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Forschung in der EU: Präzise Brustkrebsdiagnose

In der Europäischen Union werden jährlich 350 000 neue Brustkrebs­erkrankungen festgestellt, wobei jedoch in einigen schwierigen Fällen die Erkrankung mangels wirksamer technologischer Hilfsmittel unentdeckt bleibt oder falsch diagnostiziert wird. Die EU investiert deshalb 3,1 Millionen EUR in das Projekt HAMAM zur Entwicklung besserer und schnellerer Verfahren für die Brustkrebsdiagnose…

IKT-Forschung: Mit EU-Mitteln entwickelte Klinik-Workstation unterstützt präzise Brustkrebsdiagnose

Ziel des Projekts ist die Entwicklung des Prototyps einer Diagnose-Workstation, auf der multimodale Bilder aus der Mammographie, der Magnetresonanz­bildgebung und anderen Techniken mit Patienten­informationen zusammengeführt werden. Diese multimodalen Bilder können vom Arzt miteinander verglichen und zusammen mit der Krankengeschichte des Patienten und den Ergebnissen sonstiger medizinischer Untersuchungen gesichtet werden. Die Workstation wird in ausgewählten Krankenhäusern in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden erprobt.

Hierzu erklärte die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Neelie Kroes: „Brustkrebs betrifft Millionen. In Europa sterben jährlich 130 000 Frauen daran. Viele Tausende Leben könnten gerettet werden, wenn der Krebs häufiger frühzeitig erkannt wird. Die Möglichkeiten, die die digitale Technologie des Projekts HAMAM in dieser Hinsicht bietet, erfüllen mich deshalb mit großer Hoffnung.“

In Europa werden jährlich rund 350 000 neue Brustkrebsfälle festgestellt, was 26 % aller Krebsneuerkrankungen bei Frauen ausmacht. 17 % aller Frauen, die jährlich einem Krebsleiden erliegen, sterben an Brustkrebs. Der Schwerpunkt bei der Brustkrebsbekämpfung liegt derzeit auf der Früherkennung.

Trotz Fortschritten bei der modernen Bildgebungstechnik stellen die frühzeitige Erkennung und korrekte Diagnose dieser Krebserkrankung noch immer unbewältigte Herausforderungen dar. Es werden unnötige Biopsien vorgenommen und oftmals werden Tumore erst in einem Stadium erkannt, in dem eine erfolgreiche Behandlung wesentlich erschwert oder gar unmöglich ist. Das Projekt HAMAM geht dieses Problem durch die Zusammenführung von multimodalen Bildern und Patienteninformationen auf einer einzigen Klinik-Workstation an. Die verglichenen Bilder können aus der Röntgenmammographie, Tomosynthese, Magnet­resonanzbildgebung, 2D/3D-Ultraschalluntersuchung und Positron-Emissions­mammographie stammen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wurde 2008 begonnen und mit 3,1 Millionen EUR von der EU finanziert. In seinem Rahmen arbeiten Wissenschaftler, Klinikärzte und IT-Experten zusammen, um alle vorhandenen Patientendaten in einer gemeinsamen Datenbank zusammenzufassen. Insbesondere werden klinische Softwareinstrumente entwickelt, bei denen Bilddaten und quantitative Daten zusammengeführt und mit persönlichen Risikoprofilen für eine Brustkrebs-Erkrankung, denen genetische Informationen und Krankheits­fälle in der Familie zugrunde liegen, kombiniert werden.

Zu den klinischen Beratern des Projekts gehören führende Experten auf dem Gebiet der Brustkrebsdiagnose aus sechs EU-Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Italien, Niederlande, Schweden und Vereinigtes Königreich) sowie den USA. Klinische Erprobungen werden in Krankenhäusern in Berlin (Deutschland), Dundee (Vereinigtes Königreich) und Nijmegen (Niederlande) durchgeführt. An den Erprobungen sind auch IT-Fachleute mehrerer europäischer Universitäten beteiligt.

Hintergrund: HAMAM ist Nachfolger zweier anderer von der EU finanzierter Vorhaben: SCREEN und SCREEN-TRIAL. Diese Projekte haben zu großen Fortschritten bei der Brustkrebsdiagnose in Europa geführt, so dass Europa heute bei Diagnosesystemen für die digitale Mammographie weltweit führend ist. Mit HAMAM wird Europa seine Führungsposition im Bereich der bildbasierten Brustkrebsdiagnose weiter stärken.

Weitere Einzelheiten zum Projekt HAMAM

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