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Wie man dazu kommt, Träume zu erforschen

Nachts in unseren Köpfen wird geflogen und geflohen, Tote werden lebendig, Menschen erkennen sich in Tieren wieder. Träume sind ein zentraler Bestandteil des Lebens und bleiben doch oft rätselhaft. Die Traumforscherin Ortrud Grön beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit ihrer Entschlüsselung…

Ortrud Grön zeigt, dass Träume Gleichnisse sind: Der Traum nutzt Bilder der Natur und des alltäglichen Lebens, um seelische Vorgänge zu beschreiben. Für den, der Träume verstehen lernt, werden sie Quell der Selbsterkenntnis und Anstoß zur Veränderung.

[Ich habe einen Traum: Was hat er zu bedeuten?]
Ortrud Grön

Ich schreibe alle meine Träume auf. Seit Jahrzehnten. Ich habe heute 64 Ordner voll, es müssen Tausende von unterschiedlichen Traum-Motiven sein. Ich hole mir immer wieder etwas aus den Ordnern hervor, um nachzuvollziehen, wie ich mich entwickelt habe.

Keiner fühlt mich – meine Gefühle sind unwichtig – meine Gefühle haben keine Macht – meine Gefühle interessieren den anderen nicht.
Das sind Sätze aus einem Traum, der mich in der Mitte meines Lebens bewegte. Er gab mir einen wichtigen Hinweis zu einem Zeitpunkt, als ich begann, mich mit meinen Kindheitsnöten auseinanderzusetzen: Was war diesem Traum vorausgegangen, woher kam diese Hoffnungslosigkeit?

1925 in Berlin als erstes von vier Kindern geboren, geriet ich gleich in meiner Säuglingszeit in seelische Nöte: Meine Eltern ließen mich oft bis tief in die Nacht allein, wenn sie zu Wahlreden in der Stadt unterwegs waren, denn mein Vater war Redner der NSDAP. Niemand hörte dann mein Weinen und Schreien. Und als ich später im Ställchen saß, verlangte mein Vater, dass ich absolut still zu sein habe, weil er schlafen müsse. Wie jedes Kind, suchte auch ich instinktiv nach einem Ausweg: Da ich ja doch nicht gehört wurde, zeigte ich keine Gefühle mehr.

Eine weitere schlimme Erfahrung war für mich zu begreifen, dass meine Mutter ihre beiden Söhne mehr liebte als die beiden Töchter. Das machte mich traurig, und so versuchte ich stattdessen die Liebe meines Vaters zu gewinnen. Er mochte es, wenn ich als Schulkind bei ihm saß und seinen Gedanken über das Leben lauschte. Um mich seiner Liebe zu versichern, übernahm ich seine Pflichtauffassung: dem Vaterland zu dienen und Disziplin im Leben zu halten. Ich machte seine Phantasien und Gedanken zu meinen. Meine eigenen Bedürfnisse verdrängte ich, denn sie machten mich verletzlich.

In der späteren Auseinandersetzung mit meinen kindlichen Nöten und dem Verzicht auf eigene Wünsche träumte ich schließlich Folgendes:
Ich sah lauter Kinderfotos, die frühesten von mir. Danach sah ich ein Bäumchen, das an den Wurzeln von Insekten befallen war. Besonders große Ameisen waren dort am Werk. Und schließlich fiel das Bäumchen um.
Die besonders großen Ameisen bringen zum Ausdruck, wie fleißig ich schon am Anfang, an der Wurzel meines Lebens war, indem ich den Erwartungen meiner Eltern nachkam. Im Alter, in dem Kinder im Allgemeinen spielen, übernahm ich bereits viele kleine Pflichten. Mit vier Jahren musste ich für meinen zweieinhalbjährigen Bruder sorgen, wenn die Eltern – wie so häufig – unterwegs waren. Unter solchem Verantwortungsdruck konnte mein kleiner Lebensbaum nicht wachsen und fiel um.

