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Tag zum Gedenken an Drogentote: Gysi fordert Ende der Verfolgung

Auch in diesem Jahr beteiligten sich im In- und Ausland viele Einrichtungen und Organisationen am Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige…

 Gedenktag ein großer Erfolg

Im Mittelpunkt des diesjährigen Gedenktages stand das Thema „mehr Kontrolle durch Legalisierung“. In Pressemitteilungen und Veranstaltungen wurde ein neuer Weg für eine Drogenpolitik in Deutschland und Europa eingefordert.

GREGOR GYSI NIMMT STELLUNG

Gregor Gysi ist der Schirmherr des diesjährigen Gedenktages für verstorbene Drogenkonsumenten am 21 Juli.

„Der bundesweite Gedenktag für die verstorbenen Drogenkonsumierenden erinnert uns daran, dass es für eine erfolgreiche Präventions- und Aufklärungsarbeit vor den Gefahren des Suchtmittelkonsums zu einem grundlegenden Umdenken in der Drogenpolitik kommen muss.

Die Prohibition bestimmter Drogen besitzt negative Folgen für die Gesundheit der Betroffenen, welche nicht im Verhältnis zum eigentlichen Ziel des Staates, dem Gesundheitsschutz, stehen. Nur durch eine Legalisierung der bisher illegalisierten Drogen wird die Möglichkeit geschaffen, Drogenprobleme im offenen Kontext anzusprechen. Im Mittelpunkt der Problembehandlung muss der Suchtmittelkonsum stehen und nicht die Abarbeitung an repressiven Maßnahmen. Der Umgang mit Drogen muss von der Politik und Gesellschaft als ein gesundheitspolitisches und kein innenpolitisches Thema akzeptiert werden!

Das Beispiel aus Portugal zeigt, eine Abkehr von der repressiven Drogenprohibition bedeutet eine Verbesserung des Gesundheitsschutzes von Abhängigen und Konsumierenden und führt nicht zu einer Erhöhung des allgemeinen Drogenkonsums. Die bisher verwendeten ca. 1,6 Milliarden Euro für die Strafverfolgung sollten daher in die Unterstützung von Präventionsprojekten für Drogenkonsumierende sowie Beratungsangebote für Suchtmittelabhängige umverteilt werden.“

Der Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige findet jedes Jahr am 21. Juli statt. Ins Leben gerufen wurde der Gedenktag vom Verband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V.. Dabei geht es nicht nur um Trauer und Erinnerung, sondern auch um Wut und Protest.

Schon früher hatten zahlreiche Organisationen „Heroin für alle die es brauchen“ gefordert.

Der kürzlich publizierte Weltdrogenbericht der UN konstatiert zwar auf der einen Seite einen Stillstand bei der Anzahl der Konsumenten harter Drogen. Andererseits leben weltweit, wie auch in unserem Land, noch immer zu viele Drogengebraucher unter oftmals elendsten Lebensumständen.
Dies insbesondere für die große Gruppe der intravenös Konsumierenden zu verändern, ist die neue Option einer Behandlung mit dem Originalstoff , also medizinisch reinem Heroin. Andere Länder hatten den Erfolg dieses Behandlungsangebots bereits demonstriert.
Allerdings dürfte es auf Grundlage der unlängst beschlossenen Richtlinien des GBA (Gemeinsamer Bundesausschuss) schwierig werden, die Möglichkeit zur Heroinbehandlung möglichst flächendeckend anzubieten. Diese Bedenken teilte sogar die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Mechthild Dyckmans, in einer Pressemitteilung (180310):

„Wir sind überzeugt, dass die praktischen Auswirkungen der vorgelegten Richtlinien die Befürchtungen der Drogenbeauftragten in negativer Hinsicht noch bei weitem übertreffen werden. Diese unnötig strengen Richtlinien übertreffen nicht nur die Auflagen, die in der Heroinstudie Verwendung fanden. Nein, auch die vom Bundesgesetzgeber formulierten Vorgaben werden deutlich und überaus praxisfern verschärft“, befürchtet Mathias Häde vom JES Bundesvorstand.

Diese Praxisferne verdeutlichen u.a. folgende Regelungen: Die Forderung der ständigen Anwesenheit eines Arztes während der 12-stündigen Öffnungszeit an sieben Tagen der Woche, sowie die Einrichtung von 3,0 Arztstellen unabhängig von der Anzahl der zu behandelnden Patienten sind Auflagen, die für viele potentielle Träger der Heroinambulanzen nicht erfüllbar sein dürften – und die in dieser Form zudem fachlich nicht begründbar sind.
„Wir fordern die politisch Verantwortlichen daher auf, die nach 15 Monaten anstehende Bewertung der Auswirkungen der GBA Richtlinien eng zu begleiten und kritisch zu überprüfen, so Marco Jesse vom JES Bundesvorstand.
„Trotz einiger positiver Entwicklungen fristen Strategien der Überlebenshilfe und Schadensminderung in vielen Ländern weiterhin ein Schattendasein. Die Aufgabe der Bundesregierung muss darin bestehen, die menschenverachtende Drogenpolitik in einigen asiatischen, lateinamerikanischen und osteuropäischen Ländern zu skandalisieren und über eine ‚Koalition für Menschenwürde‚ dringend erforderliche Veränderungen zu bewirken“, erläuterte Jochen Lenz als JES Bundesvorstand abschließend.

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