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Strategiewandel für Kinder psychisch Kranker: Diagnosekarte verbessert Stärkung vorhandener Ressourcen

Vorsorge ist die bessere Alternative zur Therapie für Kinder psychisch kranker Eltern. Einen praktikablen Ansatz dafür haben nun Forscher vom Ilse Arlt Institut der FH St. Pölten entwickelt…

ptehttp://www.fhstp.ac.at – Er zielt darauf ab, vorhandene Schutzfaktoren von betroffenen Kindern systematisch zu erkennen und gezielt zu fördern. „Ein positiver Zugang macht es viel leichter, diese oft vergessene Gruppe von leidenden Kindern zu erreichen“, erklärt die Projektleiterin Christine Haselbacher im pressetext-Interview.

Unsichtbares Leid

Wie viel Kinder psychisch kranker Eltern mitmachen, ist im Alltag meist unsichtbar, betont Haselbacher. „Es ist für sie oft unverständlich, wenn etwa die Mutter den ganzen Tag das Bett nicht verlässt und aufgrund von Stimmungsschwankungen zuerst übermäßig viel Liebe erweist, dann in Apathie verfällt. Fragezeichen stehen im Raum und Schuldgefühle oder Phantasien erhalten freien Lauf, die oft schlimmer sind als die Wahrheit selbst. Viele werden von großen Sorgen über das eigene Leben oder das der Eltern geplagt.“

Was davon nach Außen dringt, sind meist spontane Änderungen im Verhalten – plötzlicher Rückzug, Wechsel im Spielverhalten, Leistungsabfall bei Schülern und bei Jugendlichen sogar Depression bis Selbstverletzung. Das frühe Erkennen dieser Signale ist entscheidend, haben die St. Pöltner Forscher im Rahmen des EU-Projekts „Kids Strengths“ ermittelt (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20100526003 ). Die Forderung, statt Therapie schon im Vorfeld Prävention zu leisten, scheiterte bisher oft an fehlenden Strategien.

Überblick schaffen

Als praktikable Methode, um Handlungswege zu zeigen, präsentieren die Forscher nun eine sogenannte „Resilienzkarte“. Die Idee dahinter: Trotz familiären Problemen besitzt jedes Kind Stärken, die ihm Widerstandskraft verleihen, etwa in seinem Charakter oder in den Kontakten und Beziehungen zum Umfeld. „Statt automatisch von Belastungen auszugehen, kann man sehen, was gut funktioniert und wie man hier fördert“, so Haselbacher. Die Erhebung erfolgt durch Interviews über das Kind mit Betreuern aus dem Sozialbereich, mit Verwandten sowie auch mit dem belasteten Elternteil.

Die Leistung der Resilienzkarte besteht darin, diese externen Beobachtungen und Einschätzungen – etwa zu Gesundheit, Selbstwert, Optimismus, Temperament, sozialer Kopetenz oder Unterstützung – auf einer Spinnennetz-Grafik zu strukturieren. Das geschieht in den drei Kategorien „Stärken“, „neutraler Bereich“ und „Belastungen“, die wie die Ampel Grün, Gelb und Rot markiert sind. „Sozialarbeiter können auf dieser Grundlage überlegen, wie sie grüne Bereiche stärken und wo akuter Handlungsbedarf besteht“, erklärt die Forscherin.

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