Archivsuche

Büchersuche

Archiv (chronolog.)

Psychosomatik der Rückenmuskulatur: Eine Frage der Haltung

Unbewußt bringen wir alle durch die Körperhaltung und den Spannungszustand der Rückenmuskeln innere Einstellungen, also Gefühle und ähnliche psychische Inhalte, zum Ausdruck. Deshalb können Rückenschmerzen auch von seelischen Vorgängen ausgehen, dadurch gefördert oder verschlimmert werden. Sie trotzen dann hartnäckig jeder üblichen Behandlung, weil damit die eigentlichen Ursachen nicht beeinflusst werden…

Der Rücken als „Wetterecke“ des Seelenlebens

Oftmals bestehen allerdings auch in solchen Fällen bereits Wirbel- oder Bandscheibenschäden, von denen man nichts bemerken muss. Das Seelenleben sucht sich dann die „Schwachstellen“ am Rücken aus, um Konflikte und Probleme körperlich zum Ausdruck zu bringen. Umgekehrt können die seelischen Einflüsse im Lauf der Zeil erst zu organischen Wirbel- und Bandscheibenschäden führen.

Äußere und innere Haltung

Manche Menschen gehen betont aufrecht durchs Leben, bei anderen wirkt die Körperhaltung lässig, schlaff oder gebeugt. Solche individuellen Haltungsunterschiede erfassen wir instinktiv und ziehen aus der äußeren Haltung Rückschlüsse auf die Persönlichkeit. Oft sind sie auf den ersten Blick schon erstaunlich treffsicher, weil die „Sprache“ des Körpers universell verständlich ist. Man kann aber auch völlig daneben liegen, denn eine äußerlich nur vorgetäuschte Haltung durchschaut man meist erst beim näheren Kennenlernen.

Psychische Einflüsse auf die Körperhaltung spielen häutig bei chronischen Rückenschmerzen eine Rolle. Bei der Diagnose und Therapie werden sie aber meist nicht beachtet. Vor allem der bewußte oder unbewußte Versuch, durch die äußere Haltung bestimmte Eindrücke bei anderen hervorzurufen, wird häufig mit Schmerzen erkauft, weil die Haltungskontrolle zur übermäßigen Anspannung der Rückenmuskeln und zu Fehlhaltungen führt.
Aber auch „Nackenschläge“ des Schicksals, dauernde seelische Überforderung, Angst, Unsicherheit und Depressionen können die Haltung so verändern, daß chronische Rückenschmerzen entstehen. Dadurch verschleißen die Wirbel und Bandscheiben stärker, und bei der Untersuchung entsteht dann der Eindruck, daß dies die Ursache der Schmerzen ist. Trotz entsprechender Behandlung bessern sich die Beschwerden jedoch nicht oder es kommt nach vorübergehender Linderung zu Rückfällen. Bei diesem typischen Verlauf sollte stets versucht werden, durch Entspannung, Autosuggestion oder fachliche Psychotherapie die seelischen Wurzeln der Schmerzen zu beseitigen.

Psychisch bedingte Rückenschmerzen

Neben der seelisch-geistigen Haltung eines Menschen, die sich in Fehl- und Zwangshaltungen mit Muskelverspannungen ausdrücken kann, kommen noch viele andere seelische Vorgänge als Verursacher chronischer Rückenschmerzen in Frage. Dabei besteht gleichfalls die Gefahr, daß die Wirbel und Bandscheiben dauernd ungünstig belastet und geschädigt werden. Großen Einfluss auf den Gesundheitszustand des Rückens haben auch die menschlichen Gefühle. Da viele – vor allem „negative“ wie Trauer, Aggression und Wut in unserer Gesellschaft streng kontrolliert werden müssen, damit man nicht „aus dem Rahmen fällt“, lässt sich die dabei mobilisierte Energie nicht sinnvoll abreagieren. Das führt zu vielfältigen körperlichen Funktionsstörungen (psychosomatische Krankheiten).

