Archivsuche

Büchersuche

Archiv (chronolog.)

Prof. Hans Hirschfeld: Stolperstein für Berliner Mentor der Hämatologie

In der Charlottenburger Droysenstraße in Berlin wurde am 17. März 2011 ein Stolperstein für Prof. Hans Hirschfeld verlegt. Damit gedenkt die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. stellvertretend für alle unter der Naziherrschaft ermordeten jüdischen Kollegen dem Berliner Krebsmediziner an seinem letzten Wohnsitz in Berlin…

Prof. Hans Hirschfeld steht stellvertretend für eine ganze Generation jüdischer Ärzte und Wissenschaftler, die der Nazidiktatur zum Opfer gefallen sind. Hunderte Wissenschaftler, häufig profilierte Konkurrenten ihrer ‚arischen’ Kolle­gen, wurden so aus dem Weg geräumt“, so Dr. Thomas Benter, Mitglied der DGHO bei der Verlegung des Stolpersteins für Hirschfeld. „Nicht zuletzt deshalb tat sich die Medizin lange schwer, sich diesem Thema wirklich zu stellen, und umso wichtiger ist es, heute die Erinnerung an Wissenschaftler wie Hirschfeld aufrechtzuerhalten.“

Hans Hirschfeld, geboren 1873, studierte von 1891 bis 1897 in Berlin Medizin, spezialisierte sich früh auf Erkrankungen des blutbildenden Systems und pro­movierte in diesem Bereich. 1918 wurde er habilitiert, 1923 als außerordentlicher Professor an das Institut für Krebsforschung der Berliner Charité berufen. 1933 erschien in Zusammenarbeit mit Anton Hittmair das für die Geschichte der Krebs­medizin bedeutende „Handbuch der allgemeinen Hämatologie“. Nach der Macht­ergreifung der Nazis verlor Hirschfeld seine Stelle, 1936 erhielt er Publikations­verbot. Verzweifelt versuchte Hirschfeld in England eine Anstellung als Wissen­schaftler und Arzt zu finden und seinem Schicksal in Berlin zu entkommen. Mittellos lebte er zuletzt in der Droysenstraße in Charlottenburg. Von dort wurde er im Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er im August 1944 starb. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht bekannt.

„Die Fachgesellschaft möchte sich heute nicht nur mit der Geschichte ihres Fachs in der Nazizeit beschäftigen, sondern darüber hinaus auch die fehlende oder gar unterdrückte Auseinandersetzung mit diesem Erbe in den vergangenen Jahrzehnten thematisieren“, betont Prof. Gerhard Ehninger, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO, anlässlich der Verlegung des Stolpersteins. „Hans Hirschfeld war Mitherausgeber eines unserer bis in die 70er Jahre hinein unver­zichtbaren Standardwerke. Bei der ersten Neuauflage nach dem Krieg tauchte sein Name plötzlich nicht mehr unter der Autorenschaft auf. Unsere Kollegen, teilweise wissenschaftliche Größen ihrer Zeit, haben sich dieses geistige Eigentum einfach zu Eigen gemacht. Auch dieser Geschichte müssen wir uns heute stellen. Deshalb hat der DGHO-Vorstand die Initiative von Anfang an unterstützt, einen Stolperstein für Prof. Hirschfeld zu verlegen. Diese Aktion ist ein Auftakt zu weiteren Projekten, mit denen wir uns mit der Vergangenheit der Fachgesellschaft vor und nach 1945 auseinandersetzen wollen“, so der Vorsitzende der Fachgesellschaft weiter.

www.stolpersteine.com – DGHO.de

siehe auch: aerzte.erez-israel.de

 

3 comments to Prof. Hans Hirschfeld: Stolperstein für Berliner Mentor der Hämatologie