Archivsuche

Büchersuche

Archiv (chronolog.)

Zedakah: Versteckte Unterstützung hilft am besten

„Niemand liebt seinen Sponsor“, sagte einmal Nizza Thobi, die Sängerin jiddischer Chansons. Dies bestätigt nun auch eine Studie der Universität Minnesota  in der Zeitschrift „Psychological Science“. Wer dringend Unterstützung braucht, stößt sich oft ausgerechnet an den Menschen, die ihm helfen wollen. Bewusst erfahrene Hilfeleistung kann Menschen verletzlich und ängstlich machen, während unsichtbare Hilfe stärkt und besänftigt…

Psychologe: Glaube an den anderen kann Wunder wirken

http://www1.umn.eduptehttp://www.psy.unibe.ch – Die Forscher ließen 85 Paare vor laufender Videokamera darüber diskutieren, was sie gerne in ihrer Beziehung ändern würden. Einem Partner wies man dabei an, den anderen durch Bestärkung oder Interessensbekundung zu unterstützen. Geschulte Beobachter sahen das Video und entschieden, ob die Hilfe jeweils sichtbar war oder nicht. Diejenigen, die unsichtbare Hilfe empfangen hatten glaubten zwar, sie hätten weniger Unterstützung bekommen. Gleichzeitig waren sie jedoch weniger wütend oder ängstlich als jene, bei denen die Hilfe offensichtlich war.

Falsche Hilfe kann hilflos machen – Vereinnahmung ist kontraproduktiv

Für den Berner Entwicklungspsychologen August Flammer ist dies der Hinweis darauf, dass sich Menschen nicht gerne vereinnahmen lassen, auch wenn dies durch Unterstützung geschieht. „Spüre ich, dass jemand mit seiner Liebenswürdigkeit oder Anstrengung sein eigenes Ziel verfolgen will, so hat diese Hilfe oft den genau umgekehrten Effekt“, so der Experte gegenüber pressetext. „Reaktanz“ heißt dieses Prinzip in der Verhaltenspsychologie.

Verliebte können plötzlich malen

Gleichzeitig gehe es im Experiment jedoch auch um den Glauben an sich selbst, im Fachterminus die „Selbstwirksamkeit“. „Menschen bringen dann die beste Leistung, wenn sie sich selbst leicht überschätzen. Das macht sie kompetent, unternehmungslustig und zufrieden mit sich selbst. Den meisten gelingt das auch. Wer sich hingegen selbst realistisch einschätzt oder gar unterschätzt, zeigt viel eher depressive Tendenzen“, erklärt Flammer.

Die beste Hilfe liefert deshalb derjenige, der dem anderen mit viel Empathie Akzeptanz und realistisches Vertrauen in dessen Fähigkeiten vermittelt. „Es geht darum, dem anderen ein klein wenig Vorschuss zu geben. Ein Extrembeispiel dafür sind Verliebte. So mancher, der spürt dass der andere an ihn glaubt, wird plötzlich kreativ und malt etwa Bilder“, veranschaulicht der Experte.

Zuviel Lob senkt den Selbstwert

Wie wichtig die Form der Hilfeleistung ist, ist auch Schmerzmedizinern bekannt. Wer als Angehöriger sich allzu fürsorglich verhält und dem Patienten unangenehme Tätigkeiten stets abnimmt, meint es zwar gut, erschwert ihm jedoch langfristig das Zurechtkommen im Alltag. Depressive Tendenzen und sogar Schmerzen können sich dadurch sogar verschlimmern, haben Dresdner Forscher gezeigt. Positiv wirkt hingegen soziale und emotionale Unterstützung.

Schließlich ist Selbstwirksamkeit auch für die Erziehung und Bildung wichtig. „Soziale Handlung haben eine Bedeutung, die immer interpretiert wird. So sinkt etwa der Selbstwert von Kindern, die für eine Leistung gelobt werden, die in Wahrheit für sie eine leichte Aufgabe darstellt“, so Flammer. Lob – jedoch auch Tadel – sollten daher immer richtig dosiert und angemessen sein.

Ähnlich formulierte es auch schon Maimonides, als er seine ACHT STUFEN DER WOHLTÄTIGKEIT (Zedakah) formulierte:

  • Die allerhöchste Stufe:
    Dem Bedürftigen die Möglichkeit geben, sich selbstständig zu ernähren.
  • Die zweithöchste Stufe:
    Wohltätig sein in einer Weise, dass der Spender und der Bedürftige nicht voneinander wissen.
  • Die dritthöchste Stufe:
    Der Wohltäter weiß, wem er gibt, aber der Arme erfährt nicht den Namen des Spenders.
  • Die vierthöchste Stufe:
    Der Gebende kennt nicht den Namen des Bedürftigen, aber dieser kennt den Spender.
  • Die fünfthöchste Stufe:
    Geben, bevor man gebeten wird.
  • Die sechsthöchste Stufe:
    Geben, nachdem man gebeteten wurde.
  • Die siebthöchste Stufe:
    Zwar nicht ausreichend geben, aber dennoch mit Freundlichkeit.
  • Die unterste Stufe:
    Mit Unfreundlichkeit geben.

Maimonides, der  erste Sozialarbeiter des Mittelalters?

Comments are closed.