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Iwan Bloch: Sadismus, Masochismus und die Verschiedenheit der männ­lichen und weiblichen Natur

Eine allgemeine Ursache der Algolagnie, der aktiven sowohl als auch besonders der passiven liegt in dem verschiedenen sexuellen Verhalten von Mann und Weib, das wieder auf der Verschiedenheit der männ­lichen und weiblichen Natur beruht. Die der stürmisch begehrenden Aktivität des Mannes entgegengesetzte ruhige Passivität des Weibes, die man treffend mit einem Magneten verglichen hat, der bei aller schein­baren Unbeweglichkeit doch das Eisen (den Mann) un­widerstehlich anzieht und festhält, gewissermassen zu seinem Sklaven macht, diese Passivität begründet die unverkennbare Überlegenheit des Weibes in der rein sinnlichen Liebe…Iwan Bloch, Kap. 2.b.

Die physische Natur allein verleiht ihr ein Übergewicht über den Mann, selbst dort, wo sie äusserlich geknechtet erscheint. So ist offiziell bei den Indianern Zentral-Brasiliens der Mann Herr und Ge­bieter der Frau — und tut, was sie will. Und so ist es auch unter der höchsten Kultur geblieben, wo rein sinn­liche Beziehungen allein in dem Verhältnis zwischen Mann und Weib massgebend sind. Der echte — es gibt auch scheinbare — „Pantoffelheld“ unserer euro­päischen Kultur ist derjenige Mann, der von Anfang an durch sein übermässiges geschlechtliches Bedürfnis un­ter die Herrschaft seiner Frau gerät, durch dieses Be­dürfnis fortdauernd in Abhängigkeit von ihr erhalten wird, welche sich dann erst sekundär auf andere Ver­hältnisse erstreckt. Dies ist das psychologische Geheim­nis des Pantoffelheldentums, ebenso auch der „Mä­tressen-Herrschaft“, die zuerst nur auf die rein geschlechtlichen Beziehungen zwischen König oder Fürst einerseits und der Mätresse andererseits sich gründet, später aber auch nach der politischen Seite sich betätigt.

Je grösser die sexuelle Passivität und Kälte des Weibes, desto leichter gewinnt es die Herrschaft über den Mann. Ein probates Mittel hierzu ist die „Koketterie“, die man auch als die Bemühung der Weiber, die Männer an sich zu fesseln und unter ihre Herrschaft zu bringen, de­finieren kann, und von der der angelsächsische „Flirt“ nur eine leichtere Nuance ist, mehr geistig-ästhetische Koketterie, während die echte Kokette sich rein sinn­licher Mittel bedient und allein auf das Geschlecht spe­kuliert, und zwar ohne Rücksicht auf die geistigen Eigenschaften. „Ein wirklich gefallsüchtiges Weib hört die fadeste Schmeichelei des Geringsten mit Freuden an, gibt sich die Mühe, die Begierde des Verachtetsten zu reizen, auch wenn sie täglich von lechzenden Bewun­derern umschwärmt wird“… Joseph Peladan erzählt in einem seiner Romane, wie eine vornehme Mondäne beim Einsteigen in einen Wagen einem armen Manne absichtlich ihre Waden zeigt, obgleich sie fortwährend mit den Herren ihres Standes in gewagtester Weise ko­kettierte. Das Weib trachtet eben instinktiv nach Un­terwerfung des Mannes und die wollüstige Reizung dient ihm als das beste und erprobteste Mittel zu die­sem Zwecke. Insofern der Mann ein „Sklave“ und „Opfer“ seiner Sinnlichkeit wird, bekundet er seine masochistische Disposition, insofern er aber sich durch seine Kraft und Intelligenz über diese „Geschlechts­hörigkeit“ erhebt und nunmehr die natürliche Aktivität und Energie auch in den geschlechtlichen Beziehungen zu dem ganz in die Passivität zurückgesunkenen Weibe rücksichtslos und brutal betätigt, wiegt bei ihm das sa­distische Element vor. Hieraus ersieht man schon, wes­halb Sadismus und Masochismus sehr oft bei derselben Person auftreten können, sie sind nur die aktive und passive Form der beiden zugrunde liegenden Algolagnie, die das eigentliche Wesen dieser Erscheinungen aus­macht.

Wenn wir im folgenden in Kürze die einzelnen Er­scheinungsformen und Typen des Sadismus bzw. Ma­sochismus schildern, so geschieht das also stets unter der stillschweigenden Voraussetzung, dass die meisten Typen keine reinen Formen von Sadismus oder Ma­sochismus sind, sondern eine Mischung von beiden. Das gilt vor allem von der am weitesten verbreiteten algolagnistischen Perversion, der sogenannten Flagellomanie (sexuelle Flagellationssucht oder Flagellantis­mus), d. h. dem Geisseln und Peitschen oder Gegeisselt­werden und Gepeitschtwerden zum Zwecke der ge­schlechtlichen Erregung. Die ausführlichste kritische Darstellung des sexuellen Flagellantismus in physiolo­gisch-psychologischer und literar- und kulturhistorischer Beziehung findet sich im zweiten Bande meines Werkes über das „Geschlechtsleben in England“. Hier ist ziem­lich vollständig das gesamte einschlägige ältere und neuere Material gesammelt.

Die Flagellation ist deshalb der hauptsächliche Mo­dus der Betätigung sadistischer Neigungen geworden, weil gerade bei ihr sich alle physiologischen sadistischen Begleiterscheinungen des geschlechtlichen Verkehrs vereinigen und stärker potenziert zutage treten. Sie ist eine Nachahmung und bewusste Synthese dieser sa­distischen Begleiterscheinungen und in dieser Form bereits bei Tieren zu beobachten. Bei bestimmten Salamandern kann man eine typische mit dem Schwanze ausgeführte Flagellation vor dem Koitus beobachten. Der wollüstige Genuss bei der Fla­gellation ist ein verschiedener, je nachdem es sich um die aktive oder passive Flagellation handelt. Das Werk der letzteren besteht darin, dass heftige Reibungen und Schläge, besonders in der Genitalgegend, speziell auf das Gesäss, einen durch die schmerzhaften Sensationen eigentümlich gesteigerten wollüstigen Reiz hervorrufen. Die Massage und Friktion der Haut hat diese Wirkung, besonders nach warmen Bädern was seit alters im Orient bekannt ist und in den tür­kischen Bädern geübt wird. Speziell die Reibung des Gesässes ruft eine rein physische, reflektorische Er­regung des spinalen und sympathischen Ejakulationszentrums hervor, noch schneller bewirkt dies das Geisseln, schmerzhafte Empfindungen sollen dabei schliesslich in reine Wollustgefühle übergehen aller­dings muss die Phantasie da wohl sehr nachhelfen und das masochistische Element tritt bei dem die Geisselung Erduldenden entschieden in den Vordergrund.

