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Der bekannte Psychiater und Sexologe Miroslav Plzák ist gestorben

Der bekannte tschechische Psychiater und Sexologe Miroslav Plzák ist am Samstag in Prag gestorben. Plzák wurde 85 Jahre alt. Berühmt wurde er vor allem durch die Einführung von Eheberatungen in der Tschechoslowakei in den 60er Jahren, als diese im Ausland noch nicht existierten. Dies sei sein „unsterblicher Verdienst“, sagten Kollegen in ersten Reaktionen auf den Tod Plzáks…

Auf seine Initiative gingen auch die ersten Sorgentelefone in der Tschechoslowakei zurück. Neben seiner Arbeit zur Lösung von Ehe- und Partnerschaftsproblemen widmete sich Plzák schon früh der Behandlung von Depressionen. In den frühen 60er Jahren wies er auf die steigende Zahl von Selbstmorden hin, damals ein Tabuthema. Miroslav Plzáks Bücher vor allem zur Partnerschaftstherapie gehören noch heute zu den Bestsellern in Tschechien.

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Sexualtäter – Strafe und Therapie

Sexualverbrechen stellen ein dankbares Thema für Boulevardmedien dar, das Schicksal der Täter beschäftigt die Medien oft noch nach mehreren Jahren. Die Öffentlichkeit ruft vor allem nach Bestrafung der Täter, einer Therapiemöglichkeit wird in den Medien weniger Aufmerksamkeit geschenkt. In Tschechien wird den meisten Sexualtätern vom Gericht eine sexologische Therapie angeordnet. Mehr dazu im folgenden Beitrag von Martina Schneibergová.

Martina Schneibergová im Oktober 2001

Dr. Petr Weiss vom Institut für Sexologie der medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag befasst sich mit der Behandlung von Sexualtätern fast zwanzig Jahre lang. Seinen Worten zufolge ist die Wirksamkeit der Therapie in Tschechien im Vergleich zu anderen Ländern sehr groß. Nach den jüngsten Untersuchungen gab es unter den ca. 1000 behandelten Patienten in den vergangenen 20 Jahren nur 17% Rückfälle. Ohne Therapie begehen jedoch bis zu 80% der Sexualtäter nach ihrer Freilassung erneut eine Straftat. Die Sexualtäter werden in Tschechien in spezialisierten sexologischen Abteilungen behandelt. Was die Form der Therapie anbelangt, unterscheidet Dr. Weiss drei wichtigste Pfeiler der Therapie:

„Erstens geht es hauptsächlich um Psychotherapie, in deren Rahmen wir uns bemühen, die Patienten zum Erkennen der Ursache ihres sexuell abnormalen Verhaltens zu bringen, d. h. sie dazu zu bewegen, dass sie sich mit der Tatsache identifizieren, dass sie sich im Sexualbereich anders verhalten, dass sie an einer sexuellen Abweichung leiden. Wir versuchen, sie dazu zu führen, dass sie in Zukunft in der Lage sind, Situationen zu meiden, die bei ihnen in der Vergangenheit zum Versagen führten. Der zweite wichtige Pfeiler der Behandlung stellt die Pharmakotherapie dar – dabei wird der Testosteronspiegel mit Antiandrogenen niedrig gehalten. Diese Therapie dient zur Reduzierung des Sexualbedarfs des Patienten auf ein Niveau, das er mit seinem Willen kontrollieren kann.“

In Ausnahmefällen kann der Patient jedoch um die Durchführung eines chirurgischen Eingriffs, d. h. der Kastration ersuchen. Diese reduziert seinen Sexualbedarf auf ein sehr niedriges Niveau, und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfallverbrechens wird damit auch geringer. In den letzten 25 Jahren wurde – Dr. Weiss zufolge – unter den kastrierten Patienten kein Rückfallverbrecher verzeichnet. Der Sexologe betont noch den dritten Bestandteil der Behandlung der Sexualtäter:

„Den dritten Bereich stellt die soziale Adaption dar. Wir bemühen uns darum, dass unsere Patienten nach Freilassung eine Arbeitstelle sowie eine Wohnmöglichkeit haben und versuchen sie in die Gesellschaft wieder zu integrieren. Dies kann eine sehr schwierige Aufgabe darstellen, sie kommen in unsere Sprechstunde oft nach langjähriger Haft.“

Wie sieht Petr Weiss die Chancen für eine vollständige Genesung der Patienten?

„Die Medizin verfügt natürlich über bestimmte Möglichkeiten. Nie erreicht man mit der Therapie, dass die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung der Straftat hundertprozentig ausgeschlossen wird. Jedes Versagen nach der Therapie kann bei der Öffentlichkeit einen großen Widerstand hervorrufen. Wir wissen jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rückfalltat nur durch die Behandlung reduziert werden kann, und dass der Strafvollzug ohne Therapie nicht zum wünschenswerten Resultat führt.“

Quelle: Tschechischer Rundfunk 7, Radio Prag, radio.cz, © Copyright / Alle Rechte vorbehalten

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