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Hass kann man behandeln: Marihuana bekehrt sogar Nazis

Die ehemaligen rechtsextremen Sängerinnen Lynx und Lamb Gaede haben einen Gesinnungswechsel hinter sich. Die früher als „Prussian Blue“ bekannten Zwillinge, die mit rassistischen Texten und Gesinnungen auffielen, führen den Konsum von medizinischem Marihuana als Hauptgrund für die Abkehr vom nationalsozialsozialistischen Gedankengut an…
Marihuana bekehrt singende Nazis – Rezept-Kiffen führt zu zweifelhaftem Wandel

New York (pte) – Durch den Stress des Bühnenlebens haben beide körperliche Probleme bekommen, die mit herkömmlichen Medikamenten nicht in den Griff zu bekommen waren. Heute führen die beiden nach eigenen Angaben einen liberalen Lebensstil.

„Der Cannabis-Rausch führt tendenziell zu entspannten Gemütszuständen. Die Menschen werden gelassen, sensibel, empfänglich und glücklich. Mit Rechtsextremen verbinde ich eher Hass, Disziplin und ein starkes Feindbild. Das geht nicht gut zusammen. Im Einzelfall ist das aber schwer zu beurteilen. Es gibt auch Rechtsextreme, die Marihuana konsumieren“, sagt Franjo Grotenhermen, geschäftsführender Vorstand der International Association for Cannabinoid Medicines http://www.cannabis-med.org , gegenüber pressetext. Abwegig sei es sicher nicht, dass der meditative Zustand eines Marihuana-Rausches die Sicht auf die Welt verändert.

Die Schwestern wuchsen in dem Provinznest Bakersfield in Kalifornien auf und wurden von ihrer fanatischen Mutter, den Großeltern und anderen rechtsradikalen Gemeindemitgliedern mit einer verwirrten rechtsextremen Ideologie indoktriniert. Blond und blauäugig schienen die Mädchen ihren Eltern prädestiniert für eine Musikerkarriere. 2005 brachten sie ihre erste CD heraus und gingen mit ihren Liedern von der weißen Überlegenheit auf eine USA-weite Tournee, bei der sie Hitler-T-Shirts trugen und die rechte Hand zum Gruß reckten. 2007 wurden sie für eine bekannte US-Doku über Nazis interviewt. Durch den Stress bekamen allerdings beide Schwestern gesundheitliche Probleme.

Bei Lynx wurde mit 15 Jahren Krebs diagnostiziert, ihr wurde ein Tumor operativ aus der Schulter entfernt. Außerdem litt sie an einer seltenen Krankheit, die zu wiederholtem Erbrechen führt. Ihre Schwester hatte Skoliose und chronische Rückenschmerzen. Da keine Medikamente wirkten, wurde beiden irgendwann medizinisches Marihuana verschrieben. Danach wechselten die Schwestern, die zuvor daheim von ihren verwirrten Verwandten unterrichtet worden waren, nach einem Umzug nach Montana an eine öffentliche Schule und wendeten sich von der kranken Ideologie ihrer Mutter ab.

Marihuana als Retter

„Wir waren als Teenager Nazis, bis wir Marihuana entdeckt haben und erleuchtet wurden“, sagen die Schwestern in einem US-TV-Interview. Heute pflegen die beiden nach eigenen Angaben einen Hippie-Lebensstil und setzen sich für Toleranz und Multikulturalität ein. „Heute sind wir ziemlich liberal. Wir lieben die Vielfalt. Dass wir Musik machen konnten, war gut, aber dass wir als Symbole für eine Weltanschauung missbraucht wurden, die wir damals nicht vollständig begreifen konnten, weniger“, so die Zwillinge. In ihrer Zeit in Kalifornien seien sie daheim unterrichtete Landeier gewesen, sagen die beiden heute.

Einige Medien unterstellen den Schwestern, dass der Wandel nicht echt ist, sondern aus taktischen Gründen vorgegaukelt wird. Die Mutter gießt mit der Aussage, die Töchter würden nur sagen, was alle hören wollen, um keinen Ärger zu bekommen, Öl ins Feuer. Auf die Frage nach dem Holocaust antworten die Schwestern: „Ich glaube, manche Dinge sind passiert, denke aber, dass ein Teil falsch rekonstruiert wurde. Ich meine, Hitler war schlimm, aber das gilt auch für Stalin und Churchill“ und „Ich glaube, alle sollten endlich darüber hinwegkommen“. Die Eigenschaft von Marihuana als Wunderkraut gegen politische Verwirrung bleibt also ausbaufähig.

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