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Holocaust und Trauma: Die Kinder der Überlebenden

Die transgenerationalen Auswirkungen des Holocaust auf die Nachkommen von Überlebenden bleibt ein ziemlich kontroverses Thema. Einige meinen, das Konzept der „2.Generation“ (2nd Generation) sei eine Illusion und der Prozess der Transmission eine Täuschung ist. Andere fragen sich, ob es eine spezifische Psychopathologie für Kinder von Überlebenden gibt. Noch andere behaupten, dass die Nachkommen, sowie die Holocaustüberlebenden selbst, solch eine heterogene Gruppe sind, dass sich jegliche Generalisierung verbietet…

Von Natan Kellermann, AMCHA
Übersetzt von Anna Jaitner. Quelle: Kellermann, Natan P.F. (2001). The Long-term Psychological Effects and Treatment of Holocaust Trauma. Journal of Loss and Trauma. 6:197-218.

s.p. 211 Einige Therapeuten nehmen an, dass es unmöglich ist, in einer Familie von Holocaustüberlebenden aufzuwachsen, ohne einige der emotionalen Narben der Eltern zu absorbieren. Forscher stimmen mit dem jedoch nicht überein, indem sie aufzeigen, dass Nachkommen im Allgemeinen keine oder sogar weniger Symptome der Psychopathologie aufweisen, als Vergeichsgruppen.

Tatsächlich wurde erst kürzlich nahegelegt, dass das Vermächtnis des Holocaust die persönlichen Lebensläufe der Nachkommen in einer positiven Weise beeinflusst hat, indem dieser bedeutsamer wird und das Mitgefühl für menschliche Leiden ansteigt. Wenn Nachkommen von Holocausüberlebenden die 50 erreichen (45-55, wenn sie zwischen 1945 und 1955 geboren wurden), erwägen sie die Auswirkungen des Holocaust auf sich selbst und ihr Leben, besonders bzgl. Ihrer eigenen elterlichen Einflüsse, was dann die „3. Generation“ betrifft. Während der letzten Jahrzehnte ist die Menge der Literatur über transgenerationale Übertragung von Holocausttraumata gestiegen und erreichte das einzigartige psychologische Wissen von mehr als 400 Publikationen. Dieses Wissen entwickelte sich in einer kumulativen Form , ähnlich wie das der meisten psychologischen Forschungen: von Beobachtung zu Verallgemeinerung zu Theoretisierung, welche die empirische Forschung weitgehend stimuliert hat.

Die Übertragung von Holocausttraumata der Eltern auf ihre Nachkommen differieren zwischen „direkter und spezifischer“ Übertragung (ein mentales Syndrom in dem überlebenden Elternteil führt direkt zu dem selben spezifischen Syndrom in dem Kind) und „indirekter und allgemeiner“ Übertragung (eine Störung im Elternteil macht diesen unfähig, sich als Eltern zu verhalten, was indirekt zu einem allgemeinen Gefühl von Deprivation auf Seiten des Kindes führt). Während eine solche Unterscheidung valide erscheint, werden Aspekte im Prozess der Übertragung, welche mehr oder weniger „offen oder versteckt“, „manifest oder stillschweigend“ und „bewusst oder unbewusst“ sind, nicht genügend ausdifferenziert. Des weiteren gelingt es nicht, die Etiologie der Übertragung (oder die angenommene Ursache) von der Manifestation der Übertragung (oder den angenommenen Auswirkungen) eindeutig abzugrenzen. Offenbar gibt es noch keinen Konsens darüber, wie dieses Gebiet definiert werden kann. Einige reduzieren es auf seine deskriptive Bedeutung, andere beziehen Erklärungen ihrer Etiologie mit ein.
Um solch eine Ambiguität zu reduzieren, werde ich hier zwischen dem Prozess der Übertragung (wie das Trauma von einer Generatione zu der nächsten weitergegeben wurde) und dem Inhalt der Übertragung (was wirklich übertragen wurde) differenzieren. Ersteres würde die angenommenen Ursache der Übertragung beinhalten bezogen auf das, was die Eltern mit ihren Kindern gemacht haben s.p. 212 und Letzteres würde die Auswirkungen beinhalten, bzgl. Der psychologischen Reaktionen des Kindes.
Während beide Perspektiven anscheinend sowohl direkte, als auch indirekte (sowie auch spezifische und allgemeine) Aspekte miteinbeziehen, ist die grundlegende Unterscheidung von elterlichen Einflüssen und kindlicher Reaktion essentiell, um den kompexen Theorien und verfügbaren Forschungsergebnissen einen Sinn zu geben.

