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Tendenz steigend: Sexuell übertragbare Infektionen

West- und Mitteleuropa erleben seit dem Ende des 20. Jahrhunderts eine Renaissance der sexuell übertragbaren Infektionen (STD und eine Zunahme der HIV-Neuinfektionen…

Beide Entwicklungen werden ganz überwiegend bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), beobachtet und beeinflussen sich gegenseitig. Ulzerierende und entzündliche Erkrankungen im Genitoanalbereich erleichtern die HIV-Übertragung. Die HIV-bedingte Immundefizienz beeinflusst andererseits Klinik, Verlauf und Therapierbarkeit derSTIs.

Mit derZunahme der  STIs ist es für die Angehörigen der Heilberufe nicht nur wichtig das klassische Lehrbuchwissen parat zu haben, es ist auch notwendig sich über die hauptsächlich betroffenen Risikogruppen, deren sexuelles Risikoverhalten und die aktuellen Therapieleitlinien insbesondere unter dem Aspekt aktueller Resistenzentwicklungen zu informieren.

Die Erreger der Gonorrhoe sind mittlerweile gegen fast alle Antibiotika, inklusive der Makrolide und Chmolone resistent. Auch gegen die aktuellen Standardpräparate Cefixim und Ceftriaxon (Cephalosporine der3. Generation] wird eine Resistenzentwicklung beobachtet.

Die Zunahme sonst eher seltener klinischer Manifestationen (z.B. analer und oraler STI -Erkrankungen), atypische Verläufe bei Immundefizienz, das Auftreten von STIs bei älteren Patienten (Verlängerung sexueller Aktivität durch sogenannte Lifestyle-Präparate) und die durch das Internet stark vereinfachte Aufnahme anonymer sexueller Kontakte hat die Gruppe potentieller STI-Patienten und die Vielfalt ihrer klinischen Manifestationen erheblich erweitert.

Bei jüngeren homosexuellen Patienten führen nachlassende Kondombenutzung sowie mit hohem Infektionsrisiko belastete Sexualpraktiken zu steigenden Erkrankungszahlen. Die (anonyme) Meldepflicht umfasst heute nur noch neu erworbene HIV-Infektionen und akute, behandlungsbedürftige Syphilisfälle. Alle anderen STIs (mehr als 30 sexuell übertragbare Erreger sind bekannt!) werden mit Ausnahme von Virushepatitiden nicht mehr gemeldet. An einer Überarbeitung der Meldepflicht wird gearbeitet. Für die Suche nach infizierten Sexualpartnern (sogenanntes „Partner Tracing“) gibt es zwar Empfehlungen, jedoch keinerlei bindende Regelungen.

Da alle STIs gehäuft in den gleichen Risikogruppen vorkommen und den gleichen (sexuellen) Übertragungsweg haben sind Mehrfachinfektionen beim gleichen Patienten häufig. Liegt eine STI vor, müssen die anderen, insbesondere eine asymptomatische HIV-Infektion und eine latente Syphilis, die beide nur bei gezielter Labordiagnostik nachweisbar sind, ausgeschlossen werden.

© blak.de
Die Apothekerkammer Bayern bietet f. ihre Mitglieder entsprechende Fortbildungsreihen an.

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