Der verstärkte Blutfluss zu den Geschlechtsteilen trägt freilich auch zur Hervor­rufung und Verstärkung des Wollustgefühles bei, gleichzeitig wird durch ihn die Erektion des Gliedes herbeigeführt, daher die schon von Petronius an einer berühmten Stelle des „Satyrikon“ beschriebene sehr alte Benutzung der Flagellation zur Beseitigung von Impotenz. Für den aktiven Flagellanten ist die wollüstige Reizung wesentlich sadistischer Natur, der Anblick der unter der Flagellation zuckenden, sich rötenden oder gar blutenden Teile, das Schreien des Flagellierten, die ero­tische Wirkung der kallipygischen Reize spielen hier die Hauptrolle.

Die Neigung zur Flagellation, zur passiven und ak­tiven, lässt sich meist auf okkassionelle Veranlassungen zurückführen, so durch den zufälligen Anblick von Prü­gelszenen, während der Zuschauer gerade im Zustande sexueller Erregung sich befindet, durch die offizielle und rituelle Ausübung der Prügelstrafe in Schulen, Gefäng­nissen, Klöstern usw., durch das Prügeln und Schlagen bei Gesellschaftsspielen. Besonders gefährlich ist das Prügeln von Kindern, deren Geschlechtstrieb durch Schläge auf das Gesäss nur allzu häufig geweckt und dann mit dem Prügeln unbewusst in einen dauernden Kausalzusammenhang gebracht wird, woraus dann schliesslich eine sexuelle Perversion, eben die „Flagellomanie“ hervorgeht. Bekannt ist Rousseaus diesen Zu­sammenhang schildernde Erzählung aus den „Confessions“. Ich teile hier folgende Darstellung eines Patien­ten über die ähnliche Entstehung seiner Neigung zur Flagellation mit:

So ist bei mir leider seit frühester Jugend ein ähn­licher Flagellantismus, wie Sie ihn schildern, geweckt worden. Dieser wurde zuerst dadurch ausgebildet, dass meine Eltern den Dienstmädchen ein weitgehen­des Züchtigungsrecht einräumten. So erhielt ich noch in meinem 14. Jahre von diesen mit voller Einwilligung meines Vaters Schläge; und zwar wurden die­selben, da mein Vater jede andere Züchtigung als gesundheitsschädlich streng verboten hatte, stets auf das Gesäss verabfolgt und waren immer mit der Ent­blössung desselben verbunden. Ja, ich erinnere mich noch lebhaft, dass mich im oben genannten Alter ein Dienstmädchen, das kaum zwei Jahre älter war als ich, mit besonderem Eifer die Rute fühlen liess. Eben­sogut weiss ich aber auch, dass ich bereits in meinem neunten Jahre, als ich auf Sexta kam, infolge des aus­giebigen Gebrauchs, den gewöhnlich die Mädchen von ihrer Befugnis machten, mir nichts mehr aus den Schlägen machte, vielmehr schon von da ab, oft ab­sichtlich, eine Züchtigung durch die Dienstmädchen herbeiführte, was ja nicht schwer war. Und von mei­nem 14. Jahre ab gab ich dann persönlich den Mäd­chen die Erlaubnis, die Züchtigungen in obiger Weise ohne Wissen meiner Eltern fortzusetzen, und wurde stets durch eine solche geschlechtlich erregt. Eben eine solche Erregung hatte ich auch durch den blossen Anblick der Züchtigungen meiner etwas jüngeren beiden Schwestern, welche sogar bis in ihr 15. Jahr noch die Rute bekamen. Dies hatte nun bei meinen Schwestern die Folge, dass sie zwar nicht späterhin noch eine Fortsetzung dieser ihnen stets unangeneh­men Prozedur begehrten, dagegen immer gerne der Vornahme einer solchen bei mir zusahen. Ja, mein Lustgefühl wurde sogar durch ihre Gegenwart noch gesteigert. Auch bereitete es mir namentlich in spä­teren Jahren stets einen höheren Genuss, wenn das Dienstmädchen mir in Gegenwart von ihren Freundinnen Schläge gab, oder gar eine von diesen mich ihre Hand fühlen liess. Ich hatte nämlich am liebsten das Draufschlagen mit der blossen Hand, wenn ich mir auch mitunter grausame Züchtigungen mit dem Stock und der Hundepeitsche auf ihren besonderen Wunsch gefallen liess.

In einem zweiten Falle meiner Beobachtung, der einen 28jährigen Juristen betrifft, war der ursächliche Zusammenhang für das Auftreten der Flagellomanie ein etwas anderer, mehr indirekter.

Mit 11 oder 12 Jahren lag er einmal auf einer Hundehütte und masturbierte, wobei er sich die Füsse festband, um in der sexuellen Erregung nicht her­unterzurutschen. Seitdem hatte er stets das Bedürf­nis, sich fesseln zu lassen, was er durch Knabenspiele (Räuber und Gendarm) zu erlangen suchte, wobei er stets angenehme geschlechtliche Gefühle hatte, die durch onanistische Friktionen noch verstärkt wurden. Im Alter von 15 Jahren trat dann im Zusammen­hange hiermit das Bedürfnis nach Prügeln während der Fesselung ein. Der Patient hat zwar eine Ab­neigung gegen den normalen Koitus und gegen die weiblichen Genitalien, begehrt aber die Flagellation nur von einem Weibe. Ein zweimaliger Versuch zum normalen Geschlechtsverkehr misslang. Patient brachte auch einem Dienstmädchen die Neigung zur passiven und aktiven Flagellation bei, und diese war nach anfänglichem Widerstreben schon nach einem halben Jahre eine passionierte Flagellantin. — Der Patient ist sonst durchaus gesund, hat auch als Ein­jähriger bei der Kavallerie gedient.

Was die Entstehung des leider sehr verbreiteten „Er­zieher-Sadismus“ betrifft, wofür der allbekannte Fall des Lehrers Dippold ja ein so erschreckendes Beispiel lieferte, so kann der Lehrer oder Erzieher im Anfange seiner Tätigkeit noch durchaus frei von irgendwelchen flagellantistischen Neigungen sein. Diese stellen sich vielmehr erst im Laufe der gewohnheitsmässigen Aus­übung der körperlichen Züchtigungen ein, so dass diese allmählich dem Betreffenden einen sexuellen Genuss be­reiten. Solange sich diese Züchtigungen in normalen Grenzen halten und nur gelegentlich vorgenommen werden, handelt es sich um eine Neigung und Aber­ration der geschlechtlichen Befriedigung, die bei zahl­reichen gesunden Individuen vorkommt, auch wenn sie nicht Lehrer und Erzieher sind und meist im Bordell oder bei „Masseusen“ Gelegenheit zur Betätigung su­chen und finden. In den Fällen aber, wo eine syste­matische Flagellomanie sich ausbildet und der Betref­fende nicht mehr prügelt, sondern misshandelt und fol­tert und zwar gewohnheitsmässig und mit bestialischer Grausamkeit, wie im Falle Dippold, da dürfte es sich doch wohl stets um einen auf dem Boden einer krank­haften Veranlagung entwickelten Sadismus handeln. Derart scheinen die folgenden Fälle zu sein:

1.
Ein Fall, welcher an Dippold erinnert, kam vor der Strafkammer II in Hamburg zur Verhandlung. Angeklagt war ein den gebildeten Ständen angehöriger Mann, welcher Universitäten besucht hat, Re­serveoffizier geworden ist und noch mehrere andere Stellungen, zuletzt diejenige des Redakteurs eines Fachblattes, bekleidet hat, welches von einer Annoncenexpedition herausgegeben wird. Der An­geklagte wohnte in Berlin. Dort trat er in ein intimes Verhältnis zu einer Frau, die er veranlasste, ihm ihren Knaben zur Erziehung zu übergeben. Nachdem er im Juli nach Hamburg übergesiedelt war, veranlasste er Anfang Januar die Frau, ihren Knaben zum Zweck der Fortsetzung der Erziehung nach Hamburg zu senden. Hier gab er den Knaben in eine Pension, mietete aber, „um beim Unterricht nicht gestört zu werden“, noch ein besonderes Zimmer in der Nähe der Pension. Beim Mieten fragte er die Wirtin, ob auch Portieren und Vorhänge zum Verhängen der Fenster vorhanden seien. Gleich am ersten Tage des Besuchs des Zimmers bemerkte die Vermieterin, dass der Angeklagte den Knaben züchtigte, und da sie dies in ihrer Wohnung nicht dulden wollte, erstattete sie Anzeige bei der Polizei. Letztere fand aber keinen Grund zum Einschreiten. Nach einiger Zeit erfuhr die Frau bei Befragung des Knaben indessen merk­würdige Dinge, namentlich auch über die „Erzie­hungsmethode“, welche der Angeklagte in Berlin be­trieben hatte und erstattete sie abermals Anzeige, worauf der Angeklagte verhaftet wurde. Der Ange­klagte gab zu, den Knaben heftig mit dem Rohrstock gezüchtigt zu haben, doch sei dies nur aus erziehe­rischen Gründen geschehen, da der Knabe einen schlechten Charakter habe. Demgegenüber gaben so­wohl seine Berliner als die Hamburger Lehrer und die Inhaberin der Pension, in welcher der Knabe wohnte, demselben ein sehr gutes Zeugnis. Mit Rücksicht auf die Art und Weise der vorgenommenen Züchtigungen, welche in der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Verhandlung ein­gehend erörtert wurde, war es dem Gericht nicht zweifelhaft, dass der Angeklagte die Züchtigungen nicht im erzieherischen Interesse, sondern aus per­versen Neigungen vorgenommen hatte, und verur­teilte es ihn wegen Sittenvergehens zu einer Ge­fängnisstrafe von einem Jahre und zwei Jahren Ehr­verlust. Bemerkenswert ist, dass der Angeklagte in der letzten Zeit der Tat mit einer jungen Frau in glücklichster Ehe lebte.

2.
Dippolds Nachfolger. Folgende seltsame Ge­schichte: Ein hiesiger Möbelpolierer machte sich an Knaben, die er auf der Strasse sah, heran, gab ihnen irgendeinen Auftrag und richtete es so ein, dass sie schliesslich zu ihm auf sein Zimmer kommen mussten. Hier gab er sich dann für einen Kriminalbeamten aus, zeigte den Jungen eine Marke, die sie für einen Aus­weis hielten, und hielt ihnen eine scharfe Straf­predigt. „Zu seinem Bedauern“ teilte ihnen der Kri­minalbeamte schliesslich mit, dass er ihre Eltern we­gen der vielen Unarten und bösen Streiche der Jun­gen in eine Geldstrafe nehmen müsste, wenn die Übeltäter es nicht vorzögen, sich auf der Stelle kör­perlich züchtigen zu lassen. Der „Beamte“ hatte leichte Mühe, seine Opfer zur Entgegennahme der Züchtigung zu bewegen. Nachdem er sie dann über das Knie gelegt und mit einem Stock bearbeitet hatte, sah er nach, ob die Schläge auch etwa zu deutliche Spuren hinterlassen hätten, und schickte nun die Jungen mit einigen Ermahnungen nach Hause. Die Gezüchtigten hüteten sich zwar, ihren Eltern zu er­zählen, was mit ihnen vorgegangen war, aber es kam doch an den Tag, und der neue Dippold, der nach einem Verhör auf freiem Fusse belassen wurde, wird sich nun wegen der Misshandlungen und wegen An­massung eines Amtes zu verantworten haben. Bisher kommen zwei Fälle in Betracht, wahrscheinlich aber dürften es noch mehr sein. Der 25 Jahre alte junge Mann macht mit seiner kleinen und schmächtigen Gestalt und einem blonden Schnurrbärtchen den Ein­druck eines Achtzehnjährigen.

Häufig wird die Neigung zur Flagellation erst in den Bordellen künstlich gezüchtet. Hogarth hat mit Recht in seinem „Weg einer Buhlerin“ die Rute als notwendiges Requisit des Bordellinterieurs angebracht, und nur sel­ten fehlt dieses einfache Flagellationsinstrument in der Wohnung einer Prostituierten. Freilich hat es nur Eng­land, das klassische Land der Flagellomanie zu eigent­lichen „Flagellationsbordellen“ gebracht, z. B. in dem berüchtigten Institut der Theresa Berkley, der Erfinde­rin eines besonderen Apparates zum Auspeitschen der Männer, des sogenannten „Berkley-Pferdes“. Es scheint, dass in England besonders das weibliche Ge­schlecht Geschmack an der aktiven (und auch passiven) Flagellation findet, wie denn auch ein deutscher Autor dem Weibe eine grössere Neigung zur Flagellomanie indiziert. Diese Neigung wird durch gewisse männ­liche Flagellanten gefördert, die in der Flagellation von Weibern Befriedigung finden. Guenole berichtet sogar von geheimen Stätten in Paris, wo junge Frauen und kleine Mädchen sich zu einer Art „Schule“ versammeln, in der männliche Sadisten mit der Rute den „Unter­richt“ erteilen!

Im Zusammenhang mit der Flagellation steht die eigentümliche Neigung zum Fesseln, zum Wehrlos­machen der zu flagellierenden Individuen, wofür es so­gar besondere Apparate nach Art des im 18. Jahrhun­dert vom Herzog von Fronsac erfundenen „Fessel­stuhles “ gibt. Hierher gehört auch der Zwang, enge Schuhe und Handschuhe, und besonders enge Korsetts zu tragen, die sogenannte „Korsettdisziplin“, wobei die oder auch der Betreffende in ein ganz enges Korsett ein­gezwängt wird, was besonders in England mit der sexuellen Flagellation verbunden wird.

