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Prager Petition: Legalisierung von Hanf als Pharmakon gefordert

Am Dienstag haben Ärzte, Patienten und Wissenschaftler eine Petition  zur Legalisierung von Hanf zu medizinischen Zwecken eingereicht. Es gehe bei dieser Petition nicht um die Legalisierung der Droge Marihuana, sondern ausschliesslich um die Nutzung der Pflanze Hanf zur Herstellung von Arzneimittel, wie der Sprecher des Petitionsausschusses der medizinischen Fakultät der Karlsuniversität, Tomas Zabransky, erklärte…

Bisher sind Medikamente, die mehr als 0,3 Prozent des Wirkstoffes THC  enthalten, in Tschechien illegal. Laut Zabransky nutzen derzeit aber Tausende Patienten Hanf zur Therapie. Entweder züchten sie es selbst  oder kaufen es auf dem Schwarzmarkt. Eine offizielle Zulassung helfe daher, die Patienten aus der Illegalität zu holen.

Ein Sprecher des  Gesundheitsministeriums erklärte, zur weiteren Nutzung von Hanf als Arzneimittel müsse zunächst eine breite gesellschaftliche Diskussion stattfinden, bis dahin gebe es klare Regeln zur medizinischen Nutzung.

Die Isolierung und Synzthetisierung von THC, dem wirksamen Bestandteil von Cannabis, gelang zuerst R. Mechoulam, von der School of Pharmacy in Jerusalem.

Was die nicht-medizinische Nutzung betrifft, haben die Tschechen inzwischen sogar die Spanier im Haschisch- bzw. Marijuanakonsum überholt. Es folgen Italiener, Franzosen, Briten. Besonders restriktiv ist die Haltung noch immer in Deutschland, wo schon der Besitz geringer Mengen mit mehrjährigen Haftstrafen bestraft werden kann. Daran hat sich auch nichts geändert als die Partei „die Grünen“ in der Bundesregierung saß.

Ivan Douda, vom Zentrum für Prävention und Heilung von Drogensüchtigen, sieht die Entwicklung in Tschechien positiv. Traditionell sehr strenge Gesellschaften wie in Deutschland kann man nur schwer mit Gesellschaften vergleichen, die lange liberale Traditionen haben. Auch die lebenslustigere Einstellung südlicher Länder bringt einen lockereren Umgang mit sich, unabhängig von der Rechtslage. „Man muss diese Berichte immer im Ganzen bewerten. Warum die Tschechen in dem Bericht auf dem ersten Platz liegen, kommt vielleicht auch dadurch, weil die Atmosphäre bei uns offener ist. Die Leute geben eher zu, die Droge probiert zu haben oder sie ab und zu zu rauchen. Niemand bestraft sie dafür und niemand wundert sich,“ so Ivan Douda. Wenn wir die Situation mit dem Nachbarn Deutschland vergleichen, kann der große Verbrauch von Marihuana unter den jungen Tschechen sogar eine gute Nachricht sein: „Es heißt dann auch, dass Jugendliche weniger Alkohol trinken und weniger von harten Drogen Gebrauch machen. Es bringt sicher ein Risiko mit sich, aber insgesamt ist es besser, wenn junge Leute mit der leichten Droge experimentieren, als mit den gefährlicheren.“

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