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UNO warnt: Globale Trinkwasserkrise spitzt sich zu

Das Ziel der UNO, bis 2015 die Zahl der Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser zu halbieren, wird nicht erreichbar sein. Zu diesem Schluss kommt Zafar Adeel, Direktor des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der University of the United Nations…

Wasser-Experte wenig optimistisch: “Millenniumsziel wird nicht erreicht”

http://www.unwater.org – http://www.inweh.unu.edu – pte – Die bessere Trinkwasserversorgung gehört zu den Entwicklungszielen, die sich die UNO 2000 in der Millenniumserklärung gesetzt hat. Laut dieser sollten bis 2015 zumindest zwei statt wie bisher nur ein Drittel der Menschheit Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser besitzen. Zehn Jahre sind bisher vergangen, doch der UN-Experte versprüht kaum Optimismus, dass das Ziel innerhalb des Zeitlimits erreicht werden könnte. “Während die Versorgung in städtischen Slums teilweise voranschreitet, ist das besonders in ländlichen Gebieten sehr schwierig. Für das Ziel wären viele zusätzliche Mittel für Investitionen notwendig. Erreicht werden muss letztlich jedoch die Vollversorgung”, so Adeel.

Trinkwasser ist in vielen Regionen ein kostbares Gut
Dürre bedroht Afrika und Zentralasien

An mehreren Stellen des Planeten spitzt sich derzeit eine Wasserkrise zu. “Am stärksten betroffen sind große Teile des afrikanischen Kontinents, der mittlere Osten und Zentralasien. Vielerorts liegt hier die Verfügbarkeit von Wasser weit unter dem absolut nötigen Minimum, zudem auch die Qualität des Wassers. Das bedroht die Produktivität und häufig sogar das menschliche Überleben”, erklärt der UN-Experte. Es sei abzusehen, dass sich die Situation vor allem in diesen Regionen zukünftig weiter verschlimmern werde, falls keine nachhaltigen Gegenmaßnahmen in großem Stil eingeleitet werden.

Für eine Besserung der Situation sollten die Industriestaaten diesen Ländern Finanzmittel, technische Ausrüstung und Know-how zur Verfügung stellen. Zudem sei es wichtig, dass sie selbst zu beispielhaften Modellen würden, wie man in Zeiten des Klimawandels mit den schwindenden Wasserreserven umgeht. “Auch in reichen Staaten des Nordens wie etwa in Kanada oder Westeuropa wird die Wasserversorgung immer schwieriger und die Qualität sinkt trotz des vermeintlichen Wasserreichtums. Was den Umgang mit dieser Problematik und deren Verständnis betrifft, sind viele Industrieländer noch Entwicklungsländer.”

Wasser global thematisieren

Die aktuelle Finanzkrise beinhalte laut Ansicht Adeels die Chance, die flächendeckende Wasserversorgung neu und effizienter zu gestalten. Das Thema Wasser müsse daher in internationalen Verträgen eine ebenso wichtige Rolle spielen wie die Ernährungssicherheit, Klimawandel, globaler Frieden und Stabilität. Der UN-Wasserexperte betont jedoch, dass der wichtigste Motor der Umgestaltung die wasserarmen Länder selbst sein sollten. “Besonders vom Privatsektor dieser Staaten sind Impulse zu erwarten.” Dieselbe Ansicht vertreten auch deutsche Wasserexperten.

Mangel an Wasserexpertise in der Dritten Welt
Schulterschluss staatlicher Versorger mit lokalen Privatanbietern

Den öffentlichen Wasserversorgern der Dritte-Welt-Ländern mangelt es vielmehr an Fachwissen als an Geld. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage von Umwelttechnikern der Universität Witten/Herdecke http://www.uni-wh.de unter 150 Führungskräften staatlicher Wasserbetriebe aus allen Kontinenten. Die Entwicklungshilfe der Industriestaaten solle die Wissenschaft mehr einbinden, um neue Lösungen zu entwickeln und Aus- und Weiterbildung von Wassertechnikern zu fördern, so die Schlussfolgerungen der Forscher.

