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Vitalpilze: Was sind Adaptogene?

Ein zentrales Ziel der TCM (Trad. Chin. Med.) ist es Ungleichgewichte zu harmonisieren. Die Stärke der Vitalpilze liegt dabei insbesondere in den enthaltenen sogenannten Adaptogenen – Substanzen, die dazu beitragen, den Patienten in einen Zustand der Ausgeglichenheit (Homöostase) zurückzuführen…

Dr. med. Heinz Knopf

Sie können beispielsweise je nach Ist-Zustand den Blutdruck sowohl nach oben als auch nach unten regulieren. Außerdem erhöhen sie das Vermögen des menschlichen Organismus, mit Belastungssituationen wie Krankheiten oder Stress besser zurechtzukommen und Strategien zur erfolgreichen Bewältigung dieser schädigenden Zustände zu entwickeln.

Überlebensstrategien zum Nutzen des Menschen

Was ist es genau, das die Pilze so wertvoll für den Menschen macht? Zur Beantwortung dieser Frage ist es hilfreich, sich die Überlebensstrategien vor Augen zu führen, die die Pilze im Laufe der Evolution in ihrer ökologischen Umgebung entwickeln mussten, um auf diesem Planeten ihren Platz zu behaupten. Pilze, diese besonderen Lebewesen zwischen Tierund Pflanzenreich, sind die größten „Recycler“ organischen Materials und Hauptversorger der Pflanzen mit lebensnotwendigen Substraten. In dieser Funktion entwickelten sie zum Beispiel die Fähigkeit, Stoffe zu bilden, die gegen Bakterien, Viren und schädliche andere Pilze wirksam sind. Dies machte man sich auch bei der Entwicklung von Medikamenten zunutze. So ist das Penicillin nichts anderes als ein Stoffwechselprodukt von Pilzen, und auch die gegen Krebs eingesetzten Substanzen Lentinan und Krestin sind auf die Inhaltstoffe von Vitalpilzen zurückzuführen.

Während sich die Menschen früher damit begnügten, aus ihrer Erfahrung heraus auf die Wirkung ihrer Medizin zu vertrauen, nehmen heute Inhaltsstoffanalysen, Studien und wissenschaftliche Berichte einen sehr hohen Stellenwert ein. Im Jahr 1974 lockte ein internationaler Kongress zur ostasiatischen Vitalpilzkunde auch Mediziner aus der westlichen Welt nach Tokio. Beeindruckt von den Ergebnissen der dortigen Forschung kehrten sie zurück, und nach und nach begann auch hierzulande eine intensive Forschungsarbeit. Inzwischen ist die Wirksamkeit vieler Inhaltsstoffe der Pilze pharmakologisch untersucht und wissenschaftlich belegt. Doch nicht nur der einzelne Wirkstoff, sondern gerade das komplexe Zusammenspiel vieler wertvoller Inhaltsstoffe ist es, was die Vitalpilze zu Recht als eine von der Natur gegebene „Hausapotheke“ mit großem Einsatzspektrum gelten lässt. So weiß man zum Beispiel seit Jahrhunderten um die enorm stimulierende Wirkung des Shiitake auf das Immunsystem, während der Reishi besonders zur Regulierung der Blutzucker- und Blutfettwerte sowie zur Schmerzbehandlung eingesetzt wird. Vom Hericium ist inzwischen bekannt, dass bestimmte antimikrobielle Wirkstoffe ein Bakterium namens Helicobacter pylori hemmen, das für die Entstehung von Magengeschwüren und Magenkrebs verantwortlich gemacht wird.

Da die Pilze insgesamt regulierend auf den Organismus einwirken, können sie mit oftmals besserer Wirksamkeit als schulmedizinische Medikamente dem Körper auf dem Weg zur Gesundung helfen oder gezielt vorbeugend wirken. Als Lebens- und Nahrungsmittel lassen sich viele von ihnen ganz einfach in einen gesunden Speiseplan mit einbauen, fördern auf diese Weise die Vitalität und leisten einen Beitrag zur wichtigen Prävention von Erkrankungen. Eine allgemein entgiftende Wirkung, die den Körper dabei unterstützt, sich mithilfe gut funktionierender Ausleitungsorgane (Haut, Nieren, Leber, Darm, Lunge) von Schadstoffen zu befreien, ist erwiesen. Auf der anderen Seite sind Vitalpilze reich an speziellen Inhaltsstoffen, wie zum Beispiel den Polysacchariden, die bei schweren Erkrankungen heute erfolgreich zum Einsatz kommen.