Prozess der Transmission

Wie tritt transgenerationale Übertragung auf? Wie erfolgt die Vermittlung von einer Generation zur nächsten? Der intergenerationale Mechanismus von Übertragung in Kulturen war immer ein zentrales antropologisches Postulat und auch das Aussterben von sozialen Normen und Glaube von Generation zu Generation wird in der Sozialpsychologie ausführlich thematisiert. Es wird angenommen, dass der Mechanismus der Übertragung ein sehr facettenreicher Prozess ist, welcher eine große Anzahl von offenen und verdeckten Arten von Eltern-Kind Lernprozessen miteinbezieht, sowie Internalisation, Projektive Identifikation, Modellernen, Sozialisation und stellvertretendes Lernen. Offensichtlich scheint dies einerseits indirekt durch implizite Einflüsse in der frühen Kindheit, andererseits direkt durch die Kommunikationsstile, Erziehung, Übungen und Interaktion zwischen den Eltern später im Leben beeinflusst zu werden.

Die Übertragung von Traumata kann somit wie eine Art subtiler elterlicher Vermittlungsprozess abgesehen werden, durch den die psychologische Last der Überlebenden auf irgendeine Weise auf ihre Kinder übertragen wird, angefangen im Säuglingsalter, weiter durch die Kindheit, Jugend, das Erwachsenenalter und darüber hinaus. Solch eine indirekte und oft unbewusste Übertragung von Holocausttraumata wird in verschiedenen psychoanalytischen Ausdrücken beschrieben als „Das Erinnern des Unbekannten“ (Fresco, 1984), als ein „Schrei stummer Kinder“ (Kogan, 1995) oder als Gefühl, wie „Gedächtniskerzen in Holocaustumhang“ angesehen zu werden (Wardi, 1992, p.40). Es wurde also angenommen, dass Traumata durch einen unbewussten Identifikationsprozess und durch das Misslingen von Selbst-Objekt-Unterscheidung übertragen werden. Daraus resultierend empfinden die Kinder ein Bedürfnis, in der Holocaustvergangenheit ihrer Eltern zu leben (Kogan, 1995, p.26). Ähnlich erklärten auch Auherhahn und Laub (1998) wie „das massive psychische Trauma die internale Repräsentation die Realität formt und wie es ein unbewusster organisierender Grundsatz wird, der von den Eltern auf die Kinder übertragen und von denen internalisiert wird“ (p.22).

Interessanterweise enthalten eine Reihe von stillschweigenden Einflüssen nicht so sehr das, was holocaustüberlebende Eltern mit ihren Kindern gemacht haben, also die tatsächliche Erziehung, sondern eher wie sie sich als inadäquate Rollenmodelle verhalten haben. Offensichtlich schließt kindliche Sozialisation sowohl das Lernen von dem elterlichen Handeln als auch das ihrer Einstellungen mit ein. Das Aufwachsen mit gequälten Eltern selbst muss eine Art kumulatives Trauma für das Kind gewesen sein, welches stillschweigend die Störungen der Eltern absorbiert hat. Gemäß Shoshan (1989) wird lediglich auf Grund ihres Zusammenlebens „die Depression, die durch das Trauma der Eltern und ihren Anstrengungen dies zu unterdrücken entsteht, auf die Kinder übertragen“ (p.198).

Durch die übertriebenen Sorgen der ängstlichen Eltern kann ein vager Sinn einer drohenden Gefahr geschaffen und übermittelt werden. Tatsächlich hatten viele Eltern, die mit der Trauer um ihre immensen Verluste beschäftigt waren, häufig Schwierigkeiten, auf ihre Kinder in einer adäquaten Art und Weise einzugehen. Außerdem nahmen viele eltern an, eine ökonomische Sicherheit sei wichtiger, als emotionales Wohlergehen. Nichtsdestoweniger wurden diese Familien als ein sehr geschlossenes, in sich verstricktes System beschrieben, in dem beide Seiten darauf bedacht sind, den anderen von den schmwerzvollen Erfahrungen abzuschirmen, indem sich die Eltern gegenüber ihren Kindern vollkommen verpflichtet fühlen und die Kinder um die Fürsorge ihrer Eltern sehr besorgt sind. Durch gegenseitige Identifikation sehen sich Eltern als würden sie stellvertretend in ihren Kindern leben wodurch so die Kinder stellvertretend die erschreckende Vergangenheit ihrer Eltern durchleben. In Anbetracht solch starker interpersonalen Familiendynamiken ist es nicht überraschend, dass Probleme bzgl. Individualisierung, Trennung und Bindung häufig auftreten.

