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Die Narben der Gewalt: Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden

Dieses Buch ist die Frucht von zwanzig Jahren Forschung und praktischer Arbeit mit Opfern von sexueller und häuslicher Gewalt und spiegelt auch die vielfältigen Erfahrungen mit zahlreichen anderen traumatisierten Patienten wider, vor allem mit Kriegsveteranen und Opfern von politischem Terror…

Es ist ein Buch über die Wiederherstellung von Verbindungen: Verbindungen zwischen öffentlichen und privaten Welten, zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen Mann und Frau. Es ist ein Buch über Gemeinsamkeiten: zwischen Vergewaltigungsopfern und Kriegsveteranen, zwischen mißhandelten Frauen und politischen Gefangenen, zwischen den Überlebenden der riesigen Konzentrationslager, errichtet von Tyrannen, die über Völker herrschten, und den Überlebenden der kleinen, versteckten Konzentrationslager, errichtet von Tyrannen, die über ihre Familie herrschen.

Wer Furchtbares durchlebt hat, leidet unter bestimmten vorhersehbaren psychischen Schäden. Das Spektrum traumatischer Störungen reicht von den Folgen eines einzigen überwältigenden Ereignisses bis zu den vielschichtigen Folgen lang anhaltenden und wiederholten Mißbrauchs. Gängige diagnostische Kategorien, insbesondere die häufig bei Frauen diagnostizierten schweren Persönlichkeitsstörungen, berücksichtigen im Allgemeinen zu wenig, was es bedeutet, wenn ein Mensch zum Opfer geworden ist.

Im ersten Teil des Buches wird das Spektrum menschlicher Reaktionen auf traumatische Ereignisse beschrieben, im zweiten Teil wird der Verlauf des Heilungsprozesses geschildert und ein neues Konzept für die Psychotherapie von traumatisierten Patienten entwickelt. Aussagen von Opfern und Fallbeispiele aus der umfangreichen Literatur illustrieren die Besonderheiten traumatischer Störungen und die Prinzipien der Behandlung. Dieses Buch gehört in den USA seit Jahren zu den wichtigsten und zugleich erfolgreichsten Büchern aus dem Bereich der Psychotraumatologie. Die deutschsprachige Ausgabe war zuerst bei Kindler erschienen.

Herman, Judith:
Die Narben der Gewalt – Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden
Originaltitel: Trauma and Recovery, 3. Auflage, 2010, aus der Reihe „Konzepte der Psychotraumatologie“. Herausgegeben von Arne Hofmann, Luise Reddemann, Ursula Gast.

Judith Herman ist Professorin an der Harvard Medical School und leitet ein Programm über Opfer von Gewalttaten am Cambridge Hospital. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sie sich mit Opfern von Kindesmißbrauch, Vergewaltigung und häuslicher Gewalt.

