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Archiv (chronolog.)

Max Hodann: Exil und Tod 1933-1946

Nach den formalen Kriterien der neueren Emigrantenliteratur erfüllte Hodann alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Emigrantenexistenz, die erheblichen Gewinn für ihn selbst und vor allem für den gesellschaftlichen Ordnungsbestand, zumindest die Sexualpädagogik im Gastland hätte mit einschließen können…

17.2.: Exil 1933-1946: Rastlose Irrfahrt eines Asthmakranken durch Europa

Jung, als Autor über die Landesgrenzen hinaus bekannt, politisch vorausschauend, verabschiedete er sich entschlossen nach  zeitweiliger Inhaftierung noch 1933 aus Deutschland ins sofortige Exil. Doch ähnlich vielen jüdischen Emigranten, die sich im mitgeschaffenen  deutschen Kulturraum heimisch gefühlt hatten, haftete an ihm – das zitierte emigrationshistorische Gesetz modifizierend – trotz tolerabler Existenzumstände ein merkwürdiges Odium des Scheiterns.

In 13 Iahren gelangte er  in 7 europäische Länder. Das Exil gestaltete sich unstet. Lange Zeit blieb Hodann ohne feste Arbeitsstelle, ohne geregeltes Einkommen, klagte oft über  Geldmangel und musste Schulden aufnehmen. Er lebte von Vortrags- und  Autorenhonoraren. Der Plan einer Übersiedlung in die Sowjetunion mit  Übernahme einer zugesicherten festen Position 1936 zerschlug sich, weil  Hodann für den Rest seines Lebens an einem chronisch-rezidivierenden  Asthma bronchiale erkrankte.

Trotz seiner Krankheit beteiligte er sich als  Arzt am Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Internationalen Brigaden.  Von Mai 1937-September 1938 arbeitete er bis zur militärischen Niederlage  im chirurgischen Bereich, im Sanitätsdienst und als Leiter von Kinder- und  Waisenheimen. Letzte Station seines Exils war ab 1940 Schweden, das sich  – nicht anders als andere (nicht neutrale) Länder auch – den deutschsprachigen ärztlichen und wissenschaftlichen Emigranten gegenüber restriktiv  erzeigte. Jahre später, erstmals im Exil, verfügte er von März 1944 – Juli1945  über einen festen Arbeitsplatz als psychologischer Experte bei der britischen  Gesandtschaft in Stockholm, wo er dann aber nicht länger gebraucht wurde.

Hodanns Krankheit und Tod erinnern an das Schicksal seines österreichischen Schriftsteller-Kollegen aus späterer Zeit, Thomas Bernhard (58-jährig  gest. 1989). Er starb, allein in seiner Wohnung, am 17. Dezember 1946 im  Status asthmaticus. Neben ihm lag, ungenutzt, die spritzfertig aufgezogene  Ampulle Adrenalin.

Nächster Teil…

Aus dem 17. Kap. des Buches „Sozialhygiene als Gesundheitswissenschaft: Die deutsch/deutsch-jüdische Avantgarde 1897-1933„, eine Geschichte in sieben Profilen, von Wilfried Heinzelmann, das wir ihnen zur weiteren Lektüre empfehlen.

1 | Die Anekdote aus dem in Stockholm archivierten autobiographischen Fragment Hodanns wird in der Sekundärliteratur mindestens dreimal im Wortlaut wiedergegeben: Tennstedt 1983, Labisch/Tennstedt 1985 und Schneck 1997.
2 | Archiv für Soziale Hygiene XVI, 1, 1920.  3 Als Auffälligkeit mag man es empfinden, dass Grotjahn einem seiner frühesten Schüler und genuinen Adepten der Sozialhygiene trotz seiner enormen literarischen Produktivität niemals die Habilitation nahegelegt zu haben scheint.

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