Die Pflichtauffassung meines Vaters wurde damals der Nährboden für meine Beziehung zum Nationalsozialismus. Als Jugendliche stellte ich ihn noch nicht infrage. Mit zehn Jahren wurde ich Mitglied beim Bund Deutscher Mädchen. Ich liebte Geräteturnen, Leichtathletik und Musik und hatte Freude daran, auch die Gruppe dafür zu begeistern. Dabei merkten wir Kinder nicht, wie unkritisch wir zum Teil des Systems wurden.
Meine Schulzensuren reichten über das ganze Notenspektrum, und wenn ich auch in Fächern wie Mathematik eigentlich nicht besonders talentiert war, so konnte ich doch den Lehrer sehr gut anlächeln. Einmal in der Woche hatten wir Kochunterricht. Damals ahnte ich nicht, wie mir ausgerechnet dieser Unterrichtsstoff ein paar Jahre später, nach Ende des Krieges, helfen würde, meine Familie vor dem Hunger zu retten.

Mein Vater war bis 1933 Stellvertreter von Goebbels im »Gau Berlin«. Er hatte sich zwar mit ihm politisch verständigt, aber menschlich nicht vertragen. Deshalb nahm mein Vater 1933 den Ruf zum Stadtrat für das Schulwesen an und übte dieses Amt mit großem Einsatz aus. Für mich ist es bis heute unbegreiflich, wie er sich mit Überzeugung dafür einsetzte, die Bäume auf den Schulhöfen zu erhalten, und gleichzeitig dafür sorgte, dass alle jüdischen Lehrer aus den Schulen entlassen wurden. Welch unfassbarer Widerspruch!

Als Goebbels im Krieg auch für den Schulbereich zuständig wurde, wollte sich mein Vater ihm nicht aussetzen und meldete sich 1941 freiwillig als Offizier in den Krieg. Erkrankt kehrte er Ende 1943 aus dem Osten zurück und wurde 1944 zum Oberbürgermeister von Görlitz ernannt. Nach Ende des Kriegs wurde er in Hoheneck inhaftiert und 1948 wegen seiner Rolle im Nationalsozialismus in einem Schauprozess in Görlitz hingerichtet. Mein Bruder Gerhard fiel in den letzten Kriegsmonaten an der Ostfront.

Der Ausgang des Kriegs löste in mir eine spontane Klarheit über die Täuschung aus, in der wir alle gelebt hatten. Mir wurde erst dann klar, wie sehr sich die Ideologie in unseren Kinderköpfen festgesetzt haben musste. Ich erinnere mich noch heute an einen Augenblick, als mir vier Mädchen begegneten, die Judensterne trugen. Ich wunderte mich darüber, wie sie miteinander lachten und scherzten, und dachte: Ob die das wohl dürfen?
Dieser armselige Gedanke wird mich bis an mein Lebensende mit Scham erfüllen.

Ernüchtert und sachlich wandte ich mich am Ende des Kriegs der dringendsten Aufgabe zu: meiner Mutter und meinen kleineren Geschwistern zu helfen. Zunächst floh ich mit ihnen nach Thüringen. Meine Mutter erblindete nach der Verhaftung meines Vaters, als ob sie die Welt ohne ihn nicht mehr wahrnehmen mochte. Ich arbeitete drei Jahre lang auf einem Gut auf dem Land als Magd: melken, Mist einlegen, Rüben hacken, Hühner und Schweine füttern. So konnte ich meine Familie mit Lebensmitteln versorgen.

Als die Russen kamen, machten sie mich zur »Köchin der Roten Armee«. Ich hatte keine Angst, mir geschah auch nichts Böses. Vielleicht war mein besonderer Schutz, dass ich einen spielerischen Umgang mit ihnen entwickelte. Nach einem viertel Jahr aber wurde ich wegen »Sabotage« entlassen – vielleicht, weil ich Hühner für ein Nachbargut »entführt« hatte.
Nach dieser Zeit sehnte ich mich danach zu studieren: Literatur, das Lieblingsfach meiner Schulzeit. Ich floh aus der sowjetischen Besatzungszone in den Westen. Meine Mutter lag zu dieser Zeit im Krankenhaus und starb vier Wochen nach der Hinrichtung meines Vaters. Es war eine Erlösung für sie, wie auch für meinen Vater der Tod eine Erlösung aus seinen Irrtümern wurde. Meine Geschwister waren in der Zwischenzeit zuerst im Heim und dann in Pflegefamilien untergebracht worden.

