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PTBS: 70% der Kinder in Sderot traumatisiert

Nach einer Studie von „Natal“, einem Traumazentrum für Terror- und Kriegsopfer, leiden 70% der Kinder in der Stadt Sderot, die in den letzten Jahren von Tausenden Raketen getroffen wurde, unter zumindest einem Symptom für klinischen Stress. Ein Drittel aller Einwohner Sderots leiden unter Angstzuständen und haben Probleme, ihren Alltag zu bewältigen…

Der Natal-Report besagt, dass 50% der Kinder in Sderot ihr Trauma immer wieder erleben, und 41% unter Übererregung leiden – sie stehen ständig unter Anspannung, und jeder kleine Lärm versetzt sie in Panik. Zwanzig Prozent der Kinder leiden unter allen Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung und 12% unter schweren Problemen, ihren Alltag zu meistern.

„Sie spielen nicht mehr, interessieren sich nicht mehr für ihre Umgebung, koppeln sich von ihren Freunden und der Schule ab“, erklärt Professor Marc Gelkopf, der dem Natal-Forschungsteam vorsteht. „Wir haben nun herausgefunden, dass zwischen den Symptomen der Eltern und denen der Kinder ein Zusammenhang besteht. Dies zeigt, wiewichtig Familientherapien sind.“

Die Studie, an der 581 Erwachsene und 570 Kinder beteiligt waren, zeigte, dass einer von drei Einwohnern unter der Erkrankung leidet, und dass einer von sieben Schwierigkeiten hat, aufgrund von Angstzuständen seinen Alltag zu bewältigen.

„Menschen mit posttraumischen Belastungsstörungen wachen mitten in der Nacht wegen Albträumen auf“, erklärt Gelkopf. „Sie haben Angst, sich zu weit von ihren bewehrten Räumen zu entfernen oder Orte aufzusuchen, die sie an die Gefahr erinnern.“

Trotz der relativen Ruhe der letzten Zeit, hat Natal herausgefunden, dass beinahe 30% der Einwohner sich bedroht fühlen. Weitere 23% nehmen Medikamente gegen Depressionen oder Angstzustände oder Schlaftabletten.

Um die 6.400 Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen werden im städtischen Gesundheitszentrum in Sderot behandelt. 3.500 Kinder und 500 Lehrer und Mitarbeiter werden in den Schulen psychologisch betreut. Das „Resilience Center“, das Beratung anbietet, behandelt jedes Jahr 400 Patienten, die meisten davon Kinder und Teenager – und die Warteliste für die Behandlung wird immer länger.

„Besonders wenn es äußerlich ruhiger wird, fangen die Menschen an, innerlich Unruhe zu spüren“, so Hila Barzilay, die das „Resilience Center“ leitet. „Zu uns kommen Kinder mit ernsthaften motorischen Störungen, Kinder, die jahrleang nicht mehr draußen gespielt haben.“

Ynet, 11.07.11, Newsletter der israelischen Botschaft

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