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ADHS: Natürliche Arzneien im Fokus

Relativ neu ist ein Behandlungsansatz des ADHS mittels Nährstofftherapie. Studien an den Universitäten Oxford und der Universität von Südaustralien haben gezeigt, dass die tägliche Gabe von Omega-3-Fettsäure die Symptome der Hyperaktivität gegenüber einer Kontrollgruppe nach einigen Wochen stark reduziert hat, wobei einmal „mittlere bis starke Behandlungseffekte“ aufgezeigt wurden und einmal „Verbesserungen gegenüber der Placebogruppe in Lesen, Schreiben und Verhalten nach 3 Monaten Behandlung“ festgestellt wurde…

In anderen Studien wurde Magnesium, Zink und Vitamin E als Lebensmittel- oder Nahrungsergänzungspräparate gegeben. Ebenfalls wird empfohlen, den Konsum von Lebensmitteln mit hoher glykämischer Last zu vermeiden und möglichst proteinhaltige und kohlenhydratreiche Nahrung zu verzehren. Ob es sich dabei um einen wissenschaftlichen Ansatz oder um eine diätetische Mode handelt, sei dahingestellt. Überblickartikel betonen, dass Omega-3-Fettsäuren bei einigen Betroffenen zu wirken scheinen, aber nicht bei allen. Ältere, mittlerweile verworfene Ansätze führten ADHS auf einen Phosphatüberschuss in der Nahrung zurück, was jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.

http://de.wikipedia.org / pte Im Bereich der Psychiatrie rechnen Experten zur Zeit kaum mit neuen, innovativen Arzneimitteln. „Es sind keine neuen Substanzen zu erwarten“, meint Peter Hoffmann vom Universitätsklinikum Graz. Diese Tatsache begünstigt die Suche nach Alternativen, insbesondere nach natürlichen Produkten. In Wien informierten heute, Mittwoch, Mediziner im Rahmen der Veranstaltung „Die Omega-Revolution“ über die wesentliche Bedeutung von Omega-Fettsäuren bei Nervenkrankheiten.

Omega-Fette unterstützend bei Konzentrationsstörungen und ADS

Mögliche Optionen bietet hier die Natur. Naturerzeugnisse sind bei der breiten Masse der Bevölkerung gefragt; nicht umsonst ist beispielsweise Johanniskraut als rein pflanzliches Produkt in vielen Ländern das Topprodukt in der Behandlung von Depressionen. Mehrere Studien haben nun auch die wesentliche Bedeutung von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die in Fisch, Nüssen und Eiern vorkommen, für das Gehirn ermittelt.

Schlüsselrolle bei Entwicklung des Zentralnervensystems

Diese Fettsäuren bilden eine Schlüsselrolle in der Entwicklung des Zentralnervensystems (ZNS). Die ungesättigten Fettsäuren tragen zum Aufbau von Zellverbänden bei und fördern das Wachstum des Gehirns, außerdem besitzen sie innerhalb des Nervensystems eine entzündungshemmende Wirkung. Die Omega-Fette tragen zudem zu einem positiven Verlauf bei ADS-erkrankten Kindern und Jugendlichen bei.

Wesentlich ist hierbei die bisher unterschätzte Unterscheidung in Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. „Zwischen den beiden Omega-Fetten muss eine ausgewogene Balance bestehen“, sagt Karl Zwiauer, Kinderarzt am Landesklinikum St. Pölten. Eine Unausgewogenheit kann zu psychischen Erkrankungen, Demenz, ADS, Depressionen und zu Störungen der frühkindlichen Gehirn- und Sehentwicklung führen, fügt der Mediziner hinzu.

Ein Defizit an den „guten“ Fetten kann durch Mangelnahrung oder erhöhten Verbrauch bei Stress hervorgerufen werden. Zusätzlich können gesättigte Fettsäuren („schlechte“ Fette), die ungesättigten Fette verdrängen und so einen Mangel verursachen.

Ergänzung zu Therapien

Brigitte Hackenberg, behandelnde Ärztin an der Universitätskinderklinik Wien, bestätigt Erfolge mit Omega-Fettsäuren als Ergänzung zu Therapien. Die Fettsäuren müssen jedoch hoch dosiert sein. Durch eine bloße Nahrungsumstellung ist die Aufnahme der Fette in der Form nicht möglich. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind jedoch kein Allheilmittel, ist ebenfalls in den Studien zu lesen. Allerdings sind sie eine sinnvolle Ergänzung zu Therapien. Sie helfen vor allem bei Kindern und Jugendlichen mit Konzentrationsstörungen oder ADS. Die Wirksamkeit der Omega-Fette ist durch messbare klinische Effekte bewiesen, sagt Hoffmann. Bei Kindern äußerst hilfreich, bei Älteren eine sinnvolle Ergänzung zur Therapie.

