Alarmierende Zahlen aus Teheran: Depression, Drogensucht, Arbeitslosigkeit

26. Juli 2010
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Während die staatlichen iranischen Medien die Zahlen aus Europa und den USA über Depressionserkrankungen und Selbstmordraten dazu benutzen, um ihre Behauptung zu untermauern, dass der Westen im Zerfall begriffen ist, geht aus einem Bericht des Aria Strategic Studies Center hervor, dass 58% der Einwohner Teherans an leichten bis schweren Depressionen leiden. Unterdessen hat der Teheraner Polizeichef erklärt, dass das Suchtalter gesunken sei und Teheran den „kritischen Punkt“ in diesem Bereich überschritten habe. Gleichzeitig hat die Arbeitslosenquote vor allem bei Jugendlichen und Universitäts-Absolventen 14 Prozent erreicht…

Von Nazanin Kamdar

Das Aria Strategic Studies Center hat einen Bericht veröffentlicht, in dem hinsichtlich des psychischen Wohlergehens der Teheraner Bevölkerung gewarnt wird.
: Der Nachrichtenagentur ILNA (Iranian Labor News Agency) zufolge heißt es in dem Bericht, dass 30 Prozent der Einwohner Teherans schwer depressiv sind, weitere 28 Prozent leiden an leichten Depressionen.

Themen wie Heirat, Wohnen, Arbeitsplätze und Einkommen sind Teil der Ursachen für Angst und Unwohlsein unter Teherans Einwohnern.
Der Teheraner Polizeichef ergänzte gestern die besorgniserregenden Nachrichten durch die Bekanntgabe der aktuellen Zahlen über Drogensüchtige in Teheran. Der [staatlichen] Nachrichtenagentur Fars News zufolge sagte der Teheraner Polizeichef Hossein Sajedinia: „In Teheran leben 400 000 Drogenabhängige; Maßnahmen für ihre Behandlung sind in Vorbereitung.“

Experten zufolge haben auch die Gewalt der Sicherheits- und Vollzugsorgane, der Betrug bei den Präsidentschaftswahlen vom letzten Jahr, die Massenverhaftungen von Bürgern und die Ermordung verhafteter Bürger in Folterzentren oder bei Demonstrationen zu einem Ansteigen von Depressionserkrankungen und Pessimismus unter Teherans Einwohnern geführt.

Die sich verschlechternde wirtschaftliche Situation und der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit wird ebenfalls als eine der Ursachen für diese Entwicklung angesehen.

Der Nachrichtenagentur ISNA [Iranian Student's News Agency] zufolge stellt der neueste Bericht des Iranischen Statistischen Zentrums (Iran Statistical Center) fest, dass „infolge von Arbeitslosigkeit, Inflation und unsicherer finanzieller Versorgung trotz der riesigen Ressourcen des Landes heute mehr als 10 Millionen Menschen in absoluter Armut leben. Weitere 30 Millionen Menschen leben in relativer Armut.“

Die Nachrichtenagentur ILNA berichtet, dass die Arbeitslosenzahl in der zweiten Hälfte des letzten Jahres um 2 Prozent auf alarmierende 14 Prozent angestiegen ist, während desillusionierte Bürger massenweise unterdrückt und verhaftet wurden.
Der Nachrichtenagentur Mehr News zufolge siedelt das Statistische Zentrum Irans in einem offiziellen Bericht die Jugendarbeitslosigkeit bei 24 Prozent im letzten Monat an.

ILNA berichtet zudem, dass Iran „glaubwürdigen internationalen Quellen zufolge beim Anteil der Beschäftigten auf Platz 143 von 180 Ländern liegt“.

Die Inkompetenz der Regierung Ahmadinejad, gekoppelt mit ihrer provokanten Außenpolitik, die zur vierten UN-Sanktionsrunde gegen den Iran geführt hat, entfaltet nach und nach ihre sozialen Auswirkungen – in Form von Depressionen, Sucht und Arbeitslosigkeit.

Zwischenzeitlich haben Offizielle der Islamischen Republik, darunter Mahmoud Ahmadinejad und seine Berater, erklärt, die wirtschaftlichen Sanktionen hätten Iran geholfen, „Unabhängigkeit“ und „Autarkie“ zu erlangen. Derartige Behauptungen wurden von bekannten Politikern wie den Führern der Grünen Bewegung und dem Enkel des Gründers der Islamischen Republik, Seyed Hassan Khomeini, zurückgewiesen.

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Anm. d. Übers.: Es ist einen Hinweis wert, dass die im Bericht zitierten Nachrichtenagenturen allesamt staatlich bis regimetreu (Fars News) oder halbamtlich sind, keine von ihnen kann als ausgesprochen regimekritisch oder oppositionell bezeichnet werden.

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