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„Rufen statt Schreien“: Führung im Katastropheneinsatz

Schnell, Sie müssen da raus, bevor der Tank explodiert!“, schreit ein Helfer am Unfallort. Nicht nur die Verletzte im Auto, sondern auch der Helfer wird von der Extremsituation übermannt. Noch stärker als die Worte beunruhigt die Verletzte der schrille Ton. Denn ganz besonders in Extremsituationen gilt: Das Gehirn orientiert sich als allererstes am Stimmklang oder „Der Ton macht die Musik“…

Stimmcoach Arno Fischbacher trainiert Teams des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK)

Salzburg – München – Wien – “ Grund genug für den BRK-Fachdienst Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) mit dem erfahrenen österreichischen Stimmcoach Arno Fischbacher auch den gezielten Einsatz der Stimme im professionellen Krisenmanagement zu trainieren. Fischbacher plante und realisierte gemeinsam mit dem BRK Berchtesgadener Land ein professionelles Stimmtraining für die Teams der Krisenintervention und des Critical Incident Stress Management (CISM). Vor allem Krisenmanager und psychosoziale Ansprechpartner müssen in der Lage sein, in extremen Momenten des Hilfseinsatzes Stimme, Sprechweise und Tonalität, also ihre unbewusste persönliche Wirkung, zielgerichtet zu nutzen. Trainingsinhalte sind u.a. der Einsatz der Stimme in Extremsituationen, im Gespräch mit traumatisierten Personen, im Notfall-Einsatz, am Telefon sowie der Zusammenhang zwischen Stimme und persönlicher Wirkung bzw. Steuerung der Stimme bei Stress.

„Es war eine tolle Erfahrung, die Facetten der stimmlichen Wirkung zu entdecken. Wir sind alle fasziniert und jetzt sehr motiviert, unsere Stimmen sinnvoll als Hilfsmittel einzusetzen, um Verletzte und Traumatisierte noch gezielter zu unterstützen“, berichtet Daniel Bechtel, Teamleiter des CISM-Teams im BRK Berchtesgadener Land.

Im Ernstfall richtig reagieren

Massenkarambolage auf der Autobahn. Wie setzen die Einsatzkräfte ihre Stimmen jetzt ein, wenn es so viele Beteiligte gibt, die zu versorgen sind und die Hilfe brauchen? Eine wohlklingende Stimme leistet einen entscheidenden Beitrag und trägt zur erfolgreichen Bewältigung dieser Ausnahmesituation bei. „Richtig eingesetzt strahlt die Stimme Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen aus“, betont Stimmcoach Arno Fischbacher. „Gerade in der Krisenintervention und der kollegialen Hilfe (CISM) sind diese Attribute unverzichtbar“, bestätigt Helmut Langosch, verantwortlicher Fachdienstleiter PSNV im BRK Berchtesgadener Land.

Schreien verursacht mehr als nur Heiserkeit

„Schreien ist out. Rufen ist in“, beschreibt Arno Fischbacher einen der Trainingsinhalte. Beim Schreien werden die feinen Stellmuskeln im Kehlkopf für einen Kraftaufwand missbraucht, für den sie nicht geschaffen sind. Das Resultat: Heiserkeit und keine Möglichkeit mehr, Anweisungen zu geben. Schreien verbreitet zudem eher Panik, als dass es motiviert. „Die Spiegelneuronen im Gehirn vollziehen die Bewegungsmuster, Muskelspannungen und damit auch die Emotionen eines Gegenübers nach“, erklärt Fischbacher weiter. Schreien oder Panik sind also ansteckend, steigern den Stress und können schlimmstenfalls sogar den Schockzustand von Verletzten verstärken. Rufen heißt die Alternative! Beim Rufen kommt die Kraft aus dem Zwerchfell, eines der größten Muskelsysteme des Körpers. Richtig aktiviert, ist der erzeugte Ton tragend, laut und kraftvoll, ohne gepresst oder panisch zu klingen. Wenn der Rufende mit den Händen einen Trichter formt, trägt der Ruf noch weiter.

Damit das Gelernte auch nach dem Training greift, setzt Arno Fischbacher unter anderem auf Mental- und Wahrnehmungstechniken wie „Sense Focusing®“ und zeigt, wie auch in der Extremsituation der vertrauenerweckende Eigenton aktiviert werden kann.

Das Kriseninterventionsteam des Bayerischen Roten Kreuzes: Die Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes im Bayerischen Roten Kreuz sind für Menschen da, die nach Unglücksfällen körperlich unverletzt, aber von dem Unglücksfall psychisch stark betroffen sind. Sie geben ihnen Halt, strukturieren die Situation und schaffen Perspektiven. Durch das frühzeitige Fördern einer kognitiven Strukturierung wird wesentlich zu einer prognostisch guten Trauerarbeit und Geschehensverarbeitung beigetragen.

Das Critical Incident Stress Management (CISM) Team
Die Mitarbeiter des CISM-Teams im Bayerischen Roten Kreuz bieten kollegiale Hilfe für betroffene Einsatzkräfte. Die Stressbewältigung für Einsatzkräfte, international als Critical Incident Stress Management (CISM) bezeichnet, setzt bereits im Vorfeld möglicher „Stress-Szenarien“ an und will besonders traumatischem Stress vorbeugen, diesen lindern, die Erholung beschleunigen und somit die Gesundheit und das Wohlbefinden der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden erhalten. Die dabei angewandten Methoden entsprechen einer fachlich unterstützten und supervidierten kollegialen Beratung und sind eine gute ressourcenorientierte Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei bilden unter anderem acht verschiedenartige Stress-Managementangebote einen ganzheitlichen Ansatz.

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