Empirische Forschung über den Prozess der Transmission legt den Fokus weitgehend auf das von den Nachkommen wahrgenommene überbeschützende elterliche Verhalten. Im Gegensatz zu den Annahmen den oben beschriebenen Studien entwickelt sich ein vieldeutiges Bild über den Zustand von parentalen Holocaustüberlebenden. Einerseits berichten einigen Studien über einen erhöhten Grad an Aufdringlichkeit, überbeschützendem Verhalten, Mangel an Differenzierung, und Rollenkonfusion, welche die 2. Generation daran gehindert haben könnte, eine gesunde Unabhängigkeitsentwicklung zu durchleben.

Andererseits fanden andere Studien keine signifikanten Unterschiede zwischen Kindern von Holocaustüberlebenden und anderen Kindern bzgl. Der Einstellungen zu ihren Eltern. Kellermann (2001a) fand in einer erst kürzlich durchgeführten Studie über elterliches Verhalten von Holocaust-überlebenden, dass israelische Kinder von Überlebenden ihre Eltern allgemein in einem positiven Licht sehen. Ausserdem zeigte sich, dass die Unterschiede zwischen Holocaust überlebenden und anderen israelischen Eltern bzgl. Zuneigung, Bestrafung und über-beschützendem Verhalten sehr klein erscheinen. (if taken as a whole?, S.214).

Trotz ihrer Hingebung und weitgehend erfolgreichem Verhalten in der Kindeserziehung werden Holocaust überlebende als unfähig angesehen zu verhindern, dass der Holocaust eine signifikante Einwirkung auf ihre Nachkommen hat. In Anlehnung an die Funde dieser Studie hat die Vergangenheit der Eltern weiterhin einen starken Einfluss auf die individuelle Entwicklung der Nachkommen, welche spüren, dass sie den inneren Schmerz ihrer Eltern in sich absorbieren. Es scheint, als ob sie eine Art emotionale Last ihrer Eltern auf sich selbst übernommen haben welche einen grossen Einfluss auf ihr Leben hatte. Beschrieben als „Rollen-Umkehr mit den Eltern“, Verstrickung, „Eltern-Kind-Rollendiffusion“ oder „elterliches Kind“, scheint der „Übertragungsfaktor“ in solchen Familien eine der wichtigsten Charakteristika der Eltern-Kind Beziehung zu sein.

Content der Transmission

Was wurde von Eltern, die den Holocaust überlebten, auf ihre Kinder übertragen? Was sind die Charakteristika von Traumata, wenn es solche gibt, die bei den Kindern von Überlebenden beobachtet werden können? In der klinischen Literatur wird häufig die Annahme geäussert, dass eine „zweite posttraumatische Stress-Störung“ übertragen wird, ausgehend von dem Wissen, dass viele Holocausüberlebende an PTSD leiden und somit ihre Nachkommen an einem Syndrom mit ähnlichem, jedoch leicht vermindertem Ausmaß leiden werden (Barozas et al)