Ist die Flagellomanie nur in relativ seltenen Fällen ein die Zurechnungsfähigkeit gänzlich ausschliessender krankhafter Zustand, so ist letzterer in der Mehrzahl der Fälle bei den Formen von Sadismus vorhanden, die wir nunmehr besprechen. Dazu gehören:

1. Sadistische Körperverletzungen und Lustmorde.

Haupttypen dieser Kategorie sind die „Mädchen­stecher“ und Lustmörder, die nur zum Zwecke der sexuellen Erregung bzw. bereits unter dem Einfluss der­selben, Frauen mehr oder minder schwere Verletzungen mit dem Messer oder anderen Mordinstrumenten bei­bringen. Die Absicht der Tötung besteht dabei wohl nur in den seltensten Fällen. Der „Lustmord“ ist meist nur ein Mord im Anschluss an einen mit Gewalt er­zwungenen Geschlechtsakt (aus Furcht vor Entdeckung usw.), der mit diesem letzteren selbst nichts zu tun hat, oder erscheint auch nur als Lustmord, wenn der Tod ge­gen die Absicht des Attentäters infolge einer sadistischen Körperverletzung eingetreten ist. Die Tötung aus rein geschlechtlichen Motiven, als Akzessorium oder Surrogat des Geschlechtsaktes ist ein sehr seltenes Vorkommnis, wie die Fälle des Andreas Bickel, des Menesclou, Alton, Gruyo, Verzeni, „Jack the Ripper“, des Frauenmörders von Whitechapel. Viele „Mordepide­mien“ (manie homicide), wie sie in Schweden im An­schluss an die vielfachen Morde des unbegreiflicher­weise dafür hingerichteten, zweifellos geisteskranken Nordlund auftraten, hängen gewiss mit sexuellen Din­gen zusammen. Die beiden folgenden Fälle aus Deutsch­land betreffen typische „Mädchenstecher“.

Nach Art des Whitechapler Frauenmörders machte ein unheimlicher Verbrecher seit Wochen den in der Richtung nach dem Vororte Mundenheim gelegenen Stadtteil unsicher. Nicht weniger als elf Mädchen wurden nach Eintritt der Dunkelheit durch Stiche in den Unterleib mehr oder weniger schwer verletzt. Heute nacht gelang es der Polizei, den Täter festzu­nehmen. Es ist der 28jährige Viehtreiber Wilhelm Damian. Er war schon vor fünf Jahren unter dem Verdacht, an einem Dienstmädchen einen Lustmord verübt zu haben, in Untersuchungshaft genommen, aber mangels genügender Beweismittel wieder frei­gelassen worden. Jetzt wird auch der Verdacht rege, dass Damian ausserdem einen vor zwei Jahren bei Mundenheim an einem siebenjährigen Mädchen be­gangenen Lustmord auf dem Gewissen habe, da die näheren Umstände die Täterschaft eines Schlächters voraussetzen, was bei ihm zutrifft.

Es ist noch immer nicht gelungen, des Messerhelden habhaft zu werden, der bereits seit acht Tagen sein Wesen in den verschiedensten Stadtteilen treibt. Wenn er anfangs sich ausschliesslich auf die nörd­lichen Quartiere beschränkt und dort nur Frauen und Mädchen verwundet hatte, so ist er in den letzten Ta­gen nicht nur im Mittelpunkt, sondern auch ganz im Süden der Stadt aufgetaucht, wo vorgestern abend noch ein Mädchen durch zwei Stiche am Hals und in der Hüfte verwundet worden ist. Inzwischen ist auch ein Mann, wie es scheint von demselben Täter, an­gestochen, aber nicht verletzt worden. Und dies hat sich ereignet in einer der belebtesten Strassen der Stadt, so dass das Entkommen des Täters geradezu rätselhaft ist.

Auch andere eigenartige sadistische Verletzungen kommen vor. So wurde von der Breslauer Strafkammer ein 22jähriger Buchdrucker verurteilt, weil er in dreizehn Fällen junge Damen mit Schwefelsäure begossen hatte! Auch hier hat es sich wahrscheinlich um sadistische Nei­gungen gehandelt. Ob ein Ende Oktober in Berlin beob­achteter Fall, in dem ein junges Mädchen einem anderen Mädchen vom Zahnarzt (!) zwei Zähne ohne Grund ausziehen liess (nach vorheriger Betäubung), sadistischer Natur ist, ist noch nicht festgestellt. Dagegen handelt es sich um zweifellosen Sadismus in jenen Fällen, wo Männer oder Frauen dem Liebespartner kleinere Ver­letzungen beibringen, um dann das Blut zu sehen bzw. auszusaugen, wobei sie sexuelle Befriedigung haben („sexueller Vampyrismus“). Auch manche Giftmorde, die mit Vorliebe von Frauen begangen werden, ent­springen sadistischen Neigungen. Wenigstens waren die meisten professionellen Giftmischerinnen, wie die Jegado, Brinvilliers, die Ursinus, die berüchtigte Bremer Giftmischerin Gottfried u. a. geschlechtlich sehr stark erregbare bzw. ausschweifende Frauen, so dass hier wohl Wollust und Mordlust in einem ursächlichen Zu­sammenhang stehen.

2. Beeinträchtigung und Schädigung fremden Eigen­tums aus sadistischen Motiven.

Hierzu gehören alle sadistischen Beschädigungen nicht der Person selbst, sondern des ihr gehörigen Eigentums, z. B. das Be­giessen der Kleidung mit Vitriol, wofür der folgende Fall ein Beispiel ist.

Mit Vitriol macht ein unbekannter Mann den Süd­osten Berlins unsicher. Der gefährliche Bursche hat es hauptsächlich auf helle Damenkleidung abgesehen. Gestern abend vernichtete er einer jungen Dame, welche die Hermannstrasse passierte, ihr helles neues Kleid fast vollständig. Der Täter, der sich an­scheinend nur ein Vergnügen macht, die Bekleidung von Damen zu beschädigen, ist von mittlerer Figur, etwa 35 Jahre alt, hat blondes Haar und trägt einen modefarbenen Überzieher.

Ferner gehört hierher die Brandstiftung aus sexuellen Motiven, die man früher aus einer Art von „Feuergier“ ableitete, die aber wohl, wenn sexuelle Motive mit­spielen, rein sadistischer Natur ist. Ebenso ist die sexuelle Kleptomanie, der Diebstahl aus sexuellen Mo­tiven zu beurteilen. Schon Lichtenberg kannte ihn, da er sagt, dass „der Geschlechtstrieb so häufig zu Die­bereien verleitet“, und dem in England gemachten Vor­schlag, die Diebe zu — kastrieren, Beifall zollt. Die organische Bedingtheit der heute besonders in den gro­ssen Warenhäusern beobachteten Kleptomanie ist sehr häufig eine sexuelle (Pubertät, Klimakterium, Men­struationsanomalien usw.). Fälle solcher Art haben Worbe, Gönner, Schmidtlein, Unzer, Häussler, Lombroso und Verrero mitgeteilt. Jedenfalls ist der Verdacht einer sexuell-sadistischen Grundlage der Kleptomanie stets gerechtfertigt, wenn reiche Damen wiederholt ganz unbrauchbare und geringwertige Gegenstände entwenden.

