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Moderne Zeiten: Onlineberatung

In den Weiten Australiens, der USA und Skandinaviens ist es mittlerweile normal, dass psychologische Beratungen auch im Internet stattfinden. Doch auch in einem so dicht besiedelten Land wie Holland gehört diese Form der Begegnung auch im therapeutischen Bereich seit Jahren zum Alltag…

Kein Wunder also, dass diese Entwicklung auch im deutschen Sprachraum zunehmend Beachtung findet und für Kontroversen sorgt. Manche sind von den Chancen der neuen Medien und Kommunikationsformen begeistert, andere erkennen ganz pragmatisch die schiere Notwendigkeit sich mit neuen Kommunikationsformen vertraut zu machen und sie zu nützen, während wieder andere in erster Linie die Risiken betonen.

Dabei sind Struktur und Ablauf einer solchen beratenden oder therapeutischen Begegnung relativ variabel. Mancher Berater nimmt nur Klienten aus der näheren Umgebung an, damit zumindest theoretisch die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung offen bleibt. In anderen Settings wird dies für unnötig oder sogar unerwünscht angesehen. Oft ist es gerade die garantierte Anonymität, die es den Klienten erst möglich macht, bestimmte, vielleicht nur für sie selbst, schwierige oder peinliche Themen überhaupt jemandem mitzuteilen.

An anderer Stelle sind, ähnlich einer virtuellen Gemeinschaftspraxis, große Fachportale, z.B. zum Thema Burnout, entstanden, die neben einem breiten Informationsangebot auch Beratung, online wie offline, anbieten. Hier stehen manchmal verschiedene Fachrichtungen zur Auswahl. Variabel sind aber auch die technischen Kommunikationsmittel: Die Klienten haben die Wahl zwischen E-Mail, Chat, Skype, einem Forum oder einem privaten Onlineaustausch, der ähnlich einem Blog geführt und dokumentiert wird.

Die „virtuelle“ Kommunikationsform bietet sich z.B. an, um die oft sehr langen Wartezeiten auf ein herkömmliches lokales Setting zu überbrücken. Auch die Terminwahl ist flexibler. Manche Klienten / Klientinnen schätzen auch, dass sie ihre vertraute Umgebung nicht verlassen müssen. Die Online Angebote zeichnen sich also dadurch aus, dass die zu überwindende Hemmschwelle zum Erstkontakt vergleichsweise niedrig ist.

Während die Selbstbestimmtheit des Klienten sehr stark gewahrt bleibt, stehen dem Berater die überlieferten Wege zur Diagnoseerhebung nur beschränkt zur Verfügung. Er kann weder auf noch mit Mimik, Stimme oder Körpersprache reagieren.
Natürlich muss der Klient den ersten Schritt tun und sein Anliegen und die von ihm, vielleicht auch von anderen, vermutete Problematik schildern. Bei bestimmten Ansätzen liegen bereits erprobte Fragebögen vor. Der Berater wird dann weiter ins Detail gehen und weitere Informationen erfragen.

Wie auch im lokalen Setting wird er / sie die mitgeteilte Information anlysieren, strukturieren, erklären und spiegeln. Im Rahmen einer vertrauensvollen und achtsamen Beziehung ist es auch im virtuellen Raum möglich, Verständnis zu erreichen und – auch emotionale – Erkenntnis zu gewinnen.
Reichen die auf diesem Weg ansprechbaren Eigenkräfte der Klienten nicht aus, kann an andere Stellen verwiesen werden. Dies kann auch vor Beginn der eigentlichen Beratung angesagt sein, wenn eine Krise vorliegt, die dringende Intervention erforderlich macht.

Wer hier tätig wird, betritt auf jeden Fall Neuland, auch wenn die eingangs erwähnten Niederländer (Alfred Lange, Universität Amsterdam), mit „Interapy“ das Stadium der Entwicklung und Erfolgskontrolle längst hinter sich gelassen haben und in Holland zu einem anerkannten Bestandteil des Versorgungsangebots geworden sind. Vielleicht auch weil Traumata viel mit Scham, Schuld und Angst zu tun haben, die viele Betroffene daran hindern, sich überhaupt mitzuteilen und Hilfe zu suchen, konnten in Amsterdam gerade im Bereich des PTS besonders viele Erfolge erzielt und detaillierte verhaltenstherapeutische Manuals erarbeitet werden. Bei der Heidelberger Forschungsstelle für Psychotherapie sieht man in bestimmten Angeboten die Chance, Mängel im Bereich der ambulanten Nachsorge aufzufangen. Beim Verein „Virtuelle Streetworker“, der Anfang des Jahres in Meran ein Angebot an Jugendliche vorgestellt hat, hat man eher präventive Absichten. Mit seinem „Internet Streetwork“ machte schon vor zehn Jahren der Basler Psychotherapeut Samuel Althoff gute Erfahrungen, als er ein Modell zur Arbeit mit problematischen, vor allem rechtsextremistischen Jugendlichen entwickelte.

Viele Methoden wurden im Internet noch nicht erprobt, so dass zu vielen psychotherapeutischen Verfahren Erfahrungswerte und Handlungsanweisungen fehlen und eine wissenschaftliche Evaluation noch aussteht, wenn auch, wie in den Anfangszeiten der Psychoanalyse, jede Sitzung einzeln und im Vorraus bezahlt wird.

Falls Sie Interesse an einem solchen Kontakt haben, können Sie sich z.B. hier ein Angebot einholen…

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