Beim freien Assoziieren über den Holocaust zeigte sich, dass die Nachkommen scheinbar stellvertretend von den entsetzenden Erfahrungen ihrer Eltern traumatisiert waren, obwohl sie selber keine direkten Erlebnisse mit diesem Thema hatten. Es wurde angenommen, dass solch eine direkte „Transposition“ (Kestenberg, 1982) eines Traumas ererbt, vom Kind absorbiert oder zugezogen wird, als ob der Verfolgungskomplex der Eltern ansteckend wäre und die Nachkommen über mehrere Generationen hinweg infizieren würde. Wie eine Übertragung (Carry over) der Vergangenheit wurde dieses Trauma vermutlich verleugnet oder „vergessen“, trotzdem wurde angenommen, dass dieses in emotional labilem oder gereiztem Verhalten Ausdruck findet. Wenn Kinder also lernen, solche gestörten Verhaltensweisen zu zeigen, die ähnlich zu denen ihrer Eltern sind, zeigt sich eine direkte Transposition einer distinkten Störung (wie das KZ-Syndrom, PTSD, Depressionen oder allgemeine Angststörungen). Auch kann ein „Jahrestag Syndrom“ auftreten, an welchem die Nachkommen das Trauma ihrer Eltern oder sogar Grosseltern zu dem Zeitpunkt „nacherleben“, an dem sie sich im ähnlichen Alter oder am gleichen Tag befinden, an dem das eigentliche Trauma Jahre zuvor stattgefunden hat.

Das Thema mit den grössten Unstimmigkeiten zwischen klinischen Psychologen und Forschern stellt die Frage nach der Existenz oder Nichtexistenz von spezifischen oder allgemeinen Manifestationen in der Psychopathologie der Nachkommen von Holocaustüberlebenden dar. Während Psychotherapeuten eine Reihe von charakteristischen Manifestationen von emotionalen Qualen beobachten und beschreiben, gelang es Forschern nicht, diese Beobachtungen mit objektiveren und reliableren Instrumenten zu bestätigen. Ein aktueller Überblick (Kellermann, 2001b) über die empirische Forschung des Umfangs von Transmission macht den Versuch, frühere Funde über den mentalen Zustand der Kinder von Holocaustüberlebenden mit aktuellen zu verbinden. Bei der Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Studien misslang es den meisten, die Annahme zu bestätigen, dass die Nachkommen von Holocaustüberlebenden im Vergleich zu Kontrollgruppen eine höhere Rate an Psychopathologie vorweisen. 2/3 dieser Studien fanden keine oder nicht signifikante Unterschiede bzgl. der mentalen Gesundheit von Nachkommen von Überlebenden verglichen mit Kontrolgruppen. Lediglich 1/3 dieser Studien fanden Unterschiede in einigen Messungen.

Wie erwartet wurden in den Studien über die nichtklinischen Gruppen keine höhere Anzahl von Psychopathologie unter den Nachkommen gefunden. Unter den Nachkommen in der klinischen Gruppe ist es weniger überraschend, dass Zeichen von psychologischen Störungen in einer Reihe von Studien vorgewiesen werden konnten. Diese Studien wiesen darauf hin, dass die klinische Gruppe der Kinder von Holocaust überlebenden im Vergleich mit anderen Personen mit emotionalen Problemen einige spezifische Charakteristika vorzuweisen schienen. Diese beinhalten hauptsächlich Schwierigkeiten im Umgang mit Stress (Coping) und eine höhere Anfälligkeit für PTDS. Interessanterweise stimmen empirische Studien mit klinischen Gruppen bei Vergleichen von Kindern von Überlebenden mit anderen Gruppen weitgehend mit der umfassenden Anzahl von deskriptiven Studien überein. Die Ergebnisse zeigen, dass in der ersten Gruppe spezifischen Manifestationen psychiatrischer Symptome zu beobachten waren.

Die obige Differenzierung zwischen klinischen und nichtklinischen Nachkommen hat die Redundanz der früheren Ungleichheit zwischen Klinikern und Forschern vorgewiesen. Jedoch, auch wenn sich die 2. Generation allgemein nicht von anderen bzgl. Anzeichen von Psychopathologie unterscheidet, manifestiert sich ihre latente Anfälligkeit für psychologische Störungen nach gehäuften Stresssituationen mehr und mehr (Dasberg, 1987). So scheinen die Nachkommen von Holocaustüberlebenden eine sich widersprechende Mischung aus Verwundbarkeit und Elastizität zu erleben, welche ähnlich ist zu der ihrer Eltern. Ausgezeichnete Beschäftigung, soziale und emotionale Tätigkeit unter normalen Umständen können von temporären Zuständen von Angst und Depression unterbrochen werden, welche in Krisenzeiten einen klaren „Holocaustbeigeschmack“ haben können.
Im letzten Jahrzehnt wurden in einer Reihe von Studien solche Anzeichen spezifischer Vulnerabilitäten bei Nachkommen von Holocaustüberlebenden gefunden.