In Hamburg verdiente ich das Geld für mein Studium als Nachtwächterin auf einem riesigen Trümmergelände, ich gab Schülern Grammatikunterricht und gründete schließlich gemeinsam mit einer Freundin das Schreibbüro »Die Schreibengel«. Dort lernte ich meinen Mann kennen. Er war sehr viel älter als ich – ein zutiefst unglücklicher Mensch, der zwischen Aggression und Humor sein Leben balancierte. Er besaß eine chemische Fabrik, kleine Tonbergwerke und die Lauterbacher Mühle an den Osterseen in Oberbayern. Nach und nach übertrug er mir eine Aufgabe nach der anderen in seinen Betrieben. Darin fand ich eine neue Art von Sicherheit. Ich brach das Studium ab, aber durch die Größe der Aufgaben ergriffen langsam wieder die alten Pflichtgefühle von mir Besitz. Wir heirateten. Es folgte eine schmerzliche Auseinandersetzung, weil mein Mann keine Kinder wollte. 1955 wurde schließlich unsere Tochter geboren.

Nach und nach verlor ich in dieser Ehe und aufgrund der vielen Aufgaben in der Firma das Gefühl für meine eigenen Bedürfnisse. Als ich in eine seelische Krise geriet, suchte ich den Zen-Meister Karlfried Graf von Dürckheim auf und erzählte ihm von einem Traum:
Ich betrete meinen Pferdestall und erschrecke. Die Pferde sehen…

Die Traumdeutung
von Sigmund Freud

Freud und Perls:
Traum und Analyse

Sigmund Freud entwickelte die Traumdeutung zu einem wichtigen Bestandteil seiner psycho-analytischen Lehre. Sowohl über das gesunde Empfinden und Verhalten als auch über psychische Störungen sei hier vieles zu erfahren. Die Interpretation der Träume war für Freud der „Königsweg“ zum Verständnis des Unbewussten… weiter…

Zweitausend Jahre vor Freud und Perls:
Traum und Traumdeutung in der Antiken Welt

Sowohl die hellenistisch-römische als auch die antike jüdische Literatur kennt die Traumdeutung als Beruf. Zum Stadtbild in der antiken Weltstadt Rom, gehörten auch professionelle Traumdeuter, die als ambulantes Gewerbe auf den belebten Marktplätzen ihre Dienste offerierten… weiter…

Aus Torah, Mischnah und Talmud:
Traum und Traumdeutung in Talmud
Die zahlreichen Äußerungen über Träume und ihre Deutung in der rabbinischen Traditionsliteratur zeigen bei aller Uneinheitlichkeit, dass auch die jüdischen Gelehrten ihnen ein großes Interesse entgegenbrachten. Die Mehrzahl der Weisen, die in diesen Texten zu Wort kommen, hält Träume durchweg für bedeutsam hinsichtlich des Verhaltens und des Schicksals eines Menschen… weiter…

Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse von Sigmund Freud
Das Ich und das Es: Metapsychologische Schriften. (Psychologie) von Sigmund Freud
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie von Sigmund Freud
Hemmung, Symptom und Angst von Sigmund Freud
Die Traumdeutung von Sigmund Freud
Das Unbehagen in der Kultur, und andere kulturtheoretische Schriften von Sigmund Freud
Zur Psychopathologie des Alltagslebens: Über Vergessen, Versprechen, Vergreifen, Aberglaube und Irrtum von Sigmund Freud
Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten / Der Humor: (Werke im Taschenbuch). (Psychologie) von Sigmund Freud
Abriß der Psychoanalyse. Einführende Darstellungen. von Sigmund Freud
Das große Lesebuch von Sigmund Freud
Massenpsychologie und Ich-Analyse / Die Zukunft einer Illusion von Sigmund Freud
Warum Krieg?: Ein Briefwechsel von Albert Einstein
Totem und Tabu: Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker. (Psychologie) von Sigmund Freud
Freud: Eine Biographie für unsere Zeit von Peter Gay

Aus dem Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ich habe einen Traum: Was hat er zu bedeuten? (Gebundene Ausgabe)
von Ortrud Grön (Autor)

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