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Die Fähigkeit zur Transformation: Trauma-Heilung

Viel zu lange hat die europäische Wissenschaft Körper und Geist getrennt wahrgenommen. Peter Levin, einer der bekanntesten Traumaforscher, spricht von einer „undifferenzierten und verschmolzenen Einheit von Körper und Geist“. Dabei geht es ihm weniger um Philosophie als um Wissenschaft und neuere neurophysiologische oder auch psychoneuroimmunologische Studien, die diese Einheit bestätigen…

… „Alles, was die Handlungsfähigkeit des Körpers steigert, verringert, einschränkt oder erweitert, steigert, verringert, beschränkt oder erweitert auch die Handlungsfähigkeit des Geistes.
Und alles, was die Handlungsfähigkeit des Geistes steigert, verringert, beschränkt oder erweitert, steigert, verringert, beschränkt oder erweitert auch die Handlungsfähigkeil des Körpers“…
Baruch Spinoza (1632-1677)

Laura Perls, die Begründerin der Gestalttherapie, brachte es einmal auf eine einfache Formel, als sie betonte, man habe keinen Körper, sondern sei ein Körper: „You are some-body“, und wenn du keiner bist, dann bist du schnell ein „no-body“.

Peter Levin erforscht die Mysterien des Traumas und der PTBS (Posttraumatischen Belastungsstörung) seit drei Jahrzehnten und wenn dies auch eine Konfrontation mit unsäglichen Qualen und „schrecklichem Wissen“ ist, faszinierte ihn auch  die komplizierte Beziehung des Themas zu Naturwissenschaften, Philosophie, Mythologie und Kunst.

Wie die frühen Gestaltherapeuten fühlt auch Levin sich dem Erbe von Wilhelm Reich, Ida Rolf u.a. verpflichtet. Dieser humanistischer und ganzheitliche Ansatz half ihm, den Sinn des Leidens zu verstehen. Und so schwört auch Levin die Macht der Gegenwart, wenn er sagt: „Die Vergangenheit spielt für uns keine Rolle, wenn wir lernen, in der Gegenwart präsent zu sein. Jeder Augenblick entfaltet dann sein kreatives Potential.“

Traditionell werden Traumata als Störungen geistiger Prozesse verstanden und auch wenn Medizin und Psychologie inzwischen die Wichtigkeit der Beziehung zwischen Geist und Körper bestätigen, wird deren Bedeutung bei der Heilung von Traumata noch immer stark unterschätzt und findet in unserem modernen Verständnis des Traumas und seiner Behandlung fast keine Beachtung.

Zwischen Geist und Körper findet, z.T. vermittelt durch Neuropeptid-Botenstoffe, eine äußerst komplizierte wechselseitige Kommunikation statt. Demnach kann man sagen, dass jedes Organ des Körpers, einschließlich des Gehirns, eigene „Gedanken“, „Gefühle“ und „Eingebungen“ hat und diese Phänomene auch bei den jeweiligen anderen zur Kenntnis nimmt.

Jenseits der heute so verbreiteten mechanistischen und reduktionistischen Sicht des Lebens existiert also ein wahrnehmender, fühlender, wissender und lebender Organismus. Dieser lebende Körper, der uns mit allen fühlenden Wesen verbindet, informiert uns über unsere angeborene Fähigkeit, von den Auswirkungen eines Traumas zu genesen.

…“Die meisten Traumatherapien wenden sich mit sprachlichen Mitteln an den Geist und beeinflussen mit Medikamenten dessen Moleküle. Beide Ansätze können nützlich sein. Doch wird die vollständige Heilung eines Traumas niemals gelingen, wenn nicht gleichzeitig die wichtige Rolle, die der Körper selbst bei der Entstehung dieser Störung spielt, gesehen und in die Betrachtung einbezogen wird. Wir müssen herausfinden, was bei der Entstehung eines Traumas mit unserem Körper geschieht, und wir müssen seine zentrale Bedeutung bei der Heilung der Traumafolgen erkennen“, so Peter Levin in einem seiner ersten Bücher*, in dem er sich intensiv mit der „Weisheitsgabe, die wir empfangen, wenn wir lernen, die ehrwürdigen, ursprünglichen und intelligenten Energien unseres Körpers zu nutzen und zu transformieren“ befasst: „Gelingt es uns, die zerstörerische Kraft des Traumas zu überwinden, erhebt unser angeborenes Potential uns in neue Höhen der Meisterschaft und des Wissens„.

Nach Levin müssen Traumata keine lebenslängliche Strafe sein. Für ihn sind sie nicht nur „heilbar“, sie können sogar transformierend wirken. Er zählt sie zu den „wichtigsten Kräften der menschlichen Entwicklung, des psychischen, sozialen und spirituellen Erwachens“.

Der Autor:

Peter Levine, Ph.D., Biologe, Physiker und Psychologe, widmet sich seit 35 Jahren dem Studium von Stress und Trauma und ist einer der anerkanntesten Trauma-Spezialisten weltweit. Nach seinem Bestseller Das Erwachen des Tigers (Synthesis Verlag) und seinem Grundlagenwerk über Traumaheilung bei Kindern und Jugendlichen (Kösel 2005, über 5000 verkaufte Exemplare) erschienen noch weitere Bücher auf Deutsch. Seine Methode Somatic Experiencing unterrichtet er in vielen Ländern. Zusätzlich zu seiner fachlichen Tätigkeit stellt er sich für die Basisarbeit in Gemeinschaften und Gesellschaften, die durch Krieg oder Naturkatastrophen traumatisiert worden sind, beratend und leitend zur Verfügung.

Das Buch:
*) Peter a. Levine: Trauma-Heilung – Das Erwachen des Tigers

Im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Sicht können Traumata geheilt werden. In vielen Fällen sind dazu nicht einmal langwierige Therapien, kein schmerzhaftes Reaktivieren von Erinnerungen und keine Dauermedikation erforderlich. Wir müssen verstehen, daß es weder notwendig noch möglich ist, Ereignisse, die in der Vergangenheit liegen, zu verändern. Alte Traumasymptome sind Beispiele für gebundene Energie und vergessene Lektionen des Lebens. Die Vergangenheit spielt für uns keine Rolle, wenn wir lernen, in der Gegenwart präsent zu sein. Jeder Augenblick entfaltet dann sein kreatives Potential.
Mit der Information und den Hilfsmitteln, die Ihnen dieses Buch an die Hand gibt, können Sie vermeiden, daß potentiell traumatische Erfahrungen ihre destruktive Wirkung entfalten, und besser mit bedrohlichen Situationen umgehen. In vielen Fällen ermöglichen die hier vorgestellten Methoden auch, die Symptome älterer Traumata in bereichernde Lebenserfahrungen umzuwandeln.

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