Ausser diesen beiden Kategorien von Sadismus, die zum grossen Teil auf krankhaften Zuständen beruhen, gibt es nun noch symbolische Formen des Sadismus, wo dieser mehr in der Vorstellung als in der Wirklichkeit sich betätigte und in allen möglichen Phantasien der Schmerzzufügung und Demütigung schwelgt. Dieser abgeschwächte Sadismus steht wieder in einem gewis­sen Zusammenhange mit dem physiologischen Sadis­mus. So ist der sogenannte „Wortsadismus“ weiter nichts als eine Steigerung und drastische Betonung der physiologischen Wollustlaute und Schreie in coitu, de­ren Wirkung im Wortsadismus durch die Akzentuierung des Tierischen, Brutalen, Rohen und Obszönen erhöht wird und stärkeren sexuellen Reiz hat. Der Wort­sadismus ist nicht etwa ein besonders ausgeklügeltes Raffinement moderner Wüstlinge, sondern eine folklo­ristische und ethnologische Erscheinung, eine ausser­ordentlich verbreitete Ausdrucksform der primitiven sadistischen Instinkte des Genus Homo. In der Volks­sprache aller Länder verbinden sich das Schimpfwort und der Fluch überaus häufig mit geschlechtlichen Dingen bzw. werden geschlechtlich nuanciert. Die Naivität dieser tausendfach variierten geschlechtlichen Zynismen und Flüche bezeugt ihren Ursprung aus rein instink­tiven Quellen der Volksseele, wie das schon die Ge­brüder Grimm erkannt haben, die dem obszönen Wort­schatz des deutschen Volkes in ihrem berühmten Wör­terbuch sorgfältige kritische Untersuchungen gewidmet haben. Reiches Material für das Studium der Quellen des Wortsadismus bieten die Vocabularia erotica von Hesychios bis auf die Neuzeit, ebenso die lokalen und provinziellen Rätsel- und Sprichwörtersammlungen. Ein typisch ausgebildeter Wortsadismus findet sich bei den Indern, besonders den Frauen, mit Recht leitet ihn der indische Erotiker Vütsyäyana aus den verschiedenen Lauten ab, die auch im normalen Beischlaf ausgestossen werden. In europäischen Bordellen sind die Wort­sadisten und Wortmasochisten wohlbekannte Erschei­nungen, Männer, die durch das Aussprechen möglichst roher, gemeiner, obszöner Worte, Flüche und Be­schimpfungen, sei es, dass sie selbst dies tun (Wort­sadismus) oder anhören (Wortmasochisten) einen ge­schlechtlichen Genuss finden. In einem erotischen Ro­man heisst es: „Denn wir müssen uns mit Worten sa­gen — das! Seufzer sind Lügen! Stöhnen ist nichts — Worte sind alles!“
Zu diesen Wortsadisten gehören auch die von A. Eulenburg (Sexuale Neuropathie, S. 104) als „verbale Exhibitionisten“ geschilderten In­dividuen, die sich gern vor anderen in lasziven Gesprä­chen ergehen bzw. Frauen schmutzige Worte ins Ohr flüstern. Viele Männer suchen bei Dirnen nicht Ge­schlechtsverkehr, sondern nur die Gelegenheit zu sol eher mehr als freien Unterhaltung. Der folgende noch durch bisexuelle bzw. masochistische Züge komplizierte Fall ist hierfür charakteristisch.

Ein Grosskaufmann in mittleren Jahren stattet von Zeit zu Zeit einer Kokette einen Besuch ab, zieht sich dann die Samtkleider des Mädchens an, während sie Herrenkleidung anlegen muss. Dann gehen sie Arm in Arm in dunkeln, wenig belebten Strassen spazieren und führen eine äusserst obszöne, zynische Unterhal­tung. Dies allein genügt ihm zur sexuellen Befriedi­gung. Während der ganzen Zeit rührt er das Mädchen nicht an.

Übrigens können diese sexuellen Zynismen und Be­schimpfungen auch brieflich mitgeteilt werden. Dann hätten wir eine Art von „Schriftsadismus“ und „Schriftmasochismus“. Besonders der erstere wird in den Krei­sen der „Masseusen“ und „strengen Erzieherinnen“ gegenüber ihrer masochistischen Klientel oft angewen­det, während die Antworten der zweiten Gattung an­gehören.

Eine merkwürdige symbolische Form von Sadismus bzw. Masochismus stellt das Einölen und Einseifen zum Zwecke der geschlechtlichen Befriedigung dar. Beson­ders das Einseifen ist eine in der Bordellpraxis sehr be­kannte Erscheinung. Entweder findet der betreffende Mann im Einseifen der Dirne einen sexuellen Genuss oder er lässt sich selbst von ihr zum Zwecke geschlecht­licher Erregung einseifen. Als ich vor einiger Zeit in einem Zivilprozess, wo ein Mann der ersteren Hand­lung beschuldigt wurde, auf analoge Vorkommnisse in Bordellen bzw. bei Prostituierten hinwies, bestritt ein anderer Arzt dieses „Einseifen“ zum Zwecke geschlecht­licher Erregung als ihm „unbekannt“. Es ist aber eine sehr bekannte Erscheinung, deren Existenz mir auch von Berliner und namentlich Hamburger Kollegen bestätigt wurde. Nach ihrer ganzen Art ist sie sadistischer bzw. masochistischer Natur. Ob dabei eine „Besudelung“ vorkommt, wie in jenem von Krafft-Ebing berichteten Falle, wo ein Mann seine Geliebte mit Kohle schwärzt, ist dabei gleichgültig. Der larvierte Sadismus steckt in dem Akte der Manipulation des Einölens bzw. Einseifens selbst.

Als eine letzte Form des symbolischen Sadismus kann die Gotteslästerung aus sexuellen Motiven betrachtet werden, der sogenannte „Satanismus“, der besonders im Mittelalter eine grosse Rolle spielte und in der „Satansmesse“ einen eigenen Kult fand, wo die religiöse Messe durch geschlechtliche Handlungen profaniert und aufs äusserste beschimpft wurde. Nach Schwäble sollen diese obszönen Messen wieder an zwei Orten in Paris gefeiert werden. Er schildert ausführlich eine solche Satansmesse in einem Hause der Rue de Vaugirard.

Die passive Algolagnie, der Masochismus, die Sucht, Schmerzen und Demütigungen und Erniedrigungen aller Art zum Zwecke der geschlechtlichen Erregung zu er­dulden, ist heute vielleicht noch mehr verbreitet als sein Widerspiel, der Sadismus. Die im Konventionalismus der Zeit liegende Ursache habe ich schon öfter hervor­gehoben. Hierfür spricht auch die merkwürdige Tat­sache, dass gerade Juristen, hohe Staatsbeamten und Richter ein unverhältnismässig grosses Kontingent zur masochistischen Klientel stellen, also Leute, denen in ihrer Lebensstellung eine gewisse Machtbefugnis eingeräumt ist, denen der Beruf eine strenge Amtsmiene aufzwingt. Gerade diese empfinden vielleicht die Betätigung masochistischer Neigungen als eine Art Befreiung vom konventionellen Druck und der Maske des Berufs. Der Zusammenhang zwischen Liebe, Wollust und Schmerzerduldung ist bereits beleuchtet worden. Beim Masochismus kommt noch das wichtige Moment der Demütigung, der völligen Hingebung mit Leib und Seele, der Opferung hinzu. Sehr schön schildert die Vereinigung dieser Empfindungen und ihre wollüstige Be­tonung Alfred de Musset:

„Meine Leidenschaft für meine Geliebte war ge­radezu unbändig gewesen, und mein ganzes Leben hatte davon etwas Mönchisch-Wildes bekommen. Ich will nur ein Beispiel dafür anführen: Sie hatte mir ihr Miniaturbildnis in einem Medaillon gegeben; ich trug es auf dem Herzen — das tun viele Männer. Aber als ich eines Tages bei einem Trödler eine eiserne Geissel fand, an deren Ende ein mit Stacheln besetztes Plättchen angebracht war, da liess ich das Medaillon an dem Plättchen befestigen und trug es so. Die Stacheln, die bei jeder Bewegung mir in die Brust ein­drangen, verursachten mir eine so eigentümliche Wonne, dass ich zuweilen meine Hand darauf presste, um sie tiefer eindringen zu fühlen. Ich weiss wohl, so etwas ist Torheit; aber die Liebe macht noch ganz andere Torheiten“…

Der physische Schmerz spielt beim Masochismus eine grosse Rolle. Die „Herrinnen“ verfügen über ein reich­haltiges Instrumentarium zur Hervorrufung desselben, denn die Masochisten haben oft die seltsamsten Gelüste bezüglich der Art und Methodik der Schmerzzufügung. Einzig dastehend in ihrer Art sind wohl die beiden fol­genden authentischen Fälle, die mir vom Kollegen Dr. D. in Hamburg freundlichst mitgeteilt wurden:

1. Ein reicher Hamburger Kaufmann, der unter dem Namen „Nagelwilhelm“ bei den Prostituierten be­kannt ist, verkehrte sexuell nur mit einigen Prosti­tuierten, die sich die Nägel ganz spitz wachsen liessen. Sie mussten ihn dann an der Raphe scroti und am Membrum so lange kratzen, bis das Blut in Strömen herablief. Eines Tages erschien er beim Arzt mit einem furchtbaren Oedema scroti et penis.

2. Ein anderer Mann liess sich mit dicken, sogenann­ten Packnadeln den Hodensack auf dem Polster des Sofas annähen, verharrte eine Zeitlang in dieser „fes­selnden“ Situation, worauf der Knoten wieder ge­löst wurde.

Alle möglichen schneidenden und stechenden Instru­mente und brennenden Gegenstände dienen zur Befrie­digung der Schmerzlüsternheit der Masochisten. Diese lassen sich kratzen, beissen, zwicken, brennen, Haare ausreissen, mit Füssen treten, mit Ruten oder Ochsen­ziemern peitschen und auf alle mögliche Weise in be­sonderen „Folterkammern“ und „Hinrichtungszimmern“ „peinlich befragen“. Eine solche veritable Folter­kammer bei einer Hamburger Prostituierten hat Staats­anwalt Dr. Ertel beschrieben. Das in der Wohnung der betreffenden Dirne aufgenommene Protokoll des Unter­suchungsrichters hierüber lautet:

„Seitwärts hinter dem Badezimmer ist die Eingangstür zu dem sogenannten schwarzen Zimmer.
Die sämtlichen Wände dieses einfenstrigen Zim­mers waren mit einem völlig schwarzen kalikoartigen Stoff überzogen, ebenso die Gipsdecke, von deren Mitte aus einer schwarzen Rosette ein Flaschenzug hing, bestehend aus den üblichen Rollen und Schei­ben, in diesem Falle von Metall, und einer starken, gedrehten Schnur.In der dunklen Ecke zwischen dem Fenster und der Wand stand ein eigentümliches, aus grob gehobelten Bohlen zusammengeschlagenes Gerüst, bestehend aus zwei nebeneinander gestellten gleichen Teilen. Mit der Rückseite war dies Gerüst an die neben dem Fenster befindliche Wand gelehnt.
Der Zweck dieses Gerüstes war nicht ohne weiteres erkennbar. Von der Seite aus gesehen war die Gestalt dieses Holzgestelles etwa diejenige eines Gerüstes eines schweren, unbeholfen gearbeiteten Lehnsessels. Der obere Teil der Lehne befand sich etwa in Schul­terhöhe. An dem Gerüst am oberen Rand befanden sich fünf ziemlich starke eiserne Ringe eingeschroben. Das Gerüst hat Rollen unter den Fussbrettern und lässt sich fortschieben.
An der Wand hing an einem Nagel ein mit Schnal­len versehener Ledergurt, an welchem ein grosser Prügelhaken war, ferner ein fast fingerdickes, am Ende in eine Schlinge auslaufendes Tau; weiter zwei Hundehalsbänder, ein Teil des Stockdegens — Griff mit kantiger, spitzer Stahlklinge —, dem Anschein nach aus einem hierzu eingerichteten Damensonnen­schirm oder Spazierstock stammend, wie an dem Griff zu erkennen war, ein etwa 50 cm langes Bambus­stäbchen, zwei Lederriemen, mehrere längere Schnüre und Taue und ein Paar schwere eiserne Handfesseln mit Schrauben und Schlüssel zum Fesseln sowie eine Laterna magica.
Das von der Wand des schwarzen Zimmers nach dem Badezimmer führende Milchglasfenster war durch besondere Vorhänge verhüllt. Die innere Seite der Zimmertür war gleichfalls schwarz überzogen.

Bezüglich dieses schwarzen Zimmers hat die A. an­gegeben:
Z. verlangte, dass ein Zimmer als „Zimmer des Ge­richts“ ganz schwarz drapiert würde. Er schickte mir Flaschenzüge aus Köln, an denen er in die Höhe ge­zogen und aufgehängt werden wollte. Das regte ihn auf, er wurde ganz blau aussehend und „wurde dabei fertig“. Ich habe dabei Angst gehabt, dass er sterben könnte, und es nur einmal geschehen lassen.

Auf dem Gestell im schwarzen Zimmer wurde Z. festgeschnallt und festgebunden, wobei er die Illusion zu haben glaubte, dass er auf dem Schafott sei.“

Eine ausgebreitete masochistische Prostitution in allen Grossstädten dient den Gelüsten der männlichen und nicht selten auch weiblichen Masochisten. Diese Prieste­rinnen der Venus flagellatrix verbergen sich gewöhnlich hinter der Deckfirma einer „Masseuse“, einer „Erziehe­rin“ oder „Gouvernante“ mit dem vielsagenden Bei­wort „streng“ oder „energisch“, auch „VJanda“ ist ein beliebter Deckname, dem der masochistische Spitzname „Severin“ (nach den Hauptpersonen in Sacher-Masochs „Venus im Pelz“) entspricht. Diese Weiber, die „Herrinnen“, behandeln nun ihre masochistische Klientel vollkommen als „Sklaven“ oder „Hunde“ und erhalten diese Fiktion nicht bloss bei sich, sondern auch in den Korrespondenzen — die Masochisten sind alle leidenschaftliche Korrespondenten — auf­recht. Auch das Verhältnis der „Dame“ zu ihrem „Sklaven“ ist sehr beliebt (sogenannter „Pagismus“). Die Art des Verhältnisses macht der folgende Originalbrief eines solchen Masochisten klar:

Gnädigste Dame! Vorerst bitte ich gehorsamst um Verzeihung, dass ich es wage, an Sie, hochverehrte Dame, zu schreiben. Ich sah letzthin eine Dame von herrlicher Figur und mit üppigen Hüften in Ihr Haus gehen und vermute, dass Sie diese Dame waren. Wenn Sie gnädigste Dame einen Diener und Sklaven wollen, der allen Ihren Befehlen blind gehorcht und Ihnen auf Kommando als willenloser Sklave die niedrigsten und schmutzigsten Dienste leistet, so wäre ich glück­lich, wenn Sie die Gnade hätten, mich dazu zu machen, und ich Sie von Zeit zu Zeit besuchen dürfte, um Ihnen, meiner strengen Herrin und Gebieterin, zu dienen. Wenn ich Ihnen einmal nicht gehorchen sollte, so können Sie mich aufs grausamste misshandeln und züchtigen.

