegen und aufmerksamer werden..Immer die Gefahr, sich in seinem Elend zu baden..Ich habe neue Freunde, die alle Probleme durchlebten…man versteht sich besser.. aber es besteht die Problematik einer Isolation in der Gruppe.. A la, Sektengefühl..wir Auserwählten Leidenden..Ich versuche es zu sehen und dadurch zu verhindern… Viel mit Menschen reden, verschiedene Leben nachleben..Empathie, Spiegelneuronen entfalten..Danke für den guten Gedanken…