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Hans Hirschfeld: Gründungsvater der Hämatologie in Deutschland

Hirschfeld stammte aus einer Berliner Kaufmannsfamilie. Nach dem Besuch des Lessinggymnasiums studierte er von 1891 bis 1897 Medizin an der Friedrich-Wilhelm-Universität, promovierte am dortigen Pathologischen Institut und begann seine Assistenzzeit am Krankenhaus Moabit in Berlin. Ab 1910 übernahm er die Patientenbetreuung am Krebsinstitut der Berliner Charité. 1919 habilitierte Hirschfeld mit einer Arbeit über die perniziöse Anämie und erhielt 1922 die Ernennung zum Professor.

Nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums im April 1933 wurde er im Mai 1933 mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Er verlor seine Lehrbefugnis und im September 1938 auch seine Bestallung als Arzt. Die Nationalsozialisten deportierten das Ehepaar Hirschfeld am 30. Oktober 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt. Ihren beiden Töchtern gelang rechtzeitig die Emigration. Hans Hirschfeld starb am 26. August 1944 im KZ Theresienstadt.

Hirschfelds Interesse galt schon früh den Bluterkrankungen. Seine ca. 160 Publikationen beschäftigten sich mit histologischen und hämatologischen Fragestellungen, besonders intensiv mit der Pathologie der Milz. Ein weiterer Schwerpunkt war, gemeinsam mit Artur Pappenheim, die mikroskopische Differenzierung von Blutzellen. Frühzeitig engagierte er sich in der 1908 gegründeten Berliner Hämatologischen Gesellschaft, Vorgängerin der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO). Hans Hirschfeld war einer der international renommierten Hämatologen seiner Zeit. Ein wesentliches Verdienst war 1932 die erste Herausgabe des vierbändigen „Handbuch der allgemeinen Hämatologie“, gemeinsam mit Anton Hittmair. Ebenfalls war er Herausgeber mehrerer hämatologischer Fachzeitschriften, u. a. der „Folia haematologica“.

Das von Hirschfeld und Hittmair begründete „Handbuch der allgemeinen Hämatologie“ blieb bis in die 1970er Jahre ein unverzichtbares Standardwerk im deutschen Sprachraum. Die von Hirschfeld maßgeblich geprägte Zeitschrift „Folia haematologica“ wurde bis 1990 bei der Leipziger Akademischen Verlagsgesellschaft weitergeführt. Von 1956 bis 1964 vertrieb die Akademische Verlagsgesellschaft in Frankfurt/Main eine konkurrierende Zeitschrift unter dem Namen „Folia haematologica. Neue Folge.“ Entgegen akademischen Gepflogenheiten verschwiegen nach dem Kriege Ludwig Heilmeyer und Viktor Schilling als Herausgeber des Lehrbuchs respektive der Zeitschriften in der DDR und der Bundesrepublik Hirschfeld als historischen Herausgeber und eigneten sich so Hirschfelds geistiges Eigentum an.

Während Hirschfeld und seine Leistungen nahezu vergessen wurden, erlangten Heilmeyer und Schilling akademische Würden und Ämter an den Universitäten Freiburg und Rostock. Erst 2011 wurde Hirschfelds Name wieder gewürdigt: in der Charlottenburger Droysenstraße in Berlin wurde ein Stolperstein zu seinem Gedenken verlegt.

siehe auch: aerzte.erez-israel.de

Hans Hirschfeld (20 March 1873 in Berlin – 26 August 1944) was a German-Jewish hematologist.

He studied medicine at the University of Berlin (1891-97), and following graduation began his residency at Moabit Hospital-Berlin. From 1910 he worked at the cancer institute of the Berlin-Charité. In 1919 he obtained his habilitation with a thesis on pernicious anemia, becoming a professor in 1922.

After enforcement of the Nazi edict- Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (1933), Hirschfeld was forced into taking early leave, later losing his teaching licence and his right to practice medicine. In October 1942 he was deported to the Theresienstadt concentration camp, where he died on August 26, 1944.

Hirschfeld was the author of many publications in the fields of hematology and histology. He is known for his studies of blood diseases and his research on the pathology of the spleen. With hematologist Artur Pappenheim (1870-1916) he conducted studies involving microscopic differentiation of blood cells.

He was an editor of several hematological journals, including the „Folia Haematologica“. He was an early member of the Hämatologischen Gesellschaft, predecessor of the Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (German Society for Hematology and Oncology (DGHO).

siehe auch: aerzte.erez-israel.de

  • Die Erkrankungen der Milz, 1920 — diseases of the spleen
  • Morphologische Hämatologie, 1919 (with Artur Pappenheim 1870-1916)– morphological hematology
  • Lehrbuch der Blutkrankheiten für Ärzte und Studierende, 1928 — Textbook of blood disorders for physicians and students.
  • Handbuch der Allgemeinen Hämatologie, 1932 (with Anton Hittmair 1892-1986)– Textbook of general hematology.

Stolperstein für Prof. Hirschfeld

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