Nicht zu Selbstmedikationen greifen

Die Experten wiesen in der Veranstaltung darauf hin, dass bei Anzeichen des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADS) – beispielsweise Konzentrationsstörungen – die Eltern zuerst einen Arzt aufsuchen sollten und nicht zu Selbstmedikationen greifen.

„ADHS zur flächendeckenden Versorgung mit Amphetaminen“

Unmissverständlich kritische Worte fand der Grazer Psychiater und Gerichtssachverständige Univ. Prof. Dr. Peter Hofmann vor 21 JournalistInnen bei einer Pressekonferenz im Presseclub Concordia anlässlich der Präsentation der wissenschaftlichen Daten zu einer in Österreich neuen, natürlichen Therapie des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms/AD(H)S: „Das ADHS ist die gebräuchlichste Ausrede, um Österreich flächendeckend mit Amphetaminen zu versorgen!“

Der Hintergrund? Bisher waren die Möglichkeiten der PsychiaterInnen in der Behandlung des AD(H)S in Österreich sehr bescheiden. Entweder Psycho- und Familientherapie ODER „harte“ Psychopharmaka wie die von Hofmann kritisierten Amphetamine. Dazwischen unerfüllter therapeutischer Bedarf, der nun in manchen Fällen, durch eine Kombination von Omega3&6 Fettsäuren geschlossen werden kann. Vorgestellt wurden n unter anderem 5 Placebo kontrollierte Studien, die allesamt klar die Wirkung der Omega-Fettsäuren-Kombination belegen. Sämtliche Kernsymptome des AD(H)S wurden in diesen Studien signifikant abgesenkt.

Schon bisher weigerten sich Eltern immer wieder, ihren Kinder Amphetamine zu verabreichen. Expertin Ass. Prof. Dr. B Hackenberg vom AKH Wien: „Es gibt allerdings eine – relativ kleine – Zahl von Kindern, die diese Präparate unbedingt brauchen. Zumindest für einige Zeit, denn als Dauertherapie sind sie ja nicht gedacht“. Einige wenige sind aber eben nicht alle.

Hofmann: „Wir haben bereits die ersten PatientInnen zum Entzug, die sich unter der Schein-Diagnose Erwachsenen-AD(H)S haben Amphetamine verordnen lassen! Schon vor diesem Hintergrund bin ich froh, dass nun ein gleichermaßen nachweislich wirksames wie unbedenkliches Präparat zur AD(H)S-Therapie zur Verfügung steht!“

Omega-Fettsäuren – Studien kritisch bewerten
Nur ausgewählte Studien seriös

Anlässlich eines Medien-Seminars erläuterte der Vorsitzende der Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, Prim Univ. Prof. Dr Karl Zwiauer, die spezielle Studien-Situation im Zusammenhang mit der Gabe von Omega-Fettsäuren. Der Großteil der Studien verdient diese Bezeichnung eigentlich gar nicht, da sie den strengen internationalen GCP-Standards nicht im Entferntesten entsprechen. Dadurch sind sie rein spekulativ und ihre Aussagen haben nur geringen bis keinen Wert. Die einzige Ausnahme derzeit ist die Indikation Aufmerksamkeitsstörung.

Welchen wissenschaftlichen Hintergrund gab es, bei Aufmerksamkeitsstörungen langkettige mehrfach ungesättigte Fettsäuren (LC- PUFA) zu geben: Erste Hinweise kamen durch die Tatsache, dass Kinder mit ADHS – abgesehen vom Konzentrationsmangel – Symptome zeigten, die man vom Mangel an essentiellen Fettsäuren kannte wie etwa erhöhten Durst oder schlechte Haut. Also gab man versuchsweise LC-PUFA und das führte über zahlreiche Studien mit Präparaten unterschiedlichster Zusammensetzungen zu jenen Studien, die man aufgrund ihrer gewissenhaften Ausrichtung nach den GCP-Kriterien (randomisiert, doppelt blind, Placebo kontrolliert) heute guten Gewissens zitieren kann.

Zwei mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die Linolsäure und die Alpha-Linolensäure sind für den Menschen essenziell, das heißt, dass sie mit der Nahrung zugeführt werden müssen. PUFA sind in verschiedenen Ölen enthalten, vor allem in Fischöl. PUFA aus Fischöl müssen zusammen mit Antioxidantien wie zum Beispiel Vitamin E eingenommen werden, damit sie stabil bleiben und ihre Wirkung entfalten können. Die Wahrscheinlichkeit einer ungenügenden Versorgung mit PUFA ist am größten bei Menschen, deren Bedarf erhöht ist, zum Beispiel bei Infektionen, chronischen Krankheiten oder in Wachstumsphasen.

Der Hintergrund
60% des Trockengewichtes des Gehirns ist Fett. Die höchsten Konzentrationen von DHA (Docosahexaensäure, 22:6 ω-3) finden sich in Retina, Gehirn und Nervensystem. DHA ist unbedingt notwendig für die Nervenzellmyelinisierung und damit für die Reizweiterleitung.

