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Psychotherapie und Diagnose: Depression

Depressionen sind sehr häufig, dies gilt sowohl für die unipolare (nur depressive) als auch die bipolare (manisch-depressive) Form der Störung. Dabei werden bipolare Depressionen häufig fälschlich als unipolare Depression diagnostiziert. Die Ursache dafür dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Patienten mit bipolarer Depression eher während einer depressiven Phase als während einer eventuellen hypomanischen oder auch manischen Phase Hilfe suchen. Auf der anderen Seite wird der Hausarzt eher selten sich die Mühe machen, bei einer vorliegenden Depression nach hypomanischen oder manischen Phasen in der Vorgeschichte zu fragen…

Weit über 30% der mit unipolarer Depression diagnostizierten Patienten reagieren nicht oder nur teilweise auf eine Behandlung mit Antidepressiva. Bei ca. 10% der als unipolar depressiv diagnostizierten Patienten findet sich eine bipolare Störung. Eine genauere Evaluation kann häufig Klarheit verschaffen. Besonders zu beachten sind das Alter beim ersten Auftreten, frühere Behandlungsversuche – haben Antidepressiva den Zustand eventuell schon einmal verschlechtert oder gab es eine Art paradoxer Reaktion, was sagt die Familiengeschichte… Dabei haben sich bestimmte Techniken im Patientengespräch bewährt. Z.B. die Frage nach dem eindrucksvollsten Hochgefühl, das jemand erlebt hat, oder auch nach dem bekannten Tiefpunkt. Nach Hypomanie oder Manie kann gezielt, wenn auch verklausuliert, gefragt werden. Eine gute Möglichkeit ist natürlich auch ein Stimmungsfragebogen der dem Patienten eventuell schon im Wartezimmer übergeben werden kann.

Auch wenn es heute noch so ist, dass bipolare Depressionen eher zu selten diagnostiziert werden, kommt es auch vor, dass eine unipolare Depression fälschlicherweise als bipolare Depression behandelt wird. Manche Experten sprechen deshalb nicht mehr von einer Unter- sondern bereits von einer Über-Diagnostik bipolarer Störungen.

Eine weitere Komplikation stellen zusätzliche Störungen dar (Komorbidität). Patienten mit bipolarer Depression leiden häufig auch an Angstsymptomatik, auch psychotische Symptome paranoid / schizophrener Art können auftreten. Man unterscheidet bipolare Störungen vom Typ eins und vom Typ zwei. Der Zyklus kann kürzer oder länger sein. In der Anamnese kann ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS), eventuell in der Frühgeschichte, vorliegen oder übersehen worden sein. Auch Suchterkrankungen werden häufig nicht berichtet.

Es ist klar, dass vor der richtigen Behandlung, erst einmal die richtige Diagnose stehen muss. Dies kann umso notwendiger werden, je mehr neue und unterschiedliche therapeutische psychopharmakologische Regimens zur Verfügung stehen. Verstärkt diskutiert wird zur Zeit beispielsweise die Behandlung von Depressionen mit Neuroleptika der zweiten Generation.

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