Versorgung wird immer schwieriger
Viele Menschen der Dritten Welt sind nicht an das Wassernetz angebunden

Die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser wird in Entwicklungsländern immer schwieriger. Während es in den wasserreichen Industriestaaten schon lange flächendeckende Anschlüsse gibt, ist das hier oft nicht der Fall. “Die großen Städte wachsen extrem. Mit der zunehmenden Bevölkerung schrumpft die Wassermenge, die pro Kopf zur Verfügung steht”, berichtet Studienautor Michael Harbach im pressetext-Interview. Ein im April anlässlich der Weltwasserkonferenz in Istanbul präsentierter Bericht nennt auch den Klimawandel als Faktor, der das Wasservorkommen in den Ländern des Südens verringert.

Da angesichts dieser Situation die staatlichen Versorger in immer größere Bedrängnis geraten, hält auch die Diskussion um die Privatisierung des Wassers an. Diese werde in Entwicklungsländern ebenso emotional geführt wie im Norden, berichtet Harbach. “Zu unserer Überraschung ist bei den staatlichen Wasserversorgern selbst die Meinung nur wenig verbreitet, dass das Wasser in Bürgerhand zu bleiben hat. Vielmehr dominiert das Ziel, die Versorgung der Kunden zu erreichen – notfalls durch Schulterschluss mit der Privatwirtschaft”, so Harbach. Viel mehr als internationalen Konzernen vertraue man allerdings lokalen Privatanbietern, sofern diese das nötige Know-how einbringen könnten.

Global Players als Wissensvermittler

Denn gerade an Fachwissen über Technologie und Management-Praktiken mangle es den staatlichen Versorgern, so ein Ergebnis der Studie. Einerseits würden die in Weiterbildungs-Konferenzen vermittelten Inhalte kaum im Betriebsalltag umgesetzt, andererseits wanderten fähige Wasserfachleute meist in besser bezahlte Jobs der Privatwirtschaft und der Industrieländer ab. Harbach sieht Modelle des Franchisings als mögliche Lösung. “Die internationalen Player werden dabei zu Trägern des Know-hows für die lokalen Privatbetreiber, wodurch diese für die Banken kreditwürdiger werden.” Sicher zu stellen sei dabei allerdings die Refinanzierung durch den Betreiber sowie dessen lokale Akzeptanz.

“Grundsätzlich ist bei privater Versorgung die kritische Betrachtung immer wichtig. Wasser ist nicht dafür geeignet, große Profite zu machen”, warnt die Ökologin Karo Katzmann, Autorin des Buches “Schwarzbuch Wasser”, gegenüber pressetext. Global Players seien in Entwicklungsländern vor allem interessiert, in den Megacitys tätig zu werden und mit dem Argument, auch strukturschwache Gebiete zu erschließen, die Behörden zu überreden. “Oft werden diese Verträge dann nicht erfüllt. Manchmal werden sogar vorhandene Brunnen geschlossen, um die Menschen von der Belieferung abhängig zu machen”, so die Umweltexpertin.

Garantien für die Ärmsten notwendig

Der Vorschlag der Wittener Forscher, ein Kooperationsmodell anzustreben, begrüßt allerdings auch Katzmann. “Private Beteiligung kann das Problem überbrücken, dass staatliche Anbieter oft nicht wissen, wie das Netz saniert werden kann.” Damit der Zugang zu Wasser als Menschenrecht verwirklicht werden könne, sollte man jedoch den Ärmsten zumindest die lebensnotwendige Menge an Trinkwasser kostenlos zur Verfügung stellen. “Das wäre ein Sockelbetrag von rund 20 Litern pro Tag. Dieses von der WHO festgesetzte Minimum entspricht einer halben Klospülung.”

UNESCO-Bericht warnt vor Wasserknappheit
Lebensstil und wachsende Bevölkerung brauchen immer mehr Wasser
Besonders in Afrika wird sich die Wasserknappheit weiter verstärken

Wasser wird in Zukunft noch knapper werden. Das berichtet die UNESCO http://www.unesco.org/water/wwap in ihrem jüngsten Wasserbericht, der den Titel “Wasser in einer sich verändernden Welt” trägt. Im Jahr 2030 werden fünf Mrd. Menschen noch immer keine ausreichende Sanitärversorgung besitzen, sofern nicht einschneidende Maßnahmen unternommen werden, warnt der Bericht. Als wichtigste Ursachen der Knappheit werden die Bedürfnisse einer schnell wachsenden Weltbevölkerung und die Auswirkungen der globalen Erwärmung angeführt. “Der Kampf gegen die Armut hängt von der Fähigkeit ab, in die Ressource Wasser zu investieren”, so UNESCO-Generalsekretär Koichiro Matsuura, der den Bericht nächste Woche bei der Weltwasserkonferenz in Istanbul präsentieren wird.

Dringend sei gutes Wassermanagement besonders deshalb, da der Wasserbedarf unaufhörlich steigt. Weltweit wird heute dreimal mehr Trinkwasser als 1960 gebraucht und die bewässerte Fläche hat sich verdoppelt. Eine der Ursachen dafür ist das anhaltende Bevölkerungswachstum, das 2030 zu einer Weltbevölkerung von knapp zehn Mrd. Menschen führen wird, deren Nahrungsmittelversorgung viel Wasser benötigt. Eine entscheidende Rolle spielt auch der gewandelte Lebensstil, der in heute noch unterentwickelten Ländern zu einem höheren Fleisch- und Milchkonsum führt. Fleisch gehört zu den wasserintensivsten Produkten und schlägt sich mit bis zu 16.000 Liter Wasser pro Kilo zu Buche. Da für einen Liter Biodiesel ebenfalls bis zu 4.000 Liter Wasser nötig sind, hat auch der Anstieg alternativer Treibstoffe der letzten Jahre den Wasserverbrauch entscheidend erhöht.

Der Klimawandel verschlimmert diese Situation noch. Experten zufolge beschleunigt die Erderwärmung die globalen Wasserkreisläufe und intensiviert sie. Auch wenn die genauen Folgen der höheren Verdampfung und Niederschläge auf die Wassermenge noch nicht erforscht sind, geht man davon aus, dass sich der Wassermangel negativ auf die Wasserqualität auswirkt und Extremereignisse wie Flut und Dürre zunehmen lässt. Die dadurch verursachte Knappheit wird besonders in den Trockenzonen Afrikas große Migrationsströme hervorrufen, so der Bericht.

Zwar gehen Schätzungen davon aus, dass in sechs Jahren die ganze Welt außer die afrikanischen Länder südlich der Sahara ausreichend mit Trinkwasser versorgt ist. Vom Ziel der weltweiten sanitären Versorgung ist man jedoch weit entfernt. Erfolgen keine drastischen Maßnahmen, werden im Jahr 2030 fünf Mrd. Menschen keinen Zugang zu sauberen Sanitäranlagen haben. Das betrifft derzeit eine halbe Mrd. Menschen alleine in Afrika sowie andere Regionen der Erde. Um das Millenniumsziel der ausreichenden Wasserversorgung zu erreichen, müssen bisherige Anstrengungen verdoppelt werden, fordert der UN-Bericht. Das würde zugleich jede zehnte Krankheit weltweit verhindern.

Die UNESCO fordert eine Verstärkung der Investitionen in Wasser auch seitens der ärmeren Länder, da von dieser Maßnahme wirtschaftliche und soziale Entwicklung besonders abhänge. “Jeder Dollar, der in den verbesserten Zugang zu sicherem Wasser und Sanitäranlagen eingesetzt wird, hat eine Rentabilität zwischen drei und 34 Dollar”, so der Bericht. Mangelhafte Versorgung wie in Afrika setze hingegen das Bruttoinlandsprodukt herab. Viele Maßnahmen würden bisher zu kurz greifen, da sie auf den Wassersektor allein beschränkt seien. Erst wenn Entscheidungsträger aus Landwirtschaft, Energie, Handel und Finanzsektor eingebunden sind und Partnerschaften zwischen Regierungen, Privatsektor und Zivilgesellschaft entstehen, könne Wassermanagement wirksam werden.

Special zum TU b’Schwat: Wasser in Israel

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