Wollen Sie, gnädigste Dame, sich herablassen, mir, Ihrem niedrigsten Diener, zu antworten und sich bei­liegenden Kuverts zu bedienen, ob Sie des Abends Spazierengehen und wie und wo, in welchem Cafe vielleicht Sie den Abend verbringen und ob Sie meine strenge Herrin sein wollen und ich Ihr Sklave sein darf. Vielleicht könnten Sie, hochverehrte Dame, Freitag abend 8 Uhr an der Normaluhr am Oranienburger Tor sein, mit einer Rose in der Hand. Voll Unterwür­figkeit und Demut Ihrer strengen Befehle harrend und Ihnen die angebeteten Füsse und Hände sklavisch küssend, Ihr gehorsamster Diener und willenloser, niedrigster Knecht.

Solch ein Sklave schwelgt nun geradezu mit Wollust in den niedrigsten Dienstleistungen, in den ekelhaf­testen Erniedrigungen, die durch die Namen „Kopro“-und „Urolagnie“ zur Genüge angedeutet werden. Mir liegen eine Reihe von diese Dinge mit allen Einzel­heiten schildernden Briefen von Masochisten vor, sogar in poetischer Form (!), die sich wegen ihres scheusslichen Inhaltes nicht wiedergeben lassen. Eine genügende Vor­stellung von diesem „Sklaventum“ des Masochisten gibt der erwähnte Bericht des Staatsanwalts Dr. Ertel, in dem die „Herrin“ u. a. erzählt:

„Wenn ich meine Mahlzeiten einnahm, lag er ent­weder unter meinem Tisch oder in einer Ecke im Zim­mer, ich warf ihm Knochen zu und setzte ihm auch den Rest meiner Speisen vor. Er bellte manchmal wie ein Hund, hatte auch meistens ein Hundehalsband um mit einer Kette daran. Er hatte sich den Namen Nero gegeben, so nannte ich ihn. Wenn jemand ohne Erlaubnis zu mir kommen wollte, so biss er ihn in die Beine, das war die Vorstufe zum Sklaven. Er scheuerte bei mir die Zimmer auf, schälte Kartoffeln, machte einen Braten sowie sonstige Hausarbeiten. Er wollte auch mein Pferd sein, ich sollte auf ihm reiten, er trug mich so aus einem Zimmer ins andere. Wenn er sich gegen etwas sträubte, sollte ich die Peitsche anwenden. Er erzählte mir, er hätte früher mit einem Damen­komiker erst korrespondiert, dann verkehrt, er ist ihn aber bald über geworden und verschwand dann auf längere Zeit, um ihn loszuwerden, und der kam in­zwischen nach auswärts. Er sagte mir auch, er verab­redet sich mit den Frauenzimmern im Schaarhof (eine Strasse in Hamburg, in der die von den untersten Schichten der Bevölkerung aufgesuchten Dirnen zu wohnen pflegen), diese haben gerade am Sonnabend viel Verkehr, wenn die Arbeiter Geld bekommen haben, die Frauenzimmer annoncieren dann „Spitz­bart komme, alles bereit“. Er lässt sich auch Briefe senden unter der Chiffre „J. R. 18, Hauptpostl., Stephanplatz“.

Manchmal musste ich ihn in einen Kleiderschrank einsperren, dabei eine Kette am Hals und so kurz, dass er sich nicht rühren konnte, die Schranktür dabei geschlossen.

In meiner Wohnung musste ich ihm Sklavenklei­dung geben zum Tragen, damit er sich ganz als Sklave fühlte. Ich hatte ihm sein ganzes Geld abgenommen, seine sämtlichen Schlüssel von seiner Wohnung, Kon­tor, und vom Geldschrank und liess ihn nach einer Nacht und zwei Tagen wieder gehen. Z. tut das nur zeitweilig, dass er aus sich herausgeht, er ist manchmal sehr vernünftig. Es verkehrt kein anständiger Mensch mit ihm, sein Umgang, wobei er sich am wohlsten fühlt, sind Huren und sonst obskures Gesindel, das hat mir Z. selbst gesagt. Selbst die Leute, die ihn brau­chen, gehen ihm auf der Strasse aus dem Wege.

Er wollte noch das Frisieren und Schminken erlernen, wenn ich ihm den Befehl gäbe; geschminkte Ge­sichter reizen ihn.

Einmal sagte er mir, ich möchte doch noch einen Sklaven besorgen; dieses tat ich, ich habe vorher den Z. fesseln müssen an Händen und Füssen, den Kopf habe ich in Watte verhüllen müssen, um dem neuen Sklaven vorzureden, er sei so misshandelt worden und nun ins Lazarett gebracht (Mädchenzimmer); als spä­ter der eine Sklave kam, habe ich ihm alles so erklärt, wie mir Z. sagte, und führte ihn zu Z. hinein; der wunderte sich über den gefesselten Kerl, erschrak und ging bald nach Hause“.

Es wäre ganz falsch, wenn man annehmen würde, dass es sich bei diesen ihre Menschenwürde aufs tiefste er­niedrigenden, sich ihrer Mannheit vollkommen ent­äussernden, bis unter das Tier sinkenden masochistischen „Sklaven“ stets um effeminierte, degenerierte Schwächlinge handle. Nein, viel häufiger sind es ge­sunde, kraftstrotzende Männer, von imponierendem Aussehen und vornehmer Haltung, die sich in solchen traurigen Rollen gefallen und offenbare geschlechtliche Befriedigung durch diese gänzliche Umkehrung ihres Wesens finden. Der eben geschilderte Sklave war „von Natur gross und stattlich. Ein grosser Vollbart umrahmt seine sympathischen und energischen Gesichtszüge. Sein Auge ist klar und scharfblickend. In Handeln und Aus­sehen eine durchaus männliche Erscheinung!“ In Berlin gibt es Masochisten in höchsten Staatsstellungen, nach Erscheinung und Beruf echte Herrennaturen, Übermen­schen, die nur bei ihrer „Herrin“ zu Sklaven werden. Nach Sacher-Masoch sollen besonders Deutsche und Russen zum Masochismus neigen, doch ist er in Frank­reich und England ebenfalls sehr verbreitet. Zola schil­dert in „Nana“ einen solchen Typus.

Nicht immer ist der Sklaventypus voll ausgeprägt, meist äussert sich der Masochismus in einer leichteren Form, es gibt da die verschiedenartigsten Nuancen, bis­weilen tritt sogar nur die rein seelische Beeinträchtigung und Demütigung hervor, in scheinbar läppischen Proze­duren und Praktiken (symbolischer Masochismus). Einige authentische Fälle mögen das illustrieren. Sie klingen zwar unglaublich, sind aber wahr.