Ganzheitliche Vorbeugung

Ihre Stärken spielen die Pilze also sowohl bei der Behandlung von Erkrankungen als auch im Rahmen einer ganzheitlichen Prävention aus. Gar nicht erst krank werden – das ist dank der unnachahmlichen Komposition von Wirkstoffen und sekundären Inhaltsstoffen ein erreichbares Ziel. Neben Aminosäuren, Enzymen, Vitaminen und Mineralien sind auch hier die Polysaccharide von besonderer Bedeutung. Sie stabilisieren und regulieren das Immunsystem und stärken damit allgemein die körperliche Belastbarkeit. Die medizinische Forschung hat längst erkannt, dass eine wesentliche Ursache für die Entstehung bestimmter Krebsarten eine chronische Immunschwäche ist. Die aus den Pilzen isolierten Mehrfachzucker werden deshalb in den USA und Japan erfolgreich in der Krebstherapie eingesetzt. Außerdem hemmen sie Entzündungsprozesse, senken den Blutdruck und normalisieren die Blutzucker- und Blutfettwerte. Die höchste biologische Wirksamkeit bei den Polysacchariden zeigten in klinischen Studien die sogenannten Beta-D-Glucane. Sie sind sehr variabel in ihrer Struktur und können dank ihrer molekularen Verzweigungen und ihrer Wasserlöslichkeit vielfältige Reaktionen auslösen. Ihre antientzündliche Wirkung ist besonders im Hinblick auf die enorme Ausbreitung arteriosklerotischer Veränderungen bereits bei jüngeren Menschen von Bedeutung. Hier wird es in Zukunft mehr und mehr darauf ankommen, bereits vor dem Auftreten erster Symptome einen sanften und dennoch effektiven Schutz der Blutgefäße zu erreichen. Nur dann wird es möglich sein, die allzu oft plötzlich auftretenden, schweren und bisweilen tödlichen Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu verhindern.

Sehr wertvoll für den Menschen sind auch die Antioxidanzien, die die Abwehrkräfte stärken, die Zellen schützen und den Körper dabei unterstützen, mit den vielfältigen täglichen Belastungen besser zurechtzukommen. Die enthaltenen Triterpene sind ebenfalls als hochwirksam eingestuft worden. Sie wirken entzündungshemmend, regulieren die Zucker- und Fettwerte im Blut, beschleunigen die Wundheilung und führen bei Allergikern zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden. Bei einigen Pilzen, zum Beispiel dem Reishi, ist sogar eine Schmerzhemmung pharmakologisch nachweisbar.

Die Mykotherapie als eigenständiger Heilbereich

Mehr als ein Dutzend Pilze, deren Anwendungsgebiete sehr breit gefächert sind, nutzt die moderne Mykotherapie (mykos = griechisch für Pilz), die sich inzwischen als eigenständiger Bereich in der Naturheilkunde etabliert hat, wenngleich natürlich auch eine kombinierte Behandlung zusammen mit anderen ganzheitlichen Therapieverfahren möglich und oft empfehlenswert ist. Den zehn interessantesten Vitalpilzen ist in diesem Buch jeweils ein ausführliches Porträt gewidmet:

• Agaricus blazei Murill (ABM):  Seite 25
• Auricularia polytricha: Seite 31
• Coprinus comatus: Seite 37
• Cordyceps sinensis: Seite 43
• Coriolus versicolor: Seite 49
• Hericium erinaceus: Seite 55
• Maitake (Grifola frondosa): Seite 61
• Polyporus umbellatus: Seite 67
• Reishi (Ganoderma lucidum): Seite 73
• Shiitake (Lentinula edodes): Seite 81

Allen Pilzen gemeinsam ist der besondere Aufbau ihrer Zellstruktur. Sie besteht nicht wie bei den Pflanzen aus Zellulose, sondern aus Chitin – genauso wie bei Insekten und Krustentieren. Unser Verdauungssystem ist nicht in der Lage, Chitin zu verwerten. Manche Wirkstoffe in den als Speisezutat verwendeten Pilzen oder in Pilzpulvern sind also teilweise in Chitingerüsten verpackt. Sie sind dann nicht in ausreichender Konzentration vom Organismus aufschlüsselbar und damit nur schlecht bioverfügbar. Aus diesem Grund werden Vitalpilze heute zum Teil auch in standardisierten Extrakten angeboten, wobei sich insbesondere Kombinationen aus Pilzpulver und Extrakt als besonders wirksam erweisen (siehe hierzu auch die Seiten 20 und 21). In ihnen vereint sich die besonders hohe Konzentration bioverfügbarer Wirkstoffe mit der perfekten ganzheitlichen Komposition von Inhaltsstoffen aus der Natur.

In akuten Notfällen und bei schweren Erkrankungen haben die modernen Medikamente der Schulmedizin schon unzähligen Menschen das Leben gerettet. Dort jedoch, wo der Körper weniger plötzlich, dafür aber dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt ist, besteht mit der Mykotherapie oftmals die Chance, wirksamer und zugleich schonender zu helfen – übrigens auch ergänzend zu pharmazeutischen Mitteln, deren Dosierung nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt in vielen Fällen sogar reduziert werden kann, sobald die Vitalpilze wirken.

Noch sind nicht alle Vitalpilze restlos erforscht, und man darf gespannt sein, welche weiteren Erkenntnisse die künftige Forschung zur Wirksamkeit der Pilze hervorbringt. Fest steht jedoch, dass die sanften und zugleich so kraftvollen Vitalpilze bereits seit Jahrtausenden sowohl in der Prävention als auch in der begleitenden Therapie von Erkrankungen ihren hohen Nutzen für die Gesundheit des Menschen unter Beweis stellen.

Dr. med. Heinz Knopf ist 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Vitalpilzkunde e.V.
vitalpilze.de

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