Im Nachwort betont sie „Die Dialektik des Traumas setzt sich fort“:
Beim Schreiben des Buches Die Narben der Gewalt hatte ich mir die Aufgabe gestellt, die gesammelten Erkenntnisse der vielen Kliniker, Forscher und politischen Aktivisten zusammenzufassen, die von den psychischen Auswirkungen von Gewalt Zeugnis abgelegt hatten. Außerdem wollte ich einen Überblick über das im Laufe des vergangenen Jahrhunderts immer wieder vergessene und wiederentdeckte Wissen zur Trauma-Thematik referieren. Ich vertrete in meinem Buch die Auffassung, daß die Auseinandersetzung mit psychischen Traumata in ihrem Wesen ein politisches Unterfangen ist, weil sie sich mit der Erfahrung unterdrückter Menschen beschäftigt. Ich habe damals vorausgesagt, daß unser Tätigkeitsbereich auch weiterhin von Kontroversen geprägt sein werde, ganz gleich, wie solide er durch empirische Erkenntnisse untermauert würde, da die historischen Kräfte, die in der Vergangenheit dafür gesorgt hätten, daß wichtige Entdeckungen dem Vergessen anheimgefallen seien, weiterhin in der Welt wirken würden.
In den Jahren, die seit dem Erscheinen der Originalausgabe dieses Buches vergangen sind, ist die Zahl der Gewaltopfer um Millionen angeschwollen. Die unfaßbaren Greueltaten, denen ganze Gemeinschaften in Kriegen in Europa, Asien und Afrika ausgesetzt waren, haben die Welt auf die verheerende Wirkung von Gewalt aufmerksam gemacht und vielen Menschen zu Bewußtsein gebracht, daß psychische Traumata tatsächlich ein weltweites Phänomen sind. Gleichzeitig ist mit dem weitgehenden Verschwinden der Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten im Krieg der politische Charakter der Gewalt gegen Frauen und Kinder deutlicher erkennbar geworden. Die abscheuliche systematische Nutzung der Vergewaltigung als Mittel der Kriegsführung in vielen Teilen der Welt hat vielen das Ausmaß der Entsetzlichkeiten zu Bewußtsein gebracht. Dies hat dazu geführt, daß Vergewaltigungen heute international als Menschenrechtsverletzung gelten und daß Verbrechen gegen Frauen und Kinder (zumindest in der Theorie) als ebenso schwerwiegend wie andere Kriegsverbrechen angesehen werden.
In den USA wurde durch eine Anzahl umfassender Gemeindeuntersuchungen gezeigt, daß sogar in Friedenszeiten Gewalterfahrungen erheblich häufiger vorkommen und weitaus schädlicher wirken, als bislang allgemein angenommen wurde. Man beginnt gerade erst, die dauerhaften Folgen unserer endemischen gesellschaftlichen Gewalt zu erkennen. Beispielsweise hat ein Forscherteam eine sehr ambitionierte Langzeitstudie initiiert, in welcher der Lebensweg einer Gruppe von Mädchen, die in ihrer Kindheit nachweislich sexuellen Mißbrauch erlebt hatten, in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter verfolgt wurde. Diese Studie veranschaulicht in bislang nicht erreichter Deutlichkeit, wie tiefgereifend sich Kindheitstraumata auf die menschliche Entwicklung auswirken. Studien dieser Art verleihen den ohnehin schon massiven Belegen für die hohen Kosten von Gewalt noch mehr Gewicht.
Wie ich in meinem Buch vorausgesagt habe, ist die wissenschaftliche Erforschung psychischer Traumata nach wie vor äußerst umstritten. Viele Kliniker, Forscher und politische Förderer der Arbeit mit Traumatisierten sahen und sehen sich immer wieder heftigen Angriffen ausgesetzt. Doch hat die Traumaforschung die vielfältigen Versuche, sie zu diskreditieren und sie letztendlich „verschwinden“ zu lassen, bisher überlebt. Im Gegenteil sind die wissenschaftlichen Bemühungen um die Erforschung der traumatischen Belastung in den letzten Jahren sogar tatsächlich ausgeweitet worden und haben an Qualität gewonnen. Die Diskussion über die grundsätzliche Frage, ob eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) überhaupt existiert, ist offenbar abgeschlossen. Nach Definition der Umrisse des Feldes ist die Pionierphase beendet, und die Forschungsarbeit ist sowohl technisch differenzierter als auch in mancher Hinsicht alltäglicher geworden. In einer neuen Generation von Untersuchungen wird damit begonnen, unser Verständnis der Wirkung traumatischer Ereignisse zu erweitern und zu präzisieren.
Einige der interessantesten Fortschritte im Bereich der Traumaforschung wurden durch technisch innovative Laborstudien über die biologischen Aspekte von PTBS gewonnen. Mit ihrer Hilfe wurde festgestellt, daß Traumaexpositionen dauerhafte Veränderungen im endokrinen System sowie im autonomen und zentralen Nervensystem bewirken können. Durch neuartige Forschungsansätze wurden komplexe Veränderungen in der Regulierung von Streßhormonen und in der Funktion und sogar der Struktur bestimmter Gehirnbereiche infolge von Traumata entdeckt, und es wurden Abnormitäten insbesondere im Bereich der Amygdala und des Hippocampus gefunden, Hirnstrukturen, durch die eine Beziehung zwischen Angst und Erinnerungsvermögen hergestellt wird.

