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Attraktive Politiker öfter im Fernsehen: Telegenität ist durchschlagende Strategie der Politik

Je attraktiver ein Politiker aussieht, desto häufiger taucht er im Fernsehen auf. Das zeigen Forscher der Universität Haifa im „International Journal of Press and Politics“…

Mit 32 Jahren Ministerin: Früher undenkbar, heute im Trend der Zeit

Haifapte – „Sowohl die Medien als auch die Politik nutzen den Faktor Telegenität gezielt für eigene Interessen aus“, bestätigt auch der Medienforscher Christian Moser vom Friedrich-Funder-Institut http://www.ffi.at gegenüber pressetext.

Nur attraktive Gesichter gewünscht

Die israelischen Wissenschaftler analysierten, wie häufig die 120 Parlamentarier ihres Landes in drei verschiedenen Fernsehsendern erschienen. Das verglichen sie mit Einschätzungen zu deren Attraktivität, wofür man belgischen – und somit der Parteilichkeit unverdächtigen – Studenten die offiziellen Portraitfotos der Politiker vorlegte. Mehr als alle anderen Merkmale wie Alter, Amtsdauer oder politische Richtung erwies sich das Aussehen als wichtigster Faktor für häufiges Erscheinen am Bildschirm.

„Schon länger weiß man, dass Menschen lieber in Gesellschaft von körperlich attraktiven Menschen sind und diese auch als Person aufwerten. Journalisten verhalten sich nicht anders“, so Studienleiter Yariv Tsfati. Allerdings erschienen die Politikerinnen seltener vor dem Bildschirm, obwohl sie insgesamt als attraktiver als ihre männlichen Kollegen eingeschätzt wurden. Bei ihnen hing das Ausmaß der Berichterstattung besonders deutlich von hoher Attraktivität ab. Ebenso mussten die weit eher als attraktiv bewerteten jungen Parlamentarier härter als die Alten um Medienpräsenz kämpfen.

Verjüngungskur der Parteien

„Die Politik will journalistischen Kriterien immer stärker entsprechen“, erklärt Moser. Als Folge sei die Führungsriege der Parteien immer jünger. „Dass eine 32-Jährige wie Kristina Schröder deutsche Familienministerin ist, war früher undenkbar. Es gab zwar Fälle wie Hannes Androsch und Karl-Heinz Grasser in Österreich, doch blieben diese strenge Ausnahmen.“ Die politische Führung ist heute zwischen 35 und 45 Jahre alt, früher war es 50 bis 60. Heute undenkbar sei hingegen eine Angelobung zum Kanzler mit 73 Jahren wie etwa bei Konrad Adenauer.

Der Trend beschränkt sich nicht auf die Politik. Auch die Wirtschaft verjüngt sich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, und sogar die Fußball-Nationalmannschaften vertrauen darauf. Die israelischen Forscher bezeichnen das Achtgeben auf das äußere körperliche Erscheinungsbild als zentrale Medienkompetenz. Dem Zwang entkommen nur wenige. „Hässlichen Politikern sagt man Charakterstärke nach. Sie sind damit aber die Ausnahme, die die Regel bestätigt“, so Moser.

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