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Alkoholismus: Pharmakologische Unterstützung bringt Erfolge

In Deutschland sind mehr als 4 Millionen Menschen alkoholabhängig oder betreiben einen schädlichen Alkoholmissbrauch. Die Alkoholabhängigkeit zählt somit hierzulande zu den häufigsten Abhängigkeitserkrankungen. Dabei ist jeder Alkoholkonsum, der zu körperlichen, seelischen und sozialen Schäden führt, ein Missbrauch und kann eine Abhängigkeit zur Folge haben…

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt die Risikogrenze für Gesundheitsschäden für Männer bei 40 Gramm Alkohol pro Tag (entspricht 0,4 l Wein oder 0,8 l Bier) und für Frauen bei 20 Gramm Alkohol pro Tag (entspricht 0,2 l Wein oder 0,4 l Bier). Alkoholabhängigkeit ist eine chronische Krankheit und im medizinischen Sinne nicht heilbar. Es gibt jedoch verschiedene Therapiemaßnahmen, deren gemeinsames Ziel eine lebenslange Alkohol-Abstinenz bei möglichst langer Rückfallfreiheit ist.

Alkohol-Entzug unter pharmakologischer und psychotherapeutischer Betreuung

Die Behandlung beginnt mit dem unter ärztlicher Aufsicht durchgeführten akuten Entzug, dem sich eine psychotherapeutisch-psychiatrische und umfassende sozialmedizinische Langzeitbehandlung anschließt. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit einer medikamentösen Rückfallprophylaxe. Hierbei kommt den so genannten „Anti-Craving-Substanzen“ eine besondere Bedeutung zu. Sie unterdrücken das heftige Verlangen nach Alkohol (Craving) und unterstützen so die Therapie.

Neues Medikament hilft abstinent zu bleiben und die Kontrolle zu behalten

Neben zb Acamprosat ist seit 2010 auch ein Naltrexon-Präparat (Adepend®) zur Reduktion des Rückfallrisikos, Unterstützung der Abstinenz und Minderung des Verlangens nach Alkohol als Teil einer umfassenden Therapie bei Erwachsenen in Deutschland rezeptpflichtig zugelassen. Naltrexon besetzt Rezeptoren im Gehirn, die für das subjektiv belohnende Gefühl nach Alkoholkonsum verantwortlich sind. Die Wirksamkeit dieser Anti-Craving-Substanz ist durch mehrere wissenschaftliche Studien belegt. Die Behandlungsdauer ist je nach Patient sehr verschieden, sollte jedoch bei mindestens 3 Monaten liegen. Bereits 30 bis 40 Minuten nach der ersten Einnahme der 1x täglich einzunehmenden Tablette kann die Wirkung einsetzen. Naltrexon selbst führt weder zu einer psychischen noch zu einer körperlichen Abhängigkeit, so dass auch nach dem Absetzen des Medikamentes keine Entzugssymptome auftreten. Es ist außerdem gut verträglich und weist keine direkte Wechselwirkung mit Alkohol auf – kann und soll also auch im Falle eines Rückfalls weiter eingenommen werden.
Lediglich zu Beginn der Therapie kann es möglicherweise vorübergehend zu Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen kommen, die aber gut mit anderen Medikamenten zu behandeln sind. Naltrexon kann Alkoholabhängige darin unterstützen, abstinent zu werden, ist aber immer Teil einer umfassenden Therapie und stellt keinen Ersatz für psychotherapeutische und sozialmedizinische Maßnahmen dar.

Ob eine Behandlung Erfolg hat, hängt natürlich vom Willen der Betroffenen ab, lebenslang auf Alkohol zu verzichten. Voraussetzung ist, dass diese sich selbst und anderen ihre Sucht eingestehen und sie als Krankheit annehmen. Selbsthilfegruppen sowie die Unterstützung durch Familie und Freunde stellen eine zusätzliche große Hilfe für den Therapieerfolg dar. Suchtberatungsstellen, psychosoziale Beratungsstellen, das Gesundheitsamt und natürlich der Hausarzt sind erste Anlaufstellen für Hilfesuchende und vermitteln unter Wahrung der Persönlichkeit und auf Wunsch auch anonym die passende Therapie.

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