1.
Ein mit einer ebenso schönen Frau verheirateter schöner und stattlicher Offizier unterhielt einen stän­digen Verkehr mit einer — alten, robusten Wasch­frau, mit der er sich auch sexuell betätigte. Da er von diesem Weibe nicht lassen wollte, liess seine Frau sich von ihm scheiden.

2.
Ein 5ojähriger höherer Staatsbeamter besucht ab und zu eine Prostituierte, zieht deren Kleider an, mit Korsett und Strümpfen, während sie Herrenkleider anlegt. Dann spielen sie zwei Stunden Karten. Um 11 Uhr legt er sich angezogen in ihr Bett, während sie nackt auf dem Kanapee liegen muss. Weiter geschieht ihr nichts. Er macht nicht den geringsten Versuch, sie zu berühren, und geht nach einiger Zeit fort, nachdem er ihr 50 Mark gezahlt hat.

3.
Ein verstorbener aktiver Staatsminister (!) besuchte ebenfalls öfter eine Kokotte, die sich auf ihn setzen musste, und dann in corpus totum uriniert. Das genügte vollständig, um ihn geschlechtlich zu befriedigen (Urolagnie).

4.
Ein Techniker trifft eine (vorher bereits instru­ierte) Prostituierte auf der Strasse und fragt sie, ob er für 20 Mark mitkommen dürfe. In der Wohnung der Dirne angelangt, erklärt er plötzlich weinerlich, er habe nur 5 Mark bei sich. Die Dirne überschüttet ihn mit Schimpfworten, nimmt ihm erst die 5 Mark ab und durchsucht dann sorgfältig seine Kleidung, bis sie dann irgendwo eingenäht einen — Hundertmark­schein findet! Der Moment dieser Entdeckung ist zugleich derjenige des sexuellen Orgasmus des Mannes. Auf sein Flehen und Winseln, ihm doch wenigstens die Hälfte zurückzugeben, bekommt er nur höhnische Antworten und neue Schelte. Schliesslich drückt sie ihm — eine Mark in die Hand und verabschiedet ihn. Dieser Vorgang wiederholt sich regelmässig alle vier­zehn Tage, ein teurer Spass für den durchaus nicht besonders finanzkräftigen Mann. Er kann aber von dieser absonderlichen Leidenschaft, die für ihn die einzige Art der geschlechtlichen Befriedigung ist, nicht lassen.

Der Masochismus ist bei Männern entschieden häufiger als bei Frauen, da letztere mehr Herrinnen über ihren Geschlechtstrieb sind und sich von diesem nicht so leicht unterjochen und versklaven lassen wie die Män­ner. Der physiologische Masochismus des Weibes ist mehr seelischer Natur. Doch kann auch bei geschlechtlich sehr erregbaren Weibern eine ähnliche „Geschlechtshörigkeit“ wie bei Männern vorkommen. Schon Shake­speare hat der Helena im „Sommernachtstraum“, die sich als „Hündchen“ des Demetrius fühlt, deutliche masochistische Züge verliehen.

Masochistisch angehaucht sind auch die in Bordellen oder auf der Strasse sich prostituierenden vornehmen Weiber, wie solche d’Estoc in „Paris-Eros“ schildert, als deren Prototyp die berüchtigte Messalina gelten kann, ferner die vornehmen Damen, die mit Männern aus niedrigen Ständen, mit Arbeitern, Kutschern usw., dauernde geschlechtliche Beziehungen unterhalten, ja beim Strassengesindel geschlechtliche Genüsse suchen, wofür Lombroso Beispiele gesammelt hat. Dass es auch eine passive Algolagnie bei Frauen gibt, beweist der folgende Brief einer typischen Masochistin:

Sehr geehrte Frau!
Ich erlaube mir die höfliche An­frage, ob Sie mich in meiner Wohnung am Kurfür­stendamm einmal wöchentlich nach Ihrer Sprech­stunde abends besuchen wollen. Ich habe den eigentümlichen Wunsch, von Zeit zu Zeit in allerstrengster und in energischster Weise auf das allerschärfste bis aufs Blut gezüchtigt zu werden. Ich bin 28 Jahre alt, verwitwet, habe eine grosse, sehr üppige Figur. Für die Züchtigung erhalten Sie 50 Mark. Soll­ten Sie auf meinen Wunsch eingehen wollen, so bitte ich Sie, mir genau zu beschreiben, wie Sie dieselbe auszuführen gedenken. Auf welchen Körperteil soll sich dieselbe erstrecken, wie soll derselbe evtl. beklei­det sein, welches Züchtigungsinstrument wollen Sie anwenden? In welcher Lage soll ich mich bei der Züch­tigung befinden. Wieviel Hiebe werden Sie das erste­mal erteilen?Meine Wollust steigert sich nach dem sechsten Rutenhieb dermassen, dass mein Körper vor Sinnlich­keit zittert. Neigen Sie auch zur Sinnlichkeit und vollführen Sie die Prügelstrafe auch aus reiner Wollust?
Ihrer w. Antwort sehe ich entgegen unter Postamt, 50, A. v. S.

Ob hier eine homosexuelle Nuance mit hineinspielt, lässt sich nicht entscheiden. In meinen „Beiträgen zur Aetiologie der Psychopathia sexualis“ (Bd. II, S. 183) habe ich den Brief einer anderen sicher heterosexuel­len Masochistin an einen „energischen“ Mann mit­geteilt…

1 comment to Iwan Bloch: Sadismus, Masochismus und die Verschiedenheit der männ­lichen und weiblichen Natur

  • Tania

    Körperliche Bestrafung kann sehr kathartisch sein – und zwar für beide Parteien.

    Männer reissen sich geradezu darum, aus Hingabe an ihre Liebste oder im Dienst einer wichtigen Sache Schmerzen auszuhalten.
    Körperlichen Schmerz zu einem solchen Zweck zu ertragen, kann ein machtvolles Symbol von Männlichkeit sein. Umso mehr, wenn dieser Schmerz auf Verlangen der Liebsten ertragen wird.

    Die Frage lautet: Was hat die Frau davon, wenn Sie Ihren Ehemann bestraft? Viel!
    Die Ergebnisse sind frappierend, wie sich die spürbare Autorität durch Strafen auch auf den Alltag auswirkt. Dennoch ist es gewiss kein Regime oder eine Schreckensherrschaft, wenn dann und wann der Hintern glüht. Es liegt genau genommen an ihm.

    Wenn von Strafe die Rede ist, wird der Mann in der Regel also eine körperliche Züchtigung aus der Hand der Ehefrau erfahren. Er bekommt von ihr wie ein Schuljunge per Hand den Hintern versohlt (übers Knie gelegt) oder er lernt ihre gewählten Instrumente kosten, wenn er ihre Unzufriedenheit arg verschuldet hat – auch ohne Verschulden, damit er begreift, was ihn erwartet, wenn er ungeschickt, ungehorsam oder widerspenstig ist. Als (kleinere/schwächere) Frau kann man sich dadurch seiner Autorität sicher sein und nahezu jederzeit erwarten, dass der Gemahl spurt.