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Diagnose: ICD, DSM und triadisches System

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, engl.: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnoseklassifikations- und Verschlüsselungssystem der Medizin…

ICD

Die ICD wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben. Die aktuelle, international gültige Ausgabe (engl. revision) ist ICD-10, Version 2011.

In Deutschland hätte bereits 1996 die vertragsärztliche Abrechnung ausschließlich auf Basis der Verschlüsselung nach ICD-10 erfolgen sollen. Nach massivem Widerstand aus der Ärzteschaft wurde die ICD-10 zunächst als freiwillige Option eingeführt, die Verwendung einer überarbeiteten Version ist seit 2000 Pflicht. Verbindlich für die Verschlüsselung in Deutschland ist die ICD-10-GM Version 2012.

DSM

Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) ist ein Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (Amerikanische Psychiatrische Vereinigung), die diese das erste Mal 1952 in den USA herausgegeben hat. Seither gibt es auch Ausgaben in anderen Ländern. Seit 1996 beispielsweise gibt es eine deutsche Ausgabe des DSM-IV. Aktuell liegt die vierte Auflage (DSM-IV) vor, die 1994 veröffentlicht wurde und im Jahr 2000 eine Textrevision (DSM-IV-TR) erfuhr (Stand: März 2003).

Der Inhalt des DSM wird von Experten festgelegt, um Diagnosen reproduzierbar zu gestalten. Die Klassifikation wurde erstellt, um die Diagnose und Heilung zu erleichtern, weswegen die Nomenklatur heute in Kliniken und Versicherungsgesellschaften gebräuchlich ist.

Bezug zum System ICD-10: Das DSM-IV ist ein Ersatz und/oder eine Ergänzung für die jeweiligen Passagen im ICD-10.

Die ICD-10 ist ein internationales Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Das DSM-IV ist ein nationales Klassifikationssystem der Vereinigten Staaten von Amerika. Es muss daher nicht die zahlreichen Kompromisse und Ergänzungen der ICD-10 berücksichtigen und beinhaltet speziellere und genauere diagnostische Kriterien. Das macht es für die Forschung sehr interessant. Die ICD-10 hingegen setzt ihren Schwerpunkt intensiver auf die interkulturelle Perspektive und die Anwendbarkeit vor allem auch in den Ländern der Dritten Welt.

DSM-IV berücksichtigt im Gegensatz zur ICD-10 geschlechtsspezifische Unterschiede.

Das aktuell gültige DSM-IV vergibt keine eigenen Klassifikationsschlüssel, sondern eine von der APA ausgewählte Teilmenge jener Nummern, welche im 1979-1997 gültigen ICD-9 zur Klassifikation psychiatrischer Krankheiten vorgesehen waren. Die ICD-10 hat andere Klassifikationsschlüssel, was den Vergleich erschwert.

Das triadische System

Das triadische System ist ein nach Ursachen klassifizierendes System psychiatrischer Erkrankungen. Die erste Beschreibung geht auf Emil Kraepelin (1856-1926) zurück; Weiterentwicklungen sind mit den Namen Ernst Kretschmer (1888-1964) und Karl Jaspers (1883-1969) verknüpft.

Man teilte die psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen nach ihrer Ursache in drei Gruppen ein:

  • Organische, durch fassbare körperliche Veränderungen (wie etwa einen Hirntumor) ausgelöste psychische Erkrankungen (körperlich begründbare Psychosen, auch organische Psychosyndrome). Beispiele dafür sind Demenz oder Delir.
  • Endogene psychische Erkrankungen, die vermutlich durch körperliche Veränderungen begründet sind, welche man jedoch noch nicht genau angeben kann (erbliche und „noch nicht körperlich begründbare“ Psychosen). Beispiele dafür sind Schizophrenie und manisch-depressive Psychosen (bipolare affektive Störung).
  • Die dritte Gruppe enthält die vermutlich psychisch ausgelösten Erkrankungen, zum Beispiel Persönlichkeitsstörungen, Neurosen, Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Kraepelin nannte dies abnorme Variationen seelischen Wesens.

Seit den frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Versuche, psychiatrische Krankheiten nosologisch zu klassifizieren, zunehmend aufgegeben. Insbesondere ist die früher umstrittene Frage der „Endogenität“ (d. h. ob das konkrete Symptombild reaktiv auf ein äußeres Ereignis erklärbar zurückgeht oder nicht) in der Praxis in den Hintergrund getreten, weil erfahrungsgemäß zwischen den Vertretern unterschiedlicher Entstehungstheorien nur selten Übereinstimmung darüber zu erzielen ist. Die modernen Klassifikationen versuchen, möglichst beschreibend zu sein und ohne Vorannahmen auszukommen, weil mit einer Orientierung am beobachteten Symptomenkomplex ohne Berücksichtigung von Vermutungen über Ursachen der Erkrankung eine höhere Reliabilität der Diagnosen erreicht wird, was die wissenschaftliche Arbeit erleichtert. Die verschiedenen nosologischen Theorien sind deshalb nicht verschwunden, spielen für die Klassifikation aber nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.

Während die 9. Revision des Klassifikationssystems der WHO (international classification of diseases / ICD) noch dem triadischen System folgte, richtet sich die aktuelle 10. Revision nach den Symptomen und dem Verlauf, ebenso wie der DSM-IV der American Psychiatric Association.

Quelle: Wikipedia, s. Verlinkung…

Das traditionelle triadische System
(m. Bezug zur  ICD 10)

Exogene Psychosen
(ICD 10 = F0, F1)
Endogene Psychosen
(ICD 10 = F2, F3)
Abnorme Variationen seelischen Wesens
(ICD 10 = F3 bis F9)
Körperlich begründbare (exogene/organische) Psychosen Körperlich (noch) nicht begründbare (endogene) Psychosen Psychogene Störungen
•    primäre Hirnkrankheiten (hirnorganisch)
•    hirnbeteiligende Körperkrankheiten (symptomatisch)
•    psychische Störungen durch psychotrope Substanzen
•    manisch-depressiver Formenkreis
•    schizophrener Formenkreis
•    schizo-affektive Erkrankungen
•    anhaltende affektive Störung: dauerhaft instabile Stimmung (Zyklothymia, F 34.0) und chronisch depressive Verstimmung
(Dysthymia F 34.1, zuvor neurotische Depression)
•    abnorme Erlebnis- u. Belastungsreaktionen F4
•    Verhaltensauffälligkeiten F5
•    Persönlichkeitsstörungen F6
•    abnorme Triebanlagen F6
•    Intelligenzminderung F7
•    Entwicklungsstörungen F8
•    Verh.- und emotionale Störung mit Beginn in der Jugend F9

Psychische Erkrankungen mit einer klar abgrenzbaren körperlichen Ursache.
Beispiele: Demenz, Delir

Psychische Erkrankungen mit vermuteten somatischen Veränderungen als Ursache, die jedoch (noch) nicht klar erfasst werden können.
Beispiele: Schizophrenien, affektive Störungen

Abnorme Erlebnisreaktionen und Entwicklungen (sog. Neurosen), Triebanlagen, Persönlichkeiten und Verstandesanlagen.
Beispiele: Anpassungsstörungen und Belastungsreaktionen, sexuelle Deviationen, Persönlichkeitsstörungen, Intelligenzminderung

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