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Psychiatrie und Psychologie

Natürlich haben sich Menschen schon immer mit ihrem Befinden und Empfinden beschäftigt und natürlich gilt dies auch für den geistigen oder seelischen Bereich. In der Frühgeschichte wurden Störungen in diesem Bereich meist durch übernatürliche Einflüsse erklärt. Später waren zahlreiche Ärzte, beispielsweise Hippokrates in Griechenland, davon überzeugt, dass auch Geisteskrankheiten natürliche Ursachen haben. Er, wie auch sein indischer Kollege Susruta, wiesen bereits auf zahlreiche psychosomatische Zusammenhänge hin…

Doch mit dem Tod des römischen Arztes Galen, ca. im Jahr 200, nahmen primitive Vorstellungen und Dämonisierungen wieder überhand. So kam es auch zu den Hexenverfolgungen in Europa, denen Hunderttausende von Frauen zum Opfer fielen. Der so genannte Hexenhammer (Malleus Maleficarum) hatte großen Einfluss auf die westliche Medizin. Die Trennung von Körper und Geist resultierte aus derartig primitiven Quellen, aber auch aus theologischen Erwägungen eines Thomas Aquinas, der meinte, die Seele könne niemals krank werden – im Gegensatz zum Körper. Entwicklungen in der medizinischen Psychologie gab es fast nur in der arabischen bzw. arabisch-jüdischen Welt. Genannt sei beispielsweise Rabbi Moses Ben Maimon, der Leibarzt von Saladin dem Großen (12/13.Jh.).

Der erste effektive Widerspruch gegen die Dämonologie, die u.a. mit Folter, Exorzismus und Scheiterhaufen arbeitete, kam erst im 16. Jahrhundert von Johann Weyer (De praestigiis daemonorum et incantationibus et veneficiis. Basilea 1564), der manchmal als Vater der Psychiatrie bezeichnet wird.

Die wikipedia schreibt: Die kirchliche Organisation des Umgangs mit dem Problem seelischer Not und menschlicher Verhaltensauffälligkeiten erfolgte z.T. durch exorzierende Priester und durch Methoden der Inquisition, der Hexenverbrennungen, der Verfolgung durch den Dominikanerorden und durch die Bulle Summis desiderantes des Papsts Innozenz VIII. vom 5. Dezember 1484. Doch es sind auch Gegenströmungen zu nennen. Durch Ärzte wie Paracelsus (1493-1541) und Johann Weyer (1515-1588) wurde u. a. im ausgehenden MA mit Wort und Tat zumindest ansatzweise den Kranken auch in der Öffentlichkeit Beistand geleistet.

Doch es dauerte noch zwei Jahrhunderte bis Philippe Pinel 1792 die Ketten der Geisteskranken in Frankreich löste.

Die wikipedia schreibt: Philippe Pinel (20. April 1745 in Jonquières im Departement Tarn – 25. Oktober 1826 in Paris) war ein französischer Psychiater und seit 1794 leitender Arzt am Hôpital Salpêtrière und setzte dort zuerst eine ärztliche Behandlung ohne Zwangsmaßnahmen durch. Um die Ausbildung der Psychiatrie zur Wissenschaft erwarb er sich große Verdienste, darüber hinaus auch um die gesamte Auffassung vom biologisch-pathologischen Geschehen.

Im 19. Jahrhundert wandte Emil Kraeplin (1855-1926) deskriptive und statistische Methoden in seinen klinischen Studien an und entwickelte eine Klassifikation von Persönlichkeitsstörungen und Geisteskrankheiten. Ein Konzept, das von zahlreichen Nachfolgern weiterentwickelt wurde. Eugen Bleuler z.B. überdachte die Vorstellung von der Dementia praecox und führte den Begriff der Schizophrenie ein.

Auf Kraeplin geht auch der Begriff der Psychopharmakologie zurück:

Die wikipedia schreibt: Die Psychopharmakologie (von altgriechisch ψῡχή, psȳkhē für Seele, φάρμακον, pharmakon für Droge und λογία, logia für Lehre) geht auf Emil Kraepelin zurück und untersucht die Effekte von so genannten Wirkstoffen auf das Nervensystem und das Erleben und Verhalten. Wirkstoffe sind exogene chemische Substanzen, die für die normale Zellfunktion nicht notwendig sind, aber große Effekte auf physiologischer Ebene und im Erleben und Verhalten hervorrufen können. Der für Psychopharmakologen interessante Wirkungsort eines Wirkstoffes ist das zentrale Nervensystem (kurz: ZNS / CNS). Ein Wirkstoff gelangt in das zentrale Nervensystem, indem er zunächst das Blutplasma erreicht und dann die so genannte Blut-Hirn-Schranke überwindet. Hat ein Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke überwunden, so kann er auf das ZNS wirken. Entscheidend für Psychopharmakologen ist nun, in welcher Weise ein Wirkstoff:
– auf die Speicherung und Freisetzung von Neurotransmittern
– auf die prä-und postsynaptischen Rezeptoren und
– die Wiederaufnahme und den Abbau von Neurotransmittern im ZNS wirkt und welche Effekte auf Erlebens-und Verhaltensebene damit verbunden sind.

siehe auch: wiki/lex

Neben der Entwicklung der deskriptiven Psychiatrie wuchs auch das Verständnis für psychologische Mechanismen. Von Paracelsus im 16. Jahrhundert über Messmer im 18.Jh. bis zu Siegmund Freud (1856-1939) ist es ein langer Weg. Freuds Verständnis des Unbewussten, des Ego (Ich), Id (Es) und Über-Ich, von Abwehrmechanismen und neurotischen Konflikten sind fester Bestand westlichen, nicht nur psychiatrischen Denkens, geworden. Seine Betonung der Bedeutung der frühesten Jahre zur Bestimmung späteren Empfindens und Verhaltens, löste großes Interesse an Fragen psychologischen Wachstums und menschlicher Entwicklung aus.

Piaget’s Studien über die Entwicklung des Intellekts sind ein Beispiel dafür. Zahlreiche Modifikationen und Weiterentwicklungen der freudschen psychoanalytischen Theorie versuchen diese an gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen anzupassen und zu optimieren. Beispiele sind die Arbeiten von Erik Erickson, Fritz und Laura Perls, Erich Fromm, Jakob Moreno, Ruth Cohn, Viktor Frankl, und vieler anderer.

Zahlreiche Entdeckungen im Bereich der Neurophysiologie und der Psychopharmakologie verknüpfen Biologie und Psychiatrie. Inzwischen lassen sich auch psychotherapeutische Erfahrungen als morphologische Veränderung im Gehirn nachweisen.

Ganzheitliches Denken: Die Dreiteilung in Geist, Verstand und Körper überwinden

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