PUFA insgesamt sind wesentliche Bausteine für die ZNS Entwicklung (Gehirn), Sehentwicklung, als Komponenten in neuronalen Membranen, durch ihre Effekte auf Neurotransmitter, für die Prävention der neuronalen Apoptose (Zelluntergang) sowie durch ihren Einfluss auf das Neuritenwachstum

Im Ideal-Fall sorgt eine Balance zwischen Omega -3 und Omega -6-PUFA für das ideale Funktionieren der davon beeinflussten Systeme (zB. Nervensystem, Immunsystem, Haut u.a.)

Was aber kann diese Balance stören?
* Genetische Stoffwechseldefizite
* Geschlechtsspezifische Unterschiede (Frauen begünstigt)
* Mangel an Magnesium und Zink
* Kompetitive Enzymsysteme – Zufuhr „falscher“ Fette (zB. Transfette) vermindert Synthese
* Der lange, wenig effiziente Syntheseweg

Mangelzustände und Imbalancen von PUFA in Entwicklungsphasen haben weitreichende Konsequenzen. Stärkste Konsequenzen: pränatal/postnatal, aber in allen anderen Altersklassen ist ein Mangel an ω-3 Fettsäuren assoziiert mit Verhaltensauffälligkeiten und ADHS

Insgesamt ist eine abnehmende Zufuhr von ω-3 PUFA in der Gesamtbevölkerung in den letzten Jahrzehnten festzustellen.

In den 1980er Jahren wurde der Mangel an essentiellen Fettsäuren bei Kindern mit Entwicklungsstörungen (Dyslexie, Dyspraxie, Autismus, Angststörungen, auffälligem Sozialverhalten, Tic-Störungen, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen) in Verbindung gebracht.
Es wurden niedrige ω-3 PUFA-Werte sowie ω-6/ω-3 Imbalancen festgestellt und dies war gleichsam der Auftakt zu zahlreichen klinischen Studien

Diese Beobachtungsstudien erbrachten folgende Erkenntnisse:
* ADHS   Mangel an ω-3 Fettsäuren (ALA, DHA) und ω-6 Fettsäuren (AA)
* Plasmaspiegel: FS-Versorgung der letzten 24 Stunden
* Phospholipide an Erythrozyten: FS-Versorgung der letzten Monate, korrelieren mit den FS Konzentrationen im Gehirn

1995 wurden bei ADHS-Kindern Zeichen eines PUFA-Mangels identifiziert wie Durst, häufiges Urinieren, trockene Haut, verstärkte Schuppenbildung, trockenes Haar u.a.). Anhand der Erythrozyten wurden an ADHS-Kindern verminderter AA- und DHA-Konzentrationen festgestellt.

1996 brachte eine erste Studie ADHS mit einem Mangel an ω-3 PUFA in Zusammenhang.

ABER – Diese Studien waren allesamt NICHT KAUSAL beweisend!

Warum?
* Studiendesign nur geeignet Hypothesen zu generieren
* Zahlreiche Einflussfaktoren und komplexe chemische Interaktionen
* Umwelteinflüsse
* Möglichkeit genetischer Variationen

Frühe Studien mit isolierter DHA-Supplementierung – also NUR Omega-3 oder NUR Omega-6 zeigten nur minimale positive klinische Effekte oder auch keine Veränderungen.

Wesentlich wurde daher die Kombination von ω-3 plus ω-6-Fettsäuren (Fischöl + Nachtkerzenöl)

Das sind die aktuellen Kombinationsstudien, die den kausalen Zusammenhang und damit den Wert der hoch dosierten interventionellen Gabe beweisen konnten
ω-3 Fettsäuren: EPA, DHA (Fischöl)
ω-6 Fettsäuren: LA, GLA, AA (Nachtkerzenöl)

* Richardson AJ et al. Oxford-Durham Studie – Pediatrics. 2005
* Portwood M. Nutrition and Health. 2006
* „Sure Start-Studie“ (Kinder von 18 Monaten bis 3 Jahren)
* Open label studie (Jugendliche von 12 – 15 Jahren)
* Sinn N et al. Journal of Developmental and Behavioral Pediatrics. 2007
* Sinn N. et al. Prostaglandins Leukotrienes Essent. Fatty Acids 2008
* Johnson M et al. Journal of Attention Disorders. 2009

Zusammenfassung des aktuellen Studienstandes:

  • * LC-PUFA spielen eine zentrale Rolle für das Funktionieren des Nervensystems
  • * Beobachtungsstudien zeigen einen Mangel/Imbalance von ω-3/ω-6 Fettsäuren bei Kindern mit neurokognitiven Störungen – ADHS, Dyslexie, Dyspraxie, Autismus etc.
  • * Kontrollierte, randomisierte doppel-blinde Studien zeigen signifikante klinische Verbesserungen durch die Supplementierung mit LC-PUFA

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