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Pionier der Sexualforschung: Iwan Bloch

Eine rein medizinische Auffassung des Geschlechtslebens, obgleich sie immer den Kern der Sexualwissenschaft bilden wird, reicht nicht aus, um den vielseitigen Beziehungen des Sexuellen zu allen Gebieten des menschlichen Lebens gerecht zu werden. Um die ganze Bedeutung der Liebe für das individuelle und soziale Leben und für die kulturelle Entwicklung der Menschheit zu würdigen, muß sie eingereiht werden in die Wissenschaft vom Menschen überhaupt, in der und zu der sich alle anderen Wissenschaften vereinen, die allgemeine Biologie, die Anthropologie und Völkerkunde, die Philosophie und Psychologie, die Medizin, die Geschichte der Literatur und diejenige der Kultur in ihrem ganzen Umfange…

So schrieb Iwan Bloch in „Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur“ bzw. im Vorwort zu „Ausschweifungen im Sexualleben„.

Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie: Navigation, Suche

Iwan Bloch, Pseudonym Eugen Dühren, (* 8. April 1872 in Delmenhorst; † 19. November 1922 in Berlin) war ein deutscher Arzt und Sexualforscher. Mit Eulenburg, Hirschfeld, Krafft-Ebing, Theilhaber u.a. zählt er zu den Pionieren der Sexualkunde.
Sein Sohn, der Biologe Robert Bloch war in den USA (Philadelphia), wohin er vor den Nationalsozialisten emigriert war, an der Entwicklung neuer Antibiotika beteiligt. Später erlangte er als Jadekundler weltweiten Ruf. Seine Witwe, Erika Bloch, starb 2009 in München.

Das Sexualleben unserer Zeit, 1907

Iwan Bloch hat 1907 in der Monografie Das Sexualleben unserer Zeit den Begriff der Sexualwissenschaft eingeführt. In der Vorrede zu diesem Buch definiert er die Sexualwissenschaft als fächerübergreifend arbeitende Disziplin.

Bloch schrieb, auch unter Pseudonymen (Eugen Dühren, Albert Hagen, Veriphantor, Gerhard von Welsenburg), sittengeschichtliche und sexualwissenschaftliche Werke.

Werke (in Auswahl)

  • Anthropological Studies on the Strange Sexual Practices of All Races and All Ages (2001, Reprint der englischen Ausgabe von 1933)
  • Beiträge zur Aetiologie der Psychopathia sexualis Vorrede Albert Eulenburg (1902)
  • Englische Sittengeschichte (früher: Das Geschlechtsleben in England) (zwei Bände, 1912, als Dühren)
  • Der Fetischismus (1903, als Veriphantor)
  • Irrungen menschlicher Liebe (o.J., als Veriphantor)
  • Der Marquis de Sade und seine Zeit. Ein Beitrag zur Cultur- und Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts. Mit besonderer Beziehung auf die Lehre von der Psychopathia Sexualis 1900, als Dühren. -1. Aufl. Barsdorf, Berlin 1900; Max von Harrwitz, Berlin 1904; 5. Aufl. Barsdorf, Berlin 1915 (Reihe: Studien zur Geschichte des menschlichen Geschlechtslebens Bd. 1.). Inges. 7 Aufl. zu Lebzeiten. Zuletzt 1978: Heyne, München ISBN 3453501241
    • in Engl. (Auszüge): Marquis de Sade. His life and his works Übers. James Bruce. Castle/ Book Sales, NY 1948 (128 S.). Weitere Übers. ins Frz. und Span.
  • Neue Forschungen über den Marquis de Sade und seine Zeit. Mit besonderer Berücksichtigung der Sexualphilosophie de Sade’s auf Grund des neuentdeckten Original-Manuskriptes seines Hauptwerkes (als Dühren); Nachdruck 1965; wieder VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2007
  • Die Prostitution (Band 1, 1912; der 2. Band erschien posthum 1925)
  • Rétif-Bibliothek. Verzeichnis der französischen und deutschen Ausgaben und Schriften von und über Nicolas Edme Restif de la Bretonne (1906, u. d. Pseudonym Eugen Dühren)
  • Rétif de la Bretonne. Der Mensch, der Schriftsteller, der Reformator (1906, gleiches Pseud.)
  • Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur (1907, das grundlegende Werk erlebte in der Folgezeit mehrere Auflagen.)
  • Die sexuelle Osphresiologie (1906, als Albert Hagen)
  • Der Ursprung der Syphilis. Eine medizinische und kulturgeschichtliche Untersuchung (1901)
  • Das Versehen der Frauen in Vergangenheit und Gegenwart und die Anschauungen der Aerzte, Naturforscher und Philosophen darüber (1899, als Gerhard von Welsenburg)
  • Projekt Gutenberg-DE: Bibliothek der Sexualwissenschaft 36 Klassiker als Faksimile auf DVD. Hille & Partner ISBN 978-3-86511-524-9

Herausgabe von Zeitschriften

  • Zeitschrift für Sexualwissenschaft (begründet von Albert Eulenburg und Iwan Bloch, fortgeführt von Max Marcuse; später unter dem Titel „Zeitschrift für Sexualwissenschaft und Sexualpolitik“)

Sekundärliteratur

  • Volkmar Sigusch: Geschichte der Sexualwissenschaft, Frankfurt/M., New York: Campus 2008, S. 52-80, 285-307 und 597-599 – ISBN 978-3-593-38575-4
  • Volkmar Sigusch und Günter Grau (Hg.): Personenlexikon der Sexualforschung, Frankfurt/M., New York: Campus 2009, S. 52-61 – ISBN 978-3-593-39049-9
  • Erwin J. Haeberle: Iwan Bloch (1872 – 1922) In: „Meinetwegen ist die Welt erschaffen“. Das intellektuelle Vermächtnis des deutschsprachigen Judentums. 58 Portraits Frankfurt, Campus 1997, S. 165-172
  • Wolfgang Büsing: Ido Wolff und seine Sippe. Ein berühmter Wundarzt des 17. Jahrhunderts aus Oldenburg in: ders.: Glück, Heil und Segen angewünschet. Familiengeschichtliche und heimatkundliche Beiträge aus dem Oldenburgishen Heinz Holzberg, Oldenburg 1988 ISBN 3-87358-305-4 S. 43-51 (Rez.: Gerold Schmidt, Oldenburgische Familienkunde, Jg. 30 H 4/1988, S. 766-767)
  • Günther Grau: Iwan Bloch. Hautarzt – Medizinhistoriker – Sexualforscher, Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-938485-41-5.

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