„Die Texte auf dem hinteren Buchrücken sprechen von einer sensationellen Arbeit, von einem der wichtigsten Psychologie-Bücher, von einem Muss für alle, die sich mit komplexen Traumatisierungen beschäftigen und ich kann dem nur beipflichten.
Das Buch ist extrem fachlich, extrem persönlich, extrem gut lesbar und gibt einem die Möglichkeit, wirklich das Wirken des Traumas auf uns Menschen und unsere menschliche Gemeinschaft und die Wege der Heilung kennen zu lernen und zu verstehen. Das Buch ist herausfordernd, unmittelbar beginnt man, die eigene Praxis in Beratung und Therapie zu hinterfragen und neu zu konzeptionalisieren. Das Buch ist nun in der zweiten Auflage erschienen, ich bin sicher eine dritte wird folgen.“

– SpielRäume

„Dass Wissenschaft sich in einer narrativen Weise vorstellt, hat Seltenheitswert. Judith L. Herman, Professorin an der Harvard Medical School, hat diesen außergewöhnlichen Weg gesucht. Es macht Freude, ihrer Erzählweise zu folgen. Denn es vermittelt Leichtigkeit im Angesicht eines existenziellen Leidens.“
– Psychiatrische Pflege Heute

„Das Buch sollten alle lesen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten.“
– AKF-Literaturdienst

„Die Autorin schildert den Heilungsprozess und zeigt auf, dass gängige diagnostische Kategorien, insbesondere schwere Persönlichkeitsstörungen oft zu wenig berücksichtigen, was es bedeutet, wenn ein Mensch zum Opfer wird. Die Kenntnisse dieser Zusammenhänge sind auch für die Arbeit mit traumatisierten Mobbing-Opfern sehr hilfreich.“
– MobbLetter

„Der Klassiker zum Verstehen und Überwinden der Folgen (sexueller) Gewalt. Wiederauflage der lange vergriffenen, 1992 erschienenen bahnbrechenden, brillanten Analyse der amerikanischen Psychiaterin.“
– EMMA

„Eine sensationelle Arbeit – ein Klassiker für unsere Generation.“
– Prof. Bessel van der Kolk, Mit-Herausgeber des Buches „Traumatic Stress“

„Eines der wichtigsten Psychologie-Bücher seit Freud.“
– New York Times

„Hermans Buch ist ein >>MUSS< < für alle, die sich mit komplexen Traumatisierungen beschäftigen. Judith Hermans Empfehlungen sind auch nach 10 Jahren gültig und wegweisend.“
– Dr. Luise Reddemann, Autorin des Buches „Imagination als heilsame Kraft“

„Das Buch von J. Herman ist eines der wichtigsten und gleichzeitig lesbarsten Bücher der modernen Traumaforschung. Es sollte in allen universitären Seminaren zum Thema >>psychische Traumatisierungen< < zur Pflichtlektüre gehören.“
– Dr. Arne Hofmann, Universität Köln

„Mit klarem Blick für die Bedeutung gesellschaftlicher Einflüsse auf wissenschaftliche Erkenntnisse, mit präzisem psychiatrischen und psychotherapeutischen Fachwissen und mit hohem Engagement für die Opfer häuslicher, sexueller und politischer Gewalt gelingt Judith L. Herman ein großartiges Buch. Es sensibilisiert für die seelischen Wunden der Betroffenen und zeigt die mühsamen, aber zugleich hoffnungsvollen Wege der Heilung auf.“
– Ursula Gast, Medizinische Hochschule Hannover

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