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Suizidprävention: Psychologen in Harvard entwickeln neue Alarmsysteme

In der psycho-therapeutischen Praxis wäre eine verlässliche Möglichkeit zur Evaluation einer Suizidgefahr von grösstem Nutzen. Entsprechend wurden Persönlichkeitstests entwickelt, um erstens die Charakteristika potentieller Selbstmörder zu erheben und zweitens die Früherkennung zu fördern und Massnahmen zur Verhinderung einleiten zu können…

Suizidvorhersage auf Grund von Persönlichkeitstests

Cambridge – haGalil.com – Ein Beispiel ist der FBS (Fragebogen zu Beurteilung der Suizidgefahr) den Stork in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts vorlegte. Die Genauigkeit ist allerdings sehr unzuverlässig. Das liegt u.a. daran, dass viele der tatsächlich suizidgefährdeten Patienten keine Informationen über die Selbstmordabsicht preisgeben möchten und sich entsprechend vorsichtig verhalten.

Um so erfreuter wurde denn auch die Nachricht aus Harvard aufgenommen, nach der zwei angeblich sehr treffsichere Tests entwickelt wurden. Der Ansatz versucht, die Abhängigkeit des Behandelnden von Selbstankündigungen und Verschleierungstaktiken des Patienten zu vermindern. Beide Test können innerhalb weniger Minuten, mit Hilfe eines Computers , ausgewertet werden. Es können Aussagen getroffen werden, die die Einstellung des Patienten zum Selbstmord und zur Wahrscheinlichkeit, dass er einen solchen in den nächsten Monaten versuchen könnte, erhellen.

Wir stellen hier zwei wichtige neue Werkzeuge vor, mit denen Kliniker die Entscheidung über die weitere Behandlung potentiell suizidaler Patienten erleichtert wird, erklärt Matthew K. Nock, Professor am Department of Psychology, Harvard University, Cambridge. Nock et al. berichteten im aktuellen „Journal of Abnormal Psychology“ und in „Psychological Science“. Im Fokus steht die Aufmerksamkeit, die ein Individuum selbstmordbezogenen Reizen gibt und in welchem Maß sich der Mensch selbst mit Tod und Suizid in Zusammenhang bringt.

In der ersten Studie wurden 124 psychiatrische Notfallpatienten untersucht. Verwendet wurde ein modifizierter Stroop Test, in dem die Geschwindigkeit, mit der bestimmten Worten Farbwerte zugeordnet wurden, gemessen wird. Suizidgefährdete waren bei suizidbezogenen Begriffen aufmerksamer, als bei neutralen Begriffen.

In der zweiten Studie kam ein Implicit Association Test nach Banaji, ebenfalls Harvard, zum Einsatz. Gemessen wurden Reaktionszeiten auf semantische Stimuli. Bei 157 Probanden wurde die Stärke der Assoziation zwischen Worten die einerseits mit dem „Selbst“ und andererseits mit Begriffen wie „Leben“ oder „Tod/Selbstmord“ verbunden waren.

Den Testpersonen wurden am Bildschirm Wortpaare gezeigt, wobei die Reaktionszeit von unbewussten Assoziationen beeinflusst wird. Eine schnelle Reaktion, z.B. auf einen Stimulus der „Selbst“ und „Tod/Suizid“ miteinander verbindet, deutet auf eine enge Beziehung im Unbewussten der Testperson hin. Personen mit einer solchen Assoziation hatten ein sechsmal höheres Risiko, in den kommenden sechs Monaten einen Selbstmordversuch zu begehen, als Personen mit einer Assoziation zwischen „Selbst“ und „Leben“.

Hintergrundinformation (Wiki): Der Stroop-Effekt bezeichnet ein experimentalpsychologisches Phänomen, das bei mentalen Verarbeitungskonflikten auftritt. Er zeigt, dass trainierte Handlungen nahezu automatisch ablaufen, während ungewohnte Handlungen eine größere Aufmerksamkeit benötigen. Im klassischen Experiment sollen die Probanden die Farben der dargebotenen Wörter benennen. Handelt es sich dabei um Farbwörter, die nicht ihrer Druckfarbe entsprechen, steigen Reaktionszeit und Fehlerzahl.
1935 erschien im „Journal of Experimental Psychology“ die Veröffentlichung zu J. Ridley Stroops Dissertation. Er griff in seiner Arbeit Konzepte auf, die schon knapp 50 Jahre zuvor von James McKeen Cattell unter Leitung von Wilhelm Wundt in Leipzig untersucht worden waren. So konnte Cattell zeigen, dass Menschen schneller darin sind, Wörter zu lesen als die zugehörigen Objekte bzw. Eigenschaften dieser Objekte (z. B. Farben) zu benennen. Jedoch sollte es ein halbes Jahrhundert dauern, bis Stroop als einer der ersten Forscher die Wort- und Eigenschaftsdimension in ein und demselben Reiz kombinierte.

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