Archivsuche

Büchersuche

Archiv (chronolog.)

Es ist was es ist: Geschichten von der Liebe

„Nur was man mit Freude lernt, lernt man gut“, steht im Talmud und dass dieses Motto über dem neuen Buch von Ruth Wertheimer steht, deutet daruf hin, dass es ihr und Jerome Singerman, ihrem Mitautor, Spaß gemacht, an diesem Buch zu arbeiten, das sie als Gemeinschaftswerk zweier guter Freunde vorstellen. Die Idee dazu entstand, als sie vor Lucas Cranachs Gemälde vom „Urteil des Paris“ standen und sich zum ersten Mal eingehend über klassische Mythologie unterhielten…

Sie waren davon fasziniert, wie die Geschichten der heidnischen Griechen und Römer über Götter und Menschen bis heute fester Bestandteil unserer kulturellen Landschaft bleiben konnten. Gleichzeitig stellten sie fest, wie überraschend es immer wieder ist, dass sich die antiken Mythen so oft als hilfreich erweisen, wenn es darum geht, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Aus naheliegenden Gründen kamen sie überein, sich insbesondere auf solche Mythen zu konzentrieren, die irgendwie mit den Spielarten der Liebe zu tun hatten – menschlich und göttlich, legitim und nicht legitim, erhebend oder erniedrigend, glücklich vollendet oder tragisch vereitelt. Jeromes Aufgabe sollte es sein, die Geschichten auszuwählen und das nötige Hintergrundwissen zu ihren Überlieferungen in Literatur, Religion und bildender Kunst zu liefern; Ruth im Gegenzug würde die Geschichten in ihrer eigenen Art und Weise neu erzählen und ihnen ihre heutigen Bedeutungen entlocken.

So kam das Projekt ins Rollen, doch lassen wir die beiden selbst erzählen: „Es war natürlich nicht so einfach, diese 25 Mythen auszuwählen, und es war auch nicht leicht zu entscheiden, welche Erzählung davon jetzt im eigentlichen Sinne ein Mythos war und welche nicht; wir waren da in unseren Kriterien recht großzügig. Es sind Geschichten, die sich größtenteils mit den Liebschaften der Götter oder mit dem Einfluss der Götter auf die Angelegenheiten der Menschen befassen. Ein oder zwei Fälle, in denen es eher um Liebe zwischen Menschen geht, bilden die Ausnahmen. Und während manche der Geschichten eindeutig religiöse oder kultische Bedeutungen in sich tragen, sind in anderen die Götter eher als symbolische Projektionen zu verstehen oder vielleicht sogar als erzählerische Launen. Alle Geschichten unserer Sammlungen stammen aus griechischen oder römischen Quellen, einige davon wirken allerdings eher wie individuelle Schöpfungen eines Autors, die nur in einem einzigen literarischen Werk zu finden sind.

Wir haben uns bemüht, eine Auswahl zu treffen, die sowohl bekannte Beispiele berücksichtigt, die schon fast Kultstatus erlangt haben – sozusagen die »üblichen Verdächtigen« -, gleichzeitig aber auch Mythen, die vielen unserer Leser vielleicht gar nicht bekannt sind. Auslassungen waren dabei unvermeidlich, das beste Beispiel dafür ist wohl die Geschichte von Odysseus: Er schlug die Chance auf ein ewiges Leben aus, um zu Penelope zurückzukehren, seiner Frau, die ihm während der 20 Jahre seiner Abwesenheit die Treue gehalten hat. Es ist einfach eine Geschichte, die sich weder auf ein paar Seiten gedrängt abhandeln lässt noch aus dem reichen Gesamtkontext der Odyssee herausgelöst werden kann, jenes Heldengedichts, das zu den größten Abenteuergeschichten aller Zeiten gehört, das aber auch eine wahre Enzyklopädie für die zahlreichen Spielarten der Liebe außerhalb der Ehe darstellt. Wir haben uns im Folgenden jedoch auf andere Quellen gestützt, und man wird sehen, dass wir uns am ausgiebigsten und mit größter Freude bei Ovid bedient haben. Sicherlich ist es kein Zufall, dass es in seinen Metamorphosen so viele Liebesgeschichten gibt, denn im Guten wie im Schlechten, in der Antike oder in der Gegenwart gilt: Es gibt wohl wenige Dinge, die das Leben so stark prägen wie die Liebe.

Deshalb lohnt der Blick, so dachten wir, auf die antiken Mythen der Liebe. Allein die Tatsache, dass die Motive und Themen mehrere Jahrtausende in der Literatur und vor allem in der Kunst überdauert haben, machte uns neugierig: Was ist das eigentlich, was man Liebe nennt?

Wir finden sie, die Liebe, in den Metamorphosen Ovids, bei Luripides, bei Homer und vielen anderen mehr. Die Mythen der Antike erzählen von körperlicher und geistiger Vereinigung, inzestuöser, zum Scheitern verurteilter, hemmungsloser, auch vermeintlich homosexueller, wunderlicher, berechnender, selbst zerstörerischer oder narzisstischer Liebe. Doch die Liebe bleibt eigentlich immer, was sie war – unbeschreiblich schön, schmerzhaft und auf ewig der Motor der Menschheit.“

Ruth K. Westheimer, am 4. Juni 1928 als Karola Siegel in Frankfurt am Main geboren, verließ Deutschland im Kindesalter während des NS-Regimes. Ihre Eltern wurden in Auschwitz ermordet. 1945 emigrierte sie nach Palästina, wo sie später im Israelischen Unabhängigkeitskrieg kämpfte. Nach einem Studium der Psychologie an der Sorbonne in Paris wanderte sie 1956 in die USA aus, studierte Soziologie und Sexualwissenschaft und erwarb an der Columbia University ihren Doktor. 1980 startete ihre Radiosendung »Sexually Speaking«, in der sie Anrufern humorvoll, offen und unverklemmt Ratschläge erteilte. Die Sendung wurde ein riesiger Erfolg, es folgten zahlreiche weitere Radio- und TV-Sendungen sowie Buchveröffentlichungen, u.a. Sex für Dummies. Noch heute doziert die gefragte Expertin in Princeton und Yale.

Jerome E. Singerman ist Autor und Lektor in Philadelphia, Pennsylvania. Er studierte Komparatistik an der renommierten Harvard University. Seine erste Veröffentlichung behandelte die Adaption der Aenas~Sage im Mittelalter und in der Renaissance.

www.collection-rolf-heyne.de

[BESTELLEN?]

Comments are closed.