Chronische Verspannungen der Rückenmuskulatur sind eine Möglichkeit, unterdrückte Gefühlsenergien gleichsam „einzufrieren“; dem damit verbundenen Schmerz kommt oft noch die Funktion einer Selbstbestrafung für diese sozial nicht tolerierten Gefühle zu. Vereinfacht gesagt tauscht man den seelischen Schmerz gegen körperliche Schmerzen ein, um den gesellschaftlich anerkannten Status eines organisch Kranken zu bekommen.

Es fällt oft schwer, hinter dem körperlichen Schmerz das seelische Leid zu erkennen. Verdrängte Ängste und Aggressionen „gefrieren“ oft im Bereich der Halswirbelsäule ein, Depressionen können am gesamten Rücken zu Schmerzen führen, wobei wegen der typischen Schuldgefühle depressiver Menschen der „Strafcharakter“ der Schmerzen meist besonders ausgeprägt ist, und in den Lendenwirbelbereich werden oft chronische Überforderungen verdrängt. Aber das darf man nicht verallgemeinern. Oft gelingt es nur mit Hilfe eines Psychotherapeuten, die individuellen psychischen Faktoren wieder bewusst zu machen und zu verarbeiten. Danach verschwinden die psychogenen Schmerzen, bereits eingetretene organische Veränderungen müssen unter Umständen zusätzlich behandelt werden.

Seelische Reaktionen auf chronische Schmerzen

Wer häufig oder ständig unter Schmerzen leidet und damit rechnet, daß sich dieser Zustand im Lauf des Lebens nur noch verschlimmern kann, reagiert darauf natürlich auch psychisch. Das hat dann oft zur Folge, daß sich das Krankheitsbild weiter verschlechtert und die ärztliche Therapie kaum anschlägt. Als besonders quälend geben viele Schmerzpatienten die Hoffnungslosigkeit an, die sich bei ihnen – oft nach mehreren vergeblichen Therapieversuchen – immer deutlicher einstellt. Die fehlende Aussicht auf Heilung kann zu Verbitterung, Gereiztheit, Resignation oder Verzweiflung führen, manchen Patienten sogar in den Selbstmord treiben. Hinzu kommt wegen des veränderten Verhaltens nicht selten noch die soziale Isolierung als weiterer psychischer Krankheitsfaktor, denn die gesunde Mitwelt bringt für chronisch Kranke meist nur einige Zeit Verständnis auf. Die übliche Therapie berücksichtigt solche Reaktionen viel zu wenig, lässt den Patienten mit seiner Angst und Verzweiflung weitgehend allein. Dann muß er selbst versuchen, diese Reaktionen, die schlimmer als die eigentliche Krankheit sein können, unter Kontrolle zu bringen. Entspannung und Autosuggestion leisten auch dabei gute Dienste.

Haben Sie es auch am Rücken?

Mit Rückenschmerzen ist nicht zu spaßen. Schon die leichtesten Beschwerden können mit der Zeit zu schweren Schäden an der Wirbelsäule oder den Bandscheiben führen. Ein Buch aus der Ratgeber-Reihe bei „Buch und Zeit“ wird gerade auch in vielen Apotheken angeboten. Axel Reif beschreibt nicht nur die wichtigsten Ursachen akuter und chronischer Rückenschmerzen, sondern klärt auch über die bekanntesten und effektivsten Behandlungsmethoden auf mit all ihren Vor- und Nachteilen. Hierbei werden neben den schulmedizinischen Maßnahmen auch neue und bewährte Naturheilverfahren vorgestellt. Möglichkeiten der Selbstdiagnose und Selbstbehandlung, wie die einfache Rotlichtbestrahlung oder mildernde Umschläge, werden ebenso berücksichtigt wie der schwerwiegende chirurgische Eingriff. Ein Gymnastikprogramm zur Stärkung des Rückens und zahlreiche Tips für den Alltag runden dieses nützliche Buch ab, aus dem auch die obige Passage stammt.

Comments are closed.