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Parada: Humor als Psychotherapie

Der Film „Parada“ wurde zum Erfolgshit im gesamten Balkanraum, der als sehr schwulenfeindlich bekannt ist. Regie führte der Psychotherapeut Srdjan Dragojević…

„Wir können einen Prozess der Veränderung anstoßen“…
Interview mit Srdjan Dragojević, Regisseur von Parada

Warum denkst du ist der Film so gut angekommen, obwohl die Homophobie am Balkan sehr weit verbreitet ist?

Ich bin nicht sicher. Entweder, die Menschen im Balkan sind gar nicht so homophob oder ich bin ein großartiger Filmemacher.

Hattest du damit gerechnet, dass die Menschen so offen auf den Film und auf die Thematik reagieren? Glaubst du dein Film hat die Einstellung der Menschen verändert?

Das ist nur 5 Monate nach der Premiere schlecht einzuschätzen. Die Tatsache, das der Film in den ehemals jugoslawischen Ländern von über 600.000 Menschen gesehen wurde, ist eine ermutigende Sache. Aber ich denke nicht, dass Filme die Welt verändern können, sie können nur einen Prozess der Veränderung anstoßen.

In deinem Film versammelt der Veteran Limun Kriegsgefährten aus allen ehemaligen jugoslawischen Republiken. Ist das so etwas wie ein Versöhnungsakt?

Ich sehe es als Realität. Vor kurzer Zeit haben kroatische und bosnische Kriegsveteranen in einer Fernsehsendung für ihre früheren Feinde aus Serbien Geld gesammelt, weil die Regierung dort ihre Veteranen nicht genügend unterstützt. Manche sagen, dass ich in meinen Filmen übertreibe, aber die Realität ist immer verrückter als sie in Filmen dargestellt wird. Das gleiche gilt für die Charaktere in PARADA. Ich kenne alle diese Persönlichkeiten.

Woher glaubst du kommt der extreme Schwulenhass am Balkan?

Der kommt ganz einfach aus der MACHO-Kultur.

Wie waren die Dreharbeiten? Waren die Dreharbeiten Anfeindungen ausgesetzt, musstet ihr auch geschützt werden?

Nein, wir hatten keinerlei Schutz. Wir waren beim Drehen aber sehr diskret und haben immer versucht, unter dem Radar der Presse zu bleiben. Wir haben sozusagen inkognito gedreht. Das war besser so, denn anfangs als ich jemandem erzählt hatte, was wir jetzt drehen, wurde meine Windschutzscheibe eingeschlagen.

Hattest du unter diesen Umständen „Personal-Probleme”, gab es zwischendurch Zweifel an dem Projekt seitens Cast und Crew?

Nicht wirklich, es haben nur viele Schauspieler für die schwulen Rollen von vornherein abgesagt. Aber sie waren ganz ehrlich und haben gesagt, dass sie Kinder in der Schule haben. Kinder können grausam sein und sind schon voller Vorurteile.

Im Film kommen keine expliziten homosexuellen Liebesszenen vor, nicht mal ein Kuss. Hattest du Angst mit solchen Szenen das Publikum zu verschrecken? Warum hast du darauf verzichtet?

Ich mag auch keine Hetero-Sexszenen und versuche sie in meinen Filmen zu vermeiden. Sie sind immer so gestellt und unecht. Bei PARADA dachte ich, dass schon ein Kuss die Diskussion über den Film anführen würde, obwohl er wirklich unwichtig ist und es um etwas ganz anderes geht. Wenn man weiß wie, kann man Zuneigung zwischen zwei Menschen auch ohne Kuss oder Sexszene zeigen.

Du spielst in deinem Film mit vielen Klischees. Kann das nicht Vorurteile eher schüren, als Ihnen entgegen zu wirken?

Nein, das denke ich nicht. Wie gesagt, ich kenne die Persönlichkeiten in PARADA, ich habe sie alle auf der Grundlage realer Persönlichkeiten angelegt.

Ich beschäftige mich mit vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten. Ich bin das Gegenteil eines Snobs.

Warum hast du dich für dieses Thema entschieden? Was gab dir die Inspiration für eine Komödie über Homophobie und warum hast du die Thematik als Komödie umgesetzt?

Man sagt: „Diese Welt ist eine Komödie für die, die denken, eine Tragödie für die, die fühlen.“ – ich denke und fühle. Ich bin wahrscheinlich etwas manisch-depressiv, vielleicht gehen Komödie und Tragödie deshalb bei mir Hand in Hand.

Du bist ausgebildeter Psychologe. Beeinflusst deine vorherige Ausbildung deine Arbeit als Filmemacher? Vielleicht. Ich bin aber auch ein preisgekrönter Poet und ausgebildeter Koch. Außerdem Musik- und Filmkritiker.

Ich habe schon viele Dinge in meinem Leben getan, ich hatte in den 80ern sogar eine ziemlich bekannte New Wave Band. Aber ich denke, dass das Kochen mich am meisten beeinflusst hat.

Ist Humor für dich Medizin oder Waffe? Für mich ist Humor Heilung. Aber auch eine Waffe gegen die stumpfsinnige, mittelmäßige Welt, in der wir heute leben.

Was sind deine Hoffnungen für die Pride-Parade 2012? Wirst du teilnehmen? Natürlich! Diesmal werde ich nicht filmen, sondern die Parade mit meinen schwulen Freunden genießen und das Leben und alle seine unterschiedlichen Formen feiern.

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