Ein Mensch kann ein sehr hohes Maß an spiritueller Entwicklung zeigen, ohne emotional und psychologisch reif zu sein. Das ist das Ergebnis der neuesten Studie von der Psychologin Ofra Mayseless von der Universität Haifa…
Israelische Studie kommt zu überraschendem Ergebnis:
Spirituell heißt nicht automatisch reif
pte – http://www.haifa.ac.il – Die Studie wurde im Rahmen der Konferenz über “Zeitgenössische Spiritualität” vorgestellt. Als psychologische Reife gilt die Fähigkeit, Impulse zu kontrollieren und die Verantwortung für die Konsequenz des eigenen Handels zu übernehmen. Die Studie, die an 215 College-Studenten zwischen 19 und 30 Jahren durchgeführt wurde, untersuchte das Zusammenspiel dieser zwei Entwicklungsdomänen.
Verbindung zwischen Spiritualität und Reife
Zudem stellte sich für die Forscherin auch die Frage, wie sie zusammenfließen und sich gegenseitig beeinflussen, wenn die beiden Bereiche miteinander verbunden sind. “So ist zum Beispiel ist ein bestimmter Grad an emotionaler Reife erforderlich, bevor ein Individuum Spiritualität entwickeln kann”, meint die Psychologin. Interessant war somit, was passiert, wenn jemand transzendentale Erfahrungen sammelt, als Individuum aber noch nicht die emotionale Reife besitzt.
Mayseless kommt in ihrer Untersuchung zum Schluss, dass es eine Verbindung zwischen psychologischer und spiritueller Reife sowie einem individuellen Wertesystem gibt. Das wiederum ergebe die Frage, ob beide Entwicklungsdomänen bei der Entwicklung eines spezifischen Attributs mitwirken, oder ob eine davon ausreicht. Das Ergebnis war verblüffend, da die Untersuchung deutlich gezeigt hat, dass sowohl psychische Reife als auch Spiritualität separat an der Entwicklung von individuellen Charaktereigenschaften beitragen.
Komplexe Entwicklung der Reife
“Die Wahrheit ist, dass ich zeigen wollte, dass ein Individuum, das in beiden Domänen reif ist, zusätzliche Werte hat und dass jemand, der psychologisch als auch spirituell entwickelt ist, mehr Attribute wie Großzügigkeit, Geduld und Pluralismus nach außen demonstriert. Aber das war nicht das, was wir entdeckt haben”, so die Forscherin.
“Die Studie hat deutlich gemacht, dass sich jede Entwicklungsstufe unabhängig von der anderen herausbildet. Der Beitrag, der zu gewissen Attributen führt, ist aber ähnlich. Möglicherweise gibt es auch eine Verbindung”, meint die Forscherin. Dies lasse sich allerdings nur über eine Langzeitstudie feststellen, in der Einzelpersonen über einen gewissen Zeitraum untersucht werden und Änderungen in den einzelnen Bereichen herausgearbeitet werden können.
Sozialisation spielt große Rolle
“Die Entwicklung ist sehr stark von der Sozialisation abhängig”, meint die Psychologin Caroline Erb von parship.at im pressetext-Interview. “Der soziokulturelle Hintergrund spielt in der Ausprägung der Wertigkeiten eine wesentliche Rolle. Das bedeutet, dass es ausschlaggebend ist, in welcher Gesellschaft jemand aufwächst.” So werde Gleichberechtigung in Nordeuropa anders beurteilt wie in einem arabischen Land.
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Sehr interessant
Nach der Lektüre vermisse ich spontan etwas zum Aspekt der Wahrnehmung der Realität. Der Mensch ist nicht in der Lage, diese zur Gänze wahrzunehmen, wie er auch nur in der Lage ist – gleich einem Computer mit wenig RAM – immer nur wenig Information im Bewusstsein zu halten. Nur eine kleine Menge der zur Realitätswahrnehmung erforderlichen Information und eine kleine Menge an Gedanken werden bearbeitet, der Rest wird ausgefiltert oder verdrängt. Von diesem Filter hängt es ab, ob wenigstens Andeutungsweise so etwas wie “Reife” erreicht wird oder nicht. Und um einen Sprung zu machen und nicht zu lang zu schreiben… Kann ein solcher, Reife ermöglichender Filter in der Informations- bzw. Informationsüberflutunghsgesellschaft, die zu jeder Zeit das oben erwähnte “RAM” aus- und überfüllt, überhaupt noch entstehen?