Behandlung der 2. Generation

In der Literatur sind eine Reihe von Behandlungsmethoden zu finden, welche auch bei AMCHA angeboten werden, um die mentalen Schwierigkeiten der Kinder von Holocaustüberlebenden zu lindern. Die meisten Prozeduren schließen Wege mit ein, die Klienten zu ermutigen, Gefühle, Gedanken und Assoziationen frei auszudrücken, welche bis dahin weitgehend verborgen waren.

Aufgrund der Tatsache, dass viele Nachkommen von Holocaustüberlebenden nur ein vages Bewusstsein über den Einfluss des Holocaust auf ihr Leben besitzen, sind viele unfähig, eine passende Erklärung für ihren scheinbar unberechtigten Ärger, ihre Angst und Depressionen zu finden. Häufig wird deshalb psychoanalytisch orientierte Psychotherapie angeboten, um zu erreichen, dass der un- oder vorbewusste Prozess wahrgenommen werden kann, der die Übertragung des Traumas von einer Generation zur nächsten vorantreibt.

Manchmal wird Individualtherapie mit analytischer Gruppentherapie kombiniert. Aber auch innerhalb der Gruppentherapie stellt eine Reihe von Orientierungen bereit, wie expressive Formen von Musik, Kunst, Psychodrama und Bibliographie. Der übliche Aspekt dieser Herangehensweisen ist dieser, dass die Kinder von Überlebenden Möglichkeiten bereitgestellt bekommen, einen Einblick in die Wurzeln ihrer Probleme wahrzunehmen, was gefolgt wird von einem allmählichen Prozess des Durcharbeitens und der Reintegration des Problems. Die Methode der Gruppentherapie stellt ein für die Kinder von Überlebenden passendes Setting dar, um Erfahrungen zu vergleichen, sich so akzeptiert zu fühlen, wie sie sind und um eine Identität der „2. Generation“ zu entwickeln.

Da ein großer Teil der Probleme der 2. Generation aus Konflikten um ein „Verwobensein“ (enmeshment) bestehen, ist es ein Hauptanliegen der Therapie, bei der Lösung von den Eltern und dem Finden der eigenen Identität zu helfen. Wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kindern so eng ist, dass es unmöglich erscheint, die Gefühle des Anderen wiederzugeben, ist professionelle Hilfe erforderlich, um solch eine Unterscheidung zu lernen. Wenn Kinder demnach fühlen, dass sie mit der Umgebung ihrer Holocaustüberlebendenfamilie nicht mehr umgehen können, bedarf es der Hilfe, ihr Elternhaus, sowohl in der Realität als auch in der Fantasie, verlassen zu können. Wie bereits beschrieben wurde ist dies leichter gesagt als getan. Besonders in Familien, welche viele traumatische Verlusste erleiden mussten und so viele Hoffnungen und Erwartungen in die Nachkommen gesteckt wurden, stellt dies eine größe Schwierigkeit dar.

Aufgrund dessen brauchen viele Patienten der 2. Generation intensive Hilfe und Unterstützung, um solch einen Identifikationsprozess Schritt für Schritt zu beschreiten.
Gleichzeitig versuchen sie auch, sich von den lästigen, dunklen Einflüssen der Holocausttraumata zu befreien, welche bei den Kindern von Überlebenden häufig wiederkehren.

„Siegel der Erinnerung“:
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Dina Wardi:
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Schlussfolgerung/Abschluss

AMCHA hat ein reichhaltiges und einzigartiges Wissen über die Spätfolgen von Holocausttraumatisierung und intergenerationaler Übertragung entwickelt. Dieses Wissen beschränkt sich nicht nur auf die Therapie von Holocausttraumatisierung, sondern kann auch darüber hinaus angewand werden, wie z.B. bei der allgemeinen Behandlung von Nachkriegsfolgen. Ob in Kambodscha, Ruanda, Bosnien oder anderswo, Opfer von Gewalt an verschiedenen Orten der Welt könnnen von den gesamten Erfahrungen von AMCHA profitieren. Dies bezieht sich nicht nur darauf, wie die Überlebenden selbst mit psychosozialer Langzeittherapie unterstützt werden können, sondern auch auf die Behandlung ihrer Nachkommen, als auch auf Personen mit